Prognose: Anlage- und KreditzinsWomit Kunden rechnen können
Am Zinsmarkt ist derzeit wenig Bewegung. Doch was bedeutet dies für die Kunden in Sachen Geldanlge und Hypotheken? Wir wagen mit Max Herbst von der FMH-Finanzberatung eine Zukunftsprognose.
Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt den Leitzinssatz unverändert auf seinem historischen Tief von 1,0 Prozent. Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem die Zentralbank Geld an andere Institute verleiht. Bleibt auf dem Zinsmarkt also alles beim Alten? Gemeinsam mit Max Herbst von der FMH-Finanzberatung haben wir einen Blick in die Glaskugel geworfen, wie sich der Zinsmarkt in diesem Jahr wahrscheinlich entwickeln wird und welche Schlüsse Anleger und Kreditnehmer daraus ziehen können.
Keine Hoffnungen auf steigende Zinsen sollten sich Anleger im Tages- und Festgeldbereich machen. "Die Zinsen für Tages- und Festgeldangebote werden weiter fallen", prognostiziert Herbst im Gespräch mit n-tv.de. "Die Banken können sich weiterhin günstig über die EZB oder im Interbankenhandel refinanzieren." Das heißt, dass sich die Banken von der EZB Geld zum Zinssatz von einem Prozent leihen können und sich untereinander sogar Geld noch günstiger leihen.
Aktionsangebote als Ausreißer
Zahlt eine Bank im Tages- oder Festgeldbereich mehr, geht es in der Regel darum, Neukunden zu gewinnen oder attraktive Angebote für Bestandskunden am Markt zu haben. "Ausreißer gibt es in diesem Bereich immer", so Herbst. So bietet aktuell beispielsweise die TargoBank, die zuvor unter dem Namen Citibank am Markt vertreten war, einen Festgeldzins in Höhe von drei Prozent für ein halbes Jahr an. Der Anlagebetrag ist allerdings bei 25.000 Euro gedeckelt.
Ab kommenden Montag firmiert die KarstadtQuelle Bank unter dem Namen Valovis Commercial Bank. Es ist denkbar, dass es auch dort ein Angebot zum Start unter neuem Namen geben wird.
Außerhalb dieser Aktionsangebote sieht Herbst eine Annäherung der Tages- und Festgeldzinsen auf die Ein-Prozent-Marke. Wer also weiß, dass er einen Teil seines Geldes in den kommenden Jahren nicht braucht, sollte eine Alternative Anlagedauer in Betracht ziehen. Attraktivere Zinsen bietet zum Beispiel ein dreijähriger Sparbrief. Hier bietet die Gallinat-Bank, die durch den deutschen Einlagensicherungsfonds abgesichert ist, ein Zinssatz von 3,33 Prozent pro Jahr an. Mit zu den besten Tagesgeldangeboten gehört die DKB mit einem Zinssatz von 2,05 Prozent pro Jahr. Unter der Vorraussetzung, dass die DKB den Tagesgeldzins in den kommenden zwölf Monaten nicht absenkt, müsste der Zinssatz sich nach einem Jahr auf fast vier Prozent erhöhen, um den Zinsnachteil im Vergleich zum dreijährigen Sparbrief der Gallinat-Bank wieder auszugleichen. Laut Herbst ist dies allerdings sehr unwahrscheinlich. Er rechnet bis zum Jahresende mit wenig Bewegung am Zinsmarkt.
Niedriges Zinsniveau bei Hypotheken bleibt
Am Kreditmarkt herrscht ein ähnliches Bild. "Solange auf dem Aktienmarkt Unruhe herrscht – und die Unruhe dort wird größer, wenn die EZB ihr Geld zurückfordert – entsteht auf den Anleihemarkt Druck, was zu sinkenden Hypothekenzinsen führen könnte", so Herbst. Am 1. Juli müssen die Banken in der Eurozone rund 442 Milliarden Euro an die Zentralbank zurück überweisen. Diese enorme Summe hatten sie sich beim ersten Jahrestender geliehen, der wegen der Krise im Juni vergangenen Jahres eingeführt wurde.
Vergleichsrechner - Hypotheken
Wer jetzt eine Immobilie erwerben oder bauen will oder auf der Suche nach einer Anschlussfinanzierung für eine bestehende Hypothek ist, kann sich in aller Ruhe umschauen und über Konditionen informieren. "Mit steigenden Hypotheken-Zinsen ist in den nächsten Wochen und Monaten eher nicht zu rechnen", so Herbst. Es sind also gute Zeiten für Kreditnehmer. Anleger hingegen sollten nicht nur Trübsal blasen. Wenn man bedenkt, dass die Inflation aktuell laut Statistischem Bundesamt bei etwa 0,4 Prozent liegt, ist man mit einem Zinssatz von einem Prozent genauso gut bedient wie mit einem Zinssatz bei drei Prozent, wenn die Inflation – wie noch 2007 – rund 2,5 Prozent beträgt.