Ratgeber
Viele Krankenkassen erhöhen ihre Beiträge.
Viele Krankenkassen erhöhen ihre Beiträge.(Foto: imago/Christian Ohde)

Was ändert sich 2016 ...: ... bei Gesundheit und Pflege?

Was Experten prophezeit hatten, wird 2016 Gewissheit: Viele Krankenkassen verlangen teils deutlich höhere Zusatzbeiträge. Doch das ist nicht die einzige Neuerung, die 2016 bereithält.

Monatelang auf einen Termin beim Facharzt warten? Damit soll 2016 Schluss sein. Zumindest in akuten Fällen lässt sich die Terminvergabe etwas beschleunigen. Ein Überblick über die weiteren Änderungen im Gesundheitsbereich.

Viele Krankenkassen erhöhen Beitrag

Das war abzusehen: Viele gesetzlich Versicherten müssen 2016 mehr für die Krankenkasse ausgeben. Jahrelang ergab es finanziell kaum einen Unterschied, bei welcher Krankenkasse man versichert war. 2015 ist Bewegung in den Markt gekommen. Einheitlich ist nur noch der Sockelbeitrag von 14,6 Prozent, den sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen. Dazu können die Kassen nach Belieben einen Zusatzbeitrag festlegen, den die Versicherten alleine schultern müssen.

2015 lag dieser Zusatzbeitrag im Schnitt bei 0,9 Prozent, allerdings war klar, dass sich dieses Niveau nicht lange halten würde. Dieses Jahr fällt der Beitrag im Mittel um 0,2 Prozentpunkte höher aus. Der durchschnittliche Krankenversicherungsbeitrag liegt damit ab 2016 bei 15,7 Prozent.

Die günstigste Kasse bleibt die Metzinger BKK, die weiterhin komplett ohne Extragebühren auskommt. Die BKK Euregio hingegen, die Kunden im letzten Jahr ebenfalls mit dem Beitrag von 14,6 Prozent köderte, muss dieses Jahr einen Zusatzbeitrag von 0,7 Prozent einführen. Teuerste Kasse ist künftig die DAK Gesundheit, die auf 16,1 Prozent erhöht. Die größte Krankenkasse, die Techniker, ruft künftig 15,6 Prozent auf.

Alle 18 Monate kann man seine Krankenkasse wechseln. Erhöht die Versicherung ihren Beitrag, hat man aber ein Sonderkündigungsrecht. Frist ist der letzte Tag des Monats, in dem der neue Beitrag erstmals gilt. Bis zum 31. Januar sollte die Kündigung also bei der Versicherung sein.

Zuzahlung bei Rezepten

Egal, ob Medizin, Brillen oder Zahnersatz: Wenn Kassenpatienten Leistungen verschrieben bekommen, müssen sie dazuzahlen. Erst wenn ein bestimmter Betrag überschritten ist, übernimmt die Versicherung den kompletten Beitrag. Ab 2016 sind diese individuellen Belastungsgrenzen leichter zu erreichen, denn die Freibeträge steigen.

Grundsätzlich sind die Zuzahlungen auf zwei Prozent der Bruttoeinnahmen gedeckelt, chronisch Kranke sind befreit, wenn sie Kosten ein Prozent erreichen. Wer Familie hat, kann für jeden Angehörigen, der im Haushalt lebt, Freibeträge abziehen. Für den Ehe- oder eingetragenen Lebenspartner werden künftig 5229 Euro angerechnet statt bisher 5103 Euro. Der Kinderfreibetrag wird von bisher 7152 Euro auf 7248 Euro für jedes Kind angehoben.

Recht auf zweite Arztmeinung

Viele Krankenkassen räumen ihren Versicherten schon länger das Recht ein, vor bestimmten Operationen eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen. Ab Januar 2016 haben Patienten auch einen gesetzlichen Anspruch darauf. So soll sichergestellt werden, dass nur operiert wird, wenn es auch medizinisch geboten ist. Zu den jeweiligen Krankheitsbildern gehören beispielsweise Operationen zum Hüft- oder Kniegelenksersatz, aber auch Mandeloperationen.

Ärzte müssen die Patienten dann auch auf ihr Recht hinweisen. Die Aufklärung darüber sollte mindestens zehn Tage vor dem Eingriff erfolgen, dann hat der Versicherte noch ausreichend Zeit, um zu entscheiden, ob er erst noch eine Zweitmeinung einholen will.

Facharzttermine binnen vier Wochen

Gesetzlich Krankenversicherte haben künftig einen Anspruch auf einen zeitnahen Termin beim Facharzt. Ab 23. Januar 2016 können sich Patienten an die sogenannten Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen wenden. Innerhalb einer Woche bekommen sie dann einen Termin, etwa beim Orthopäden, Röntgenfacharzt oder Neurologen mitgeteilt, auf den sie maximal vier Wochen warten müssen. Wenn das nicht gelingt, muss dem Patienten eine Untersuchung in einem Krankenhaus ermöglicht werden.

Der Service gilt aber nur für akute Fälle. Bei verschiebbaren Routineuntersuchungen sowie Bagatellerkrankungen reicht es, wenn ein Termin in "angemessener Zukunft" vermittelt wird. Außerdem brauchen Patienten, die den Terminservice in Anspruch nehmen, in der Regel eine Überweisung. Frei wählen kann man den Facharzt nicht, man muss den zugewiesenen Termin aber auch nicht annehmen.   

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird vereinfacht

Bei Krankschreibungen gibt es für gesetzlich Krankenversicherte ab 2016 nur noch ein Formular. Bislang stellen die Ärzte für den Bezug von Krankengeld einen "Auszahlschein" für die Krankenkasse aus, für den Arbeitgeber gibt es die gelbe Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU). Beide Funktionen sind ab dem Jahreswechsel im AU-Formular integriert.

Neben dem Arzt, der Krankenkasse und dem Arbeitgeber erhält künftig auch der Patient eine Ausfertigung seiner Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Darauf findet er dann auch Fristen oder wichtige Informationen zum Krankengeld.

Pflegegrade statt Pflegestufen

Künftig gilt auch die "erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz" als Maßstab bei der Einstufung in Pflegegrade.
Künftig gilt auch die "erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz" als Maßstab bei der Einstufung in Pflegegrade.(Foto: imago/CHROMORANGE)

Gleich zu Beginn des neuen Jahres tritt der zweite Teil des Pflegestärkungsgesetzes in Kraft ‒ richtig auswirken wird sich das neue System aber erst 2017. Ab dann gelten nämlich anstelle der bisherigen drei Pflegestufen fünf Pflegegrade. Sie berücksichtigen neben körperlichen Einschränkungen auch psychische Erkrankungen. Wer bis zum 31. Dezember 2016 als pflegebedürftig anerkannt ist, der wird zum 1. Januar 2017 automatisch in einen der neuen Pflegegrade übergeleitet.

Ab Januar 2016 können Pflegebedürftige und deren Angehörige schon von einer besseren Beratung profitieren: So benennen Pflegekassen dann feste Ansprechpartner, die unterstützen und helfen, den Antrag zu stellen. Zudem haben dann auch pflegende Angehörige einen Anspruch auf Beratung ‒ der war bislang nur den Pflegebedürftigen selbst vorbehalten.

Elektronische Gesundheitskarte für Flüchtlinge

Auch Flüchtlinge sollen die elektronische Gesundheitskarte (eGK) erhalten - so will es das Asyl-Beschleunigungsgesetz. Allerdings müssen die medizinischen Leistungen, die über diese Karte zu erhalten sind, nicht in vollem Umfang denen des üblichen Gesundheitsausweises entsprechen.

Außerdem bleibt es den Ländern überlassen, ob sie überhaupt eine Karte für Flüchtlinge einführen und welche Regelungen sie im Detail vorsehen. In Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Berlin, Hamburg und Bremen wollen die Gesundheitskarte zum Jahresbeginn auf den Weg bringen, andere Bundesländer ziehen im Frühjahr nach.

Einfacherer Tarifwechsel für Privatversicherte

Kunden der privaten Krankenversicherung sind nicht ewig an einen Tarif gebunden, sondern können in einen günstigeren Tarif beim jeweiligen Anbieter wechseln – zumindest theoretisch. In der Praxis funktioniert das oft nicht so ohne Weiteres, weil die Versicherer allerlei Hürden aufstellen. Schon 2014 hat der Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV) einen Wechsel-Leitfaden auf den Weg gebracht. Ab dem 1. Januar 2016 verpflichten sich die im Verband organisierten Versicherer, diese Leitlinien verbindlich einzuführen.

So ist zum Beispiel vorgesehen, Wechselanfragen innerhalb von 15 Arbeitstagen zu beantworten, dem Versicherten möglichst viele Tarifmöglichkeiten aufzuzeigen und diejenigen vorab auszuwählen, die im Einzelfall am besten geeignet sind. Außerdem soll die Auswahl von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer testiert sein, damit sie wirklich im Kundeninteresse erfolgt. Wenn eine neue Risikoprüfung nötig wird, soll diese unverzüglich erfolgen.

Die Rückstellungen fürs Alter werden in der Regel mitgenommen, wenn der Versicherte bei seiner Assekuranz intern in einen anderen Tarif wechselt. Bislang haben 25 Versicherer die Leitlinien anerkannt, darunter Allianz, Barmenia, Debeka, HUK Coburg und DEVK.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen