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Nicht immer geben sich Fälscher Mühe.
Nicht immer geben sich Fälscher Mühe.(Foto: imago/Westend61)
Freitag, 21. Juli 2017

Kirchen, Kioske, Kneipen: Wo Euro-Blüten überall auftauchen

Smaragdzahl und Hologramm: Mit neuen Sicherheitsmerkmalen versuchen Notenbanken, Geldfälschern das Handwerk zu erschweren. Doch die Kriminellen ziehen nach - manche Versuche sind allerdings plump.

Selbst vor dem Klingelbeutel in der Kirche machen Geldfälscher nicht Halt. Im bayerischen Erding spendeten Unbekannte in einem Gotteshaus großzügig 50 Euro. Der Schein stellte sich als einseitig bedruckte Farbkopie des runderneuerten Fünfzigers heraus, der zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht im Umlauf war.

"Am Tag der Veröffentlichung der ersten Abbildungen und Sicherheitshinweise neuer Scheine beginnen die Fälscher mit der Produktion. Die Zeit bis zur Ausgabe der neuen Noten muss daher möglichst kurz gehalten werden", schildert der Leiter des Zentralbereichs Bargeld bei der Deutschen Bundesbank, Stefan Hardt. Zugleich brauchten Automatenhersteller allerdings auch eine gewisse Zeit, um ihre Geräte anzupassen.

Bisher hält sich die Zahl nachgemachter 50-Euro-Scheine der neuen Serie allerdings in Grenzen. Gerade einmal 35 Blüten dieser Sorte wurden in Deutschland im ersten Halbjahr aus dem Verkehr gezogen. Neue Sicherheitsmerkmale der Anfang April eingeführten Banknote sollen Kriminellen das Handwerk erschweren - denn der Fünfziger ist mit Abstand die am häufigsten gefälschte Eurobanknote.

Vor allem noch gefälschte Fünfziger der alten Europaserie

In den ersten sechs Monaten brachten Kriminelle insgesamt 25.147 falsche Fünfziger in Umlauf und damit mehr als im zweiten Halbjahr 2016. Davon waren 25.112 nachgemachte Scheine der alten 50-Euro-Serie. "Es werden vor allem noch gefälschte Fünfziger der alten Europaserie registriert. Auch Fälscher haben wohl eine logistische Reserve", erklärt Hardt.

Die Gefahr, mit Falschgeld in Berührung zu kommen, ist allerdings äußerst gering. Im ersten Halbjahr kamen rechnerisch rund zehn Blüten auf 10.000 Einwohner. Insgesamt entdeckten Banken, Handel und Polizei in Deutschland der Bundesbank zufolge rund 39.700 gefälschte Euro-Scheine - 8,7 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2016, aber 13 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. "Die aktuellen Falschgeldzahlen sind zwar im ersten Halbjahr gestiegen, allerdings gehe ich von einem Rückgang bei den 50-Euro-Fälschungen im zweiten Halbjahr aus", sagt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele.

Bilderserie

Beim überarbeiteten Fünfziger gibt es die gleichen Neuerungen wie beim neuen Zwanziger, der seit dem 25. November 2015 im Umlauf ist: Der Fünfziger hat ebenfalls ein Porträtfenster. Dieses wird durchsichtig, wenn man den Schein gegen das Licht hält, und zeigt dann ein Porträt der griechischen Mythengestalt Europa. Der als glänzende Zahl aufgedruckte Wert "Fünfzig" auf der Vorderseite ändert beim Kippen des Scheins die Farbe von Smaragdgrün zu Tiefblau.

Doch nicht immer geben sich Fälscher Mühe. Besonders plump war der Versuch eines Kunden, der Anfang April an einem Kiosk in Mainz mit einem 300-Euro-Schein zahlen wollte, den es in echt gar nicht gibt. Den Schein zierten barbusige Frauen und der Aufdruck www.1000euroschein.de. Der Kiosk-Besitzer alarmierte die Polizei.

Mehr Arbeit hatten sich Fälscher mit 50-Euro-Blüten gemacht, mit denen zwei Gäste jüngst in einem Stuttgarter Lokal ihre Rechnung begleichen wollten. "Die Fälschungen werden im Laufe der Zeit in der Regel besser, es wird jedoch keinem Fälscher gelingen, das Original vollständig nachzumachen. Der Aufwand wäre zu hoch", sagt Hardt.

Thiele ergänzt: "Als eine große Hürde erweist sich unter anderem die Smaragdzahl, die beim Kippen die Farbe wechselt. Wir haben bisher noch keine Fälschung aus dem Verkehr gezogen, bei der die Zahl erfolgreich nachgemacht wurde."

Blüten werden Südeuropa produziert

Weltweit wurden nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres rund 331.000 nachgemachte Euro-Banknoten aus dem Verkehr gezogen - Tendenz sinkend.

Produziert werden Blüten vor allem in Südeuropa. Ihre Rohstoffe beziehen Fälscher nach Erkenntnissen von Ermittlern und Währungsexperten zunehmend über dunkle Kanäle im Internet, dem sogenannten Darknet. Mit ein paar Klicks kann sich im Grunde jeder zum Beispiel glitzernde Hologramm-Sticker besorgen und billige Farbkopien damit zu vermeintlich echten Geldscheinen veredeln.

"Inzwischen ist allerdings auch die Zahl derjenigen in Deutschland gestiegen, die versuchen, sich über das Darknet Sicherheitsmerkmale für Fälschungen zu besorgen", berichtet Horst Werner Hofmann, Stellvertretender Leiter des Nationalen Analysezentrums der Bundesbank.

Nach Schätzungen des Bundeskriminalamts (BKA) aus diesem Frühjahr liegt der Anteil von Fälschungen mit Bezug zum Internet bei mehr als 30 Prozent an der Gesamtmenge in Deutschland - Tendenz steigend. "Damit ändert sich auch die Rolle Deutschlands", erklärte BKA-Präsident Holger Münch: "Während bei uns in der Vergangenheit Falschgeld vorwiegend verbreitet wurde, sind in den letzten Jahren immer häufiger auch Herstellungsstätten ermittelt worden."

Fälscher und Währungsexperten liefern sich eine Art Wettlauf. Die Notenbanken bringen Scheine mit veränderten Sicherheitsmerkmalen heraus - Kriminelle versuchen, diese nachzumachen. "Es gibt immer ein gewisses Wettrennen der Technik. Deshalb gab es auch zu Zeiten der D-Mark neue Banknoten-Serien", erläutert Bundesbank-Vorstand Thiele.

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Quelle: n-tv.de

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