Ratgeber

Wie werde ich ...?: Elektro-Ingenieur

Für die Hauptrolle in Seifenopern taugen sie offenbar wenig. Aber im Vergleich zu anderen prestigeträchtigeren Berufen sind die Aussichten für junge Elektro-Ingenieure geradezu rosig.

"E-Techniker" können meist schon vor Studienabschluss aus mehreren Job-Angeboten auswählen. Die Technik-Spezialisten werden in den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern gebraucht. Die Einstiegsgehälter liegen deutlich über denen anderer akademischer Berufe. Und der Bedarf an Elektro-Ingenieuren wächst weiter: Fast 48 000 Ingenieur-Stellen konnten laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft im Auftrag des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) im Jahr 2006 nicht besetzt werden.

Außer im Maschinenbau blieben vor allem Stellen in der Elektro-Industrie verwaist. Der Ingenieurmangel kostet die Wirtschaft Milliarden. Trotzdem können sich immer weniger junge Menschen für ein Studium der Elektro-Technik begeistern. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt rund 15 000 Studienanfänger, ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent.

Gründe für die geringen Studentenzahlen gibt es nach Einschätzung von Branchenvertretern viele: So kritisiert etwa Wolfgang Gollub, zuständig für nachwuchssichernde Öffentlichkeitsarbeit beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall in Berlin, dass an den Schulen zu wenig Wert auf Naturwissenschaft und Mathematik gelegt wird. Zudem könnten sich viele junge Menschen unter dem Ingenieur-Studium wenig vorstellen, meint Michael Schanz vom Verband der Elektrotechnik in Frankfurt: "Ingenieure kommen nicht in Soap-Operas vor. Was die machen, liegt für viele Menschen völlig im Nebel." Viele würden sich eher für Medizin, Betriebswirtschaftslehre oder Jura entscheiden.

Beruf mit 1000 Möglichkeiten

Dabei sei die Elektrotechnik ein Beruf mit 1000 Möglichkeiten, so Schanz. Junge Elektroingenieure kämen heute nicht nur in den klassischen Arbeitsfeldern Produktion sowie Forschung und Entwicklung zum Einsatz. Vielmehr würden sie heute auch etwa in den Bereichen Marketing, Vertrieb oder Management eingesetzt. Bereits während des Studiums können sich Elektro-Ingenieure zudem auf bestimmte Technik-Felder wie Hochfrequenz- oder Mikroelektronik spezialisieren. Unterkommen können Elektro-Ingenieure in ganz verschiedenen Branchen: Neben der Elektrotechnik kann das der Maschinenbau, die Telekommunikationsindustrie oder auch die Medizin-Technik sein.

Um einen passenden Arbeitsplatz müssen sich Elektro-Ingenieure wegen des hohen Bedarfs in der Regel keine Sorgen machen: "Die Studenten haben durchgehend schon Monate vor ihrem Abschluss einen Arbeitsvertrag und können meist sogar aus mehreren Angeboten auswählen", sagt Prof. Bernd Ponick vom Institut für Antriebssysteme und Leistungselektronik der Universität Hannover. Und auch die finanziellen Aussichten sind für Elektro-Ingenieure im Vergleich zu anderen Akademikern sehr gut. Laut Wolfgang Gollub beträgt das Jahressalär für Berufsanfänger zwischen 37.000 und 45.000 Euro. Und dabei muss es nicht bleiben, wie VDE-Vertreter Schanz erklärt: "Wenn es gut läuft, kann man sein Gehalt nach zehn Jahren verdoppeln." Laut einer VDI-Studie aus dem Jahr 2004 verdient ein Abteilungsleiter im Durchschnitt 68.500 Euro.

Diese guten Bedingungen sollten für Abiturienten aber nicht das einzige Entscheidungskriterium sein, das Studium der Elektro-Technik aufzunehmen. Denn das Fach gilt als äußerst anspruchsvoll. Gute Schulnoten in den Fächern Mathematik und Physik sind daher Voraussetzung. Junge Menschen sollten aber vor allem auch Spaß am Gegenstand ihres Faches haben.

Wer herausfinden möchte, ob er für ein technisches Studium geeignet ist, hat heute viele Möglichkeiten, wie Wolfgang Gollub von Gesamtmetall erklärt: So gebe es an fast allen Universitäten Schnupper-Studien oder Sommer-Camps, bei denen Schüler einen Einblick in den Uni-Alltag erhalten. Und auch das Internet bietet eine Fülle an Informationen. So kann man das zu den eigenen Vorlieben und Fähigkeiten passende Studienfach etwa im Angebot "Borakel" der Uni Bochum finden.

Quelle: n-tv.de