Wohin mit dem Geld?Zinsanlagen im Vergleich
Aktienbesitzer - so sie nicht gerade in VW investiert hatten - konnten ihrem Vermögen in den letzten Wochen beim Zerfall zusehen. Viele schichten derzeit um und legen ihr Geld in Spareinlagen an. Doch in welche?
Aktienbesitzer - so sie nicht gerade in VW investiert hatten - konnten ihrem Vermögen in den letzten Wochen beim Zerfall zusehen. Viele schichten derzeit um und legen ihr Geld in Spareinlagen an. Doch in welche? Für den einen sind Festgelder oder Bundesschatzbriefe das richtige, andere bleiben besser flexibel und wählen ein Tagesgeldkonto.
Spareinlagen: Was sie so sicher macht, ist die Tatsache, dass es kein Kursrisiko gibt. "Wer 10.000 Euro einzahlt, bekommt sie auch wieder zurück", sagt Thomas Schlüter vom Bundesverband deutscher Banken. Das liegt daran, dass Einlagen bis 20.000 Euro in Deutschland gesetzlich gesichert sind, bei den großen Banken sogar noch höhere Summen. Dafür gibt es bei den privaten Banken den Einlagensicherungsfonds, bei den Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken garantieren sich die Institute unter anderem gegenseitig, den Ausfall von einzelnen aufzufangen.
Die üblichste Form der Spareinlage ist das Sparbuch. Gerade Ältere schätzen das Gefühl, für ihr Geld ein kleines Büchlein in der Hand zu haben - diese Erfahrung hat jedenfalls Karin Baur von der Stiftung Warentest gemacht. "Das gibt ihnen das Gefühl, etwas Sicheres zu haben. Anders kann ich mir heute auch nicht mehr erklären, warum die Leute ein Sparbuch haben." Denn auf dem klassischen Sparbuch ist das Geld schlechter verzinst als auf einem Tagesgeldkonto, und Anleger könnten obendrein nicht so flexibel über ihr Geld verfügen. Rational spricht also wenig für das Sparbuch.
Tages- und Festgeld: Tagesgeldkonten sind derzeit der Favorit bei der Verbraucherzentrale Berlin. Sie sind genauso wie Sparbücher durch die Einlagensicherung geschützt. Außerdem locken die Anbieter derzeit mit attraktiven Konditionen: Frisches Geld können die Banken gerade gut gebrauchen. Deshalb liegen die Zinsen im Moment besonders hoch. Nach Angaben der unabhängigen Finanzberatung FMH in Frankfurt wurden für 5000 Euro Tagesgeld in der zweiten Oktoberhälfte im Schnitt 3,55 Prozent Zins geboten, für ein sechsmonatiges Festgeld 4,38 Prozent.
"Ein Tagesgeldkonto ist dem Girokonto ähnlich - das Geld ist täglich verfügbar, aber es gibt höhere Zinsen", erklärt Schlüter. In der Regel sei der Zins beim Festgeld höher, weil der Kunde der Bank das Geld über einen längeren Zeitraum überlässt. Wichtig ist hierbei, auf die Einlagensicherung des Anbieters zu achten. Ausländische Anbieter gewähren nicht immer dieselbe Sicherheit wie die deutschen Institute.
Bundeswertpapiere: Sie sind "das Allersicherste", sagt Baur. "Dafür haben sie nicht die höchsten Renditen. Denn nach wie vor gilt die Regel: Risiko bringt Rendite." Oder auch nicht, wie die aktuelle Entwicklung zeigt. Die Sicherheit von Bundeswertpapieren rührt daher, dass der Staat für die Rückzahlung der Spareinlagen bürgt - ein Pleitefall ist dabei so gut wie ausgeschlossen. Eine Übersicht der unterschiedlichen Bundeswertpapiere findet sich auf der Homepage der Bundesfinanzagentur unter www.deutsche-finanzagentur.de. Ein Beispiel sind Bundesschatzbriefe, von denen es zwei Typen mit unterschiedlichen Laufzeiten gibt.
Anlegen in der Krise: Grundsätzlich ist es laut Baur aber kein Allheilmittel, sein Geld jetzt aus Wertpapieren abzuziehen und in Zinsprodukte zu stecken. "Es gibt verschiedene Arten von Krisen - und eben nicht nur die an den Börsen. Wer all sein Geld in Zinseinlagen deponiert hat, hat bei steigender Inflation auch keine ordentlichen Gewinne." Daher gelte auch in der derzeitigen Börsenkrise: Anleger sollten in jedem Fall verschiedene Sparformen mischen.