Ratgeber

Darf man eigentlich…: … mit einem Anliegen in eine Anliegerstraße?

"Anlieger frei" steht unterm Schild mit dem Durchfahrtsverbot. Aber was genau heißt das? Muss man sein Auto vor der Straße stehen lassen, wenn man dort jemanden besuchen will? Und zählt es nicht schon als Anliegen, wenn man dort etwas zu erledigen hat?

Bei diesem Schild gilt das Durchfahrtsverbot auch für Fahrräder.
Bei diesem Schild gilt das Durchfahrtsverbot auch für Fahrräder.(Foto: imago stock&people)

"Anlieger frei" steht unter dem Schild mit dem Durchfahrverbot. "Alles klar", sagt sich der Autofahrer. "Mein Anliegen ist es, möglichst schnell zur Tankstelle zu kommen. Also bin ich Anlieger und darf da durch". Oder etwa nicht? Das ist natürlich sehr einfach gedacht. Aber manchmal stellt sich schon die Frage: Wie genau wird das Anliegerzeichen eigentlich ausgelegt?

Zunächst mal: Mit Anliegen hat die Anliegerstraße nichts zu tun. Die Bezeichnung bezieht sich auf diejenigen, deren Grundstück an die Straße anliegt. Ob ihnen die Immobilie gehört, ob sie zur Miete wohnen oder dort ein Gewerbe betreiben, spielt keine Rolle. Auch wenn man beispielsweise das Fischereirecht an einem angrenzenden See besitzt, gilt man als Anlieger.

Ziel des "Anlieger frei"-Zeichens ist es, die betreffende Straße für den Durchgangsverkehr zu sperren. Das heißt aber nicht, dass nur die Anwohner sie befahren dürfen. Das Bayerische Oberlandesgericht hat den Begriff des Anliegers genau definiert. Anlieger sind demnach neben den Anwohnern auch "Personen, die mit Bewohnern oder Grundstückseigentümern in eine Beziehung treten wollen".  Und das auch dann, wenn das gar nicht ausdrücklich gewünscht ist.

Freie Fahrt haben neben den Anwohnern also auch deren Besucher und Gäste, Patienten, Klienten, Kunden oder Lieferanten, der Briefträger oder die Müllabfuhr. Aber auch Spendensammler, Werbungsausträger oder Staubsaugervertreter – eben alle, die mit den Anrainern in Kontakt treten wollen.

Keine Anlieger sind dagegen beispielsweise die Besucher eines Badesees, der an die Straße angrenzt, oder auch Geocacher, die im gesperrten Bereich ihr Ziel vermuten. Sie müssen die Straße entweder umfahren oder ihr Auto abstellen und laufen. Wer auf das Verbot pfeift und dabei erwischt wird, muss mit einem Verwarngeld von 20 Euro rechnen.

Übrigens gilt das Durchfahrtsverbot per se nicht nur für Kraftfahrer. Auch Radfahrern können 15 Euro Bußgeld blühen, wenn sie durch die gesperrte Straße rollen. Oft ist die Durchfahrt für sie aber auch freigegeben. Dann gilt das Schild "Fahrräder und Anlieger frei".   

Quelle: n-tv.de

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