Mittwoch, 27. Juni 2007
Kostenloses Navigationsgerät: Alles nur Betrug?
Von Alexander Klement
Geiz ist geil. Das versucht man uns schon seit langem zu vermitteln. Eine andere Weisheit besagt, dass es im Leben nichts kostenlos gibt - zumindest im Geschäftsleben. Dennoch sind wir immer auf der Suche nach dem Schnäppchen, dem günstigsten Preis.
Mobile Navigationsgeräte sind in. Ob nun Spielerei oder wirklich komfortables Muss im Auto: fast jeder möchte eins. So kann man beispielsweise den Nüvi 200 vom Hersteller Garmin für gut 200 Euro kaufen. Bemüht man eine Preissuchmaschine, ist das Gerät aber auch schon für 172 Euro zu haben. 30 Euro gespart durch einen Klick - das ist doch was.
Einem geschenkten Gaul …
Misstrauisch werden jedoch die meisten, wenn man ihnen etwas schenkt: Nüvi 200 für 0 Euro. Es folgt zwangsläufig die Frage, wo der Haken bei der Sache ist. In den meisten Fällen gibt es den auch. Die Gratisgeräte werden nur im Verbund mit Mobilfunkverträgen abgegeben, die in der Regel mit einem Mindestumsatz oder einer Grundgebühr belegt sind. Hinzu kommen oft auch nicht mehr zeitgemäße, überhöhte Minutenpreise. So zahlt man im Endeffekt mehr für das Navigationsgerät, als hätte man es einfach direkt gekauft.
Immer wieder für Aufsehen sorgen allerdings Anbieter, die innerhalb von Werbeangeboten offensichtlich ohne jeden Haken Geschenke verteilen. So sieht beispielsweise ein aktuelles Angebot vom Anbieter Sparhandy.com aus: Gegen Abschluss zweier Mobilfunkverträge mit einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren und einem monatlichen Mindestumsatz von je 14,95 Euro bekommt man einen Nüvi 200 im Wert von rund 200 Euro und zwei Einsteigerhandys (Samsung C140) im Wert von rund je 80 Euro geschenkt. Der Clou bei der Sache: Sparhandy.com sagt zusätzlich die Erstattung des Mindestumsatzes zu und verspricht, zwei Jahre lang jeden Monat 29,90 Euro zu überweisen.
König Kunde bekommt also fast 1000 Euro geschenkt. Legt man die Mobilfunkkarten einfach nur in die Ecke und kündigt die Verträge sofort zum Ablauf der Mindestvertragsdauer bleibt ein Geschenk im Wert von rund 280 Euro. Theoretisch könnte man auch noch die 14,95 Euro Mindestumsatz vertelefonieren. Allerdings ist Vorsicht angesagt, da die Minutenpreise mit beispielsweise 0,79 Euro in fremde Handynetze sehr hoch sind.
… schaut man lieber mal ins Maul
Aus der anfänglichen Euphorie bei solchen Angeboten folgt allerdings bald Ernüchterung, wenn man sich die Kommentare in verschiedenen Internetforen anschaut. Da laufen die Kunden ihrem Geld hinterher, weil die monatlichen Überweisungen von Sparhandy.com nicht ankommen. Da ist von Betrug, Anzeigen und einem Gerichtstermin zu lesen. Ein Gerichtstermin fand tatsächlich in Köln erst im vergangenen Mai statt (Az. 535Ds10/07). Allerdings ist das Verfahren eingestellt worden. Auch die Polizei in Köln hat ermittelt, doch die Ermittlungen wurden ebenfalls eingestellt. Es sei in Einzelfällen zu Zahlungsverzögerungen gekommen, so die Polizei. Von einem breit angelegten Betrug könne man nicht sprechen.
Zurück bleibt trotzdem ein mulmiges Gefühl. Sparen will man schon, doch die Reise bei Sparhandy.com ist wohl eine zweijährige Fahrt ins Ungewisse. Sollte der Anbieter in der Zeit insolvent werden und vom Markt verschwinden, müssen die monatlichen Mindestumsätze in Höhe von 29,90 Euro trotzdem an den Mobilfunkanbieter gezahlt werden - auch wenn Sparhandy.com die Beträge nicht mehr erstattet. Eine sauberere Lösung wäre die vollständige Erstattung bei Vertragsbeginn. In jetziger Form besteht die Sparhandy Gmbh und Co.KG laut Handelsregisterauszug seit März 2005. Geschäftsführer Wilke Stroman ist mit der Internetseite Sparhandy.com aber schon länger am Markt.
Seriös oder unseriös - das ist hier die Frage. Wir haben einen Vertrag abgeschlossen und warten jetzt ab, was passiert, und werden Sie auf dem Laufenden halten.
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