Ratgeber

Darf man eigentlich ...: ... neben einer roten Ampel über die Straße?

Von Isabell Noé

Den deutschen Fußgängern sagt man ja gemeinhin nach, dass sie selbst in nächtlicher Einöde an roten Ampeln stehen bleiben. Die Mutigen gehen einfach ein paar Meter weiter und laufen dann über die Straße. Ist das legal?

Auf Rotlichtverstöße von Fußgängern steht ein Bußgeld von fünf Euro.
Auf Rotlichtverstöße von Fußgängern steht ein Bußgeld von fünf Euro.(Foto: imago stock&people)

Die Fußgängerampel zeigt Rot. Der vorbildliche Bürger bleibt natürlich stehen und wartet, bis Grün ist. Andere interpretieren das Lichtzeichen mehr als unverbindliche Empfehlung. Solange kein Auto kommt, kann man ja gehen – wer Eltern nicht in Erklärungsnöte bringen will, vergewissert sich vorher noch, dass keine kleinen Kinder zusehen. Und dann gibt es da noch den dritten Weg: den an der Ampel vorbei. Ist der Verkehr überschaubar, muss man ja nicht zwangsläufig den Fußgängerüberweg nutzen, sondern geht einfach ein paar Meter weiter und dann über die Straße. Nur: Ist das auch legal?

Das kommt drauf an. Der entscheidende Satz in der Straßenverkehrsordnung steht in Paragraf 25, Absatz 2:

Wer zu Fuß geht, hat Fahrbahnen unter Beachtung des Fahrzeugverkehrs zügig auf dem kürzesten Weg quer zur Fahrtrichtung zu überschreiten, und zwar, wenn die Verkehrslage es erfordert, nur an Kreuzungen oder Einmündungen, an Lichtzeichenanlagen innerhalb von Markierungen oder auf Fußgängerüberwegen.

Es ist also nicht grundsätzlich verboten, die Straße abseits von Ampeln oder Zebrastreifen zu überqueren. Wer bei Rot lieber 20 Meter hinter der Ampel über die Straße läuft, kann das tun – aber nur, solange er dabei niemanden zum Bremsen zwingt. Wer durch solche Aktionen den Straßenverkehr gefährdet, kann mit fünf Euro Bußgeld bestraft werden, das ist genauso viel wie beim Rotlichtverstoß. Kommt es dabei zu einem Unfall, verdoppelt sich das Bußgeld auf zehn Euro.

Leichtsinn wird bestraft

Das klingt überschaubar, doch ein Unfall kann weitaus gravierendere finanzielle Folgen haben. Normalerweise trifft Autofahrer per se eine Mitschuld, doch wenn sich Fußgänger besonders leichtsinnig verhalten, kann die sogenannte Gefährdungshaftung ausgesetzt werden. So sprach das Oberlandesgericht (OLG) Hamm 2012 einem Fußgänger die alleinige Schuld zu, weil er beim Überqueren einer mehrspurigen Straße angefahren wurde. Er hätte bis zur nächsten Ampel laufen müssen, entschieden die Richter (AZ: 6 U 59/12). In einem anderen Fall ließ das OLG Saarbrücken einen Fußgänger allein haften. Der Mann war nachts in dunkler Kleidung neben einer roten Ampel schräg über die Straße gelaufen und dabei von einem Auto erfasst worden (AZ: 4 U 200/10).    

Die StvO nennt noch weitere Situationen, in denen Fußgänger nicht nach Belieben die Straße queren dürfen: Zum Beispiel an Kreuzungen oder Einmündungen. Gibt es dort Ampeln oder Zebrastreifen, dann muss man diese auch nutzen. Außerdem dürfen Fußgänger nicht über Absperrungen klettern, um auf die Straße zu kommen. Wenn der Bürgersteig durch Geländer abgetrennt ist, darf man die Fahrbahn an dieser Stelle nicht betreten.

Zurück zur Ausgangsfrage: Einen bestimmten Mindestabstand für legale "Ampelumgehungen" gibt es nicht. Man sollte natürlich nicht direkt neben der Markierung über die Straße laufen. Ein paar Meter weiter dürfte es aber keine Probleme geben – zumindest nicht, wenn die Straße ansonsten leer ist.

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Quelle: n-tv.de

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