Ratgeber

Wie werde ich ...?: Goldschmied

Filigrane Ketten liegen in der Auslage, seidig schimmert der goldene Armreif. Timm Hendricks hat ganze Arbeit geleistet. Vor wenigen Monaten hat der 31-jährige Goldschmied sein Geschäft in Kempen eröffnet, und er ist froh, den Schritt gewagt zu haben.

"Man muss einiges tun, um am Markt bestehen zu können, und verwirklichen kann man sich eben nur im eigenen Laden", sagt Hendricks. Am liebsten arbeitet er mit Platin und Gold - und das, obwohl der Goldpreis in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches angestiegen ist. Etwa 18.000 Euro kostet heute ein Kilogramm. "Etwa 10.000 Euro braucht ein Goldschmied als Startkapital. Wenn es mehr ist, umso besser", sagt Hans-Jürgen Wiegleb, Goldschmiedemeister in Wolfsburg und Präsident des Zentralverbandes der deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere. Jungen Kollegen werde es nicht leicht gemacht, sich ein eigenes Geschäft aufzubauen, zudem sei die Konkurrenz sehr groß.

Andrang an der Kaderschmiede

Die Ausbildung kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen. Am beliebtesten ist - neben der klassischen Ausbildung im Betrieb - die dreieinhalb Jahre dauernde Vollzeitausbildung in der Berufsfachschule der Staatlichen Zeichenakademie Hanau. Im Jahre 1772 als "Schule zur Hebung der Zeichenkünste" gegründet, gilt sie heute als eine der Kaderschmieden des Gewerbes. Entsprechend groß ist der Andrang: "Auf 50 Plätze kommen rund 180 Bewerbungen", erzählt Bruno-Wilhelm Thiele, der dort als Dozent arbeitet. Den langen Weg zum Meister scheuen allerdings mittlerweile viele Goldschmiede.

Viele junge Kreative machen sich dennoch selbstständig: Rund 4.750 Betriebe gibt es bundesweit, sagt Hans-Jürgen Wiegleb. Allerdings schließen auch gut 400 Betriebe pro Jahr wieder. Bei allem Wandel, den auch die Goldschmiede-Branche in den vergangenen Jahren erfahren hat, sei aber eine entscheidende Konstante zu beobachten: "Wir waren schon immer ein gefragter Beruf und werden es immer sein."

Viel Gespür gefragt

In Deutschland sei das Anfertigen von Schmuck häufig eine individuelle und auf den jeweiligen Wunsch des Kunden abgestimmte Angelegenheit, sagt Astrid Huber von der Gesellschaft für Goldschmiedekunst in Hanau. Eines der Ziele der Gesellschaft ist es deshalb, diese Kunst noch mehr zu fördern. "Wir möchten vor allem auch zeigen, dass Goldschmieden eine Wissenschaft für sich ist, in der viel Liebe zum Detail und Einfühlungsvermögen gefragt sind."

Vieles hat sich nach Thieles Einschätzung verändert - vor allem die Art und Weise, Schmuck herzustellen. So werden viele Schmuckstücke nicht mehr auf dem Zeichenblock entworfen, sondern am Computer und dann zunächst maschinell als Wachsmodell hergestellt. Und während in den 60er-Jahren der Steinschmuck, in den 80er-Jahren der metallbetonte und in den 90ern der Acryl-/Glas-Schmuck en vogue waren, geht heute der Trend hin zu künstlerischem, filigranem Juwelenschmuck. Und auch wenn sich die Vorlieben ändern, so spielt doch ein Material immer eine große Rolle: Gold.

Quelle: n-tv.de