Ratgeber

Massenhaftes Leiden statt Bauernhof: Wurstherkunft wird verschleiert

Ökologisch gehaltene Tiere stellen mit 1,1 Prozent des Fleisch- und Wurstverkaufes einen Nischenmarkt dar. Die idyllische Bild- und Wortwelt der Angebote verhindert, dass sich ein Marktsegment mit tierschutzfreundlicheren Erzeugnissen entwickeln kann. Die Hersteller täuschen Verbraucher bewusst über die Herkunft der Nutztiere, bemängeln Verbraucherschützer.

Von wegen Schwein gehabt. Für Nutztiere sieht es in Deutschland meist übel aus.
Von wegen Schwein gehabt. Für Nutztiere sieht es in Deutschland meist übel aus.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mit Bauernhofbildern und Schlagworten wie "Land" oder "Hof" auf Fleisch- und Wurstverpackungen täuschen die Hersteller nach Einschätzung der Hamburger Verbraucherzentrale die Verbraucher bewusst über die wahre Herkunft ihrer Lebensmittel. "Anders als auf den Etiketten der Verpackungen suggeriert, stammt das Fleisch fast immer aus anonymen Agrarfabriken", kritisierte die Verbraucherzentrale. Sie untersuchte 18 Etiketten ausgewählter Fleisch- und Wurstprodukte.

83 Prozent der Verpackungen zeigten grüne Wiesen, 56 Prozent Fachwerkhäuser. Auch Mühlen und hohe Bäume als weitere Inbegriffe des Dorf- und Landlebens fanden sich. Dazu kamen in nahezu allen Fällen Schlagworte wie "Bauer", "Hof" oder "Land" als Bestandteile des Produkt- oder Markennamens. Konkrete Angaben zu den tatsächlichen Haltungsbedingungen der Tiere fanden sich dagegen auf keiner Verpackung, wie die Verbraucherzentrale bemängelte. Obwohl vielen Verbrauchern das Tierwohl am Herzen liege, tappten sie aufgrund der Packungsgestaltung im Dunkeln. Der Verbraucher kann seinen Konsum nicht entsprechend ausrichten.

Selbst auf Nachfrage sei nur ein knappes Fünftel (17 Prozent) der Produzenten bereit gewesen, Auskünfte zu den Haltungsbedingungen zu erteilen. Ökologisch erzeugte Fleisch- und Wurstware ist nach Angaben der Verbraucherzentrale mit einem Marktanteil von 1,1 Prozent noch ein Nischenmarkt. Die "idyllische Bild- und Wortwelt herkömmlicher Fleisch- und Wurstangebote" verhindere, dass sich ein Markt für tierschutzgerechte Nahrungsmittel etablieren könne.

Die Verbraucherschützer bemängeln, dass massenhaftes Leiden zum schlimmen Alltag der Nutztiere gehört. Eine Neuausrichtung der Tierhaltung sei  längst überfällig. Vielen Verbrauchern läge das Wohl der Tiere sehr am Herzen. Sie wollen sich nicht länger mit bunten Bildern einer heilen Welt abspeisen lassen, sondern möchten wissen, ob sie tatsächlich Fleisch aus tiergerechter Erzeugung kaufen.

Wie bei Eiern sollte nach Meinung der Verbraucherschützer auch bei Fleischprodukten die Haltungsform auf den Verpackungen gekennzeichnet werden. Beim Eiermarkt hätten sich Verbraucher in den letzten Jahren eindeutig für eine tiergerechtere Haltung entscheiden.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen