Reise
Fisch und Meeresfrüchte haben auf den Philippinen eine Qualität, die man in Europa vergeblich sucht.
Fisch und Meeresfrüchte haben auf den Philippinen eine Qualität, die man in Europa vergeblich sucht.

Philippinischer Eier-Snack mit Federn: 5 Dinge, gelernt über Essen in Asien

Von Benjamin Konietzny, Bacolod

Die Philippinen, das liegt doch in Südostasien - dann ist das Essen doch sicher Weltklasse. Erwartungen wie diese bergen gewisse Risiken. Die Küche auf den Philippinen ist anders, aber definitiv eine Erfahrung wert.

Die Philippinen sind das "andere Asien". Anders, weil viele Dinge hier so gänzlich unasiatisch sind. Die Sprache ist vom Spanischen geprägt, auch die Ortsnamen sind fast ausschließlich spanisch. Die zurückhaltende, manchmal überhöfliche Art vieler asiatischer Kulturen ist den Menschen hier weitgehend unbekannt - die Filipinos können ziemlich direkt sein. Und auch das Essen hierzulande will so überhaupt nicht in das asiatische Gesamtbild passen.

1. Waren Sie schon einmal Philippinisch essen?

Wenn Sie auf die Philippinen reisen, erwarten Sie bloß nichts, was sich mit den Weltklasse-Küchen Thailands oder Vietnams messen könnte. Waren Sie in Deutschland schon einmal bei einem Philippiner essen? Nein? Aber bei einem Thailänder doch ganz sicher. Das hat Gründe: Die philippinische Küche ist sehr viel weniger entwickelt als in vielen Nachbarstaaten. Man könnte auch sagen, sie ist einfach nicht besonders gut - da kann die Landschaft noch so schön sein. Garküchen, in denen frisches Streetfood zubereitet wird? Vergessen Sie es! Auf den Philippinen wird mittags gekocht und bis in die Nacht und zwar kalt. Gewöhnen Sie sich daran, dass Zucker in nahezu jeder Speise großzügig verarbeitet wird, ebenso Essig und Sojasoße. Wohingegen die komplexe Gewürzkultur des asiatischen Festlandes an dem Archipel weitgehend vorbeigezogen ist. Wer mit großen Erwartungen kommt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit enttäuscht. Aber diese Rubrik hat ja noch vier weitere Punkte und die werden weniger vernichtend.

2. Ab jetzt wird es besser

Grillmeister am Straßenrand: An solchen Stränden bekommt man oft großartiges Barbecue.
Grillmeister am Straßenrand: An solchen Stränden bekommt man oft großartiges Barbecue.

Die erste Lektion ist gelernt: Philippinische Küche ist kaum asiatisch. Aber wie ist sie denn? Sie ist zum Beispiel karibisch. Die Filipinos lieben Barbecue und das ist etwas, was sie wirklich ausgezeichnet können. Kleine Schweinefleisch-Spieße vom Holzkohlegrill, eingestrichen mit einer würzig-süßlichen Soße, Hühnchenschenkel im heißen Rauch gegrillt, Schweinerippchen, so zart, dass Sie das Fleisch mit einem Löffel von den Knochen lösen können oder darf es vielleicht ein Thunfisch-Steak sein, das über glühenden Kokosnusskohlen brutzelt? Barbecue auf den Philippinen ist großartig und es lohnt sich definitiv, neue Dinge auszuprobieren: Die auf Spießen aufgewickelten Hühnchen-Därme sehen übel aus, sind aber wirklich ein Genuss!

3. Fisch!

Das Meer ist auf den Philippinen allgegenwärtig. Es ist unmöglich, einen Ort zu bereisen, der weiter als 70 Kilometer von der Küste entfernt ist. Fisch ist eigentlich immer und überall erhältlich - in fantastischer Qualität und zu unglaublich niedrigen Preisen. Auf den Fischmärkten in den größeren Städten finden Sie, was die Gewässer zu bieten haben: Garnelen, Krebse, Tintenfische, Filet vom Thunfisch oder Blue Marlin. Dass auf den Märkten keinerlei Kühlung vorhanden ist, mag beim europäischen Besucher Unbehagen verursachen. Doch die Ware hat meistens nur wenige Stunden zuvor das Meer verlassen und wenn sie zügig verspeist wird, gibt es kein Problem. Auf den philippinischen Fischmärkten können Sie all das tun, was Sie in Deutschland aus Rücksicht auf Ihren Geldbeutel vermutlich überdenken würden: Ein dickes Thunfischsteak (im Schnitt umgerechnet vier bis fünf Euro pro Kilo), Königsgarnelen (rund sechs Euro das Kilo) oder frischer Tintenfisch (zur Saison etwa zwei Euro das Kilo). Guten Appetit!

4. Abendessen mit der Familie

Sie können das freilich nicht bei Ihrem Reiseveranstalter buchen, doch wenn Sie einigermaßen freundlich und interessiert sind und mit Filipinos in Kontakt kommen, werden Sie vermutlich zum Abendessen eingeladen. Sie sollten diese Einladung auf jeden Fall wahrnehmen. Denn dann werden Sie Punkt eins dieses Textes vermutlich vergessen und die philippinische Küche wird sich als Genuss in Ihr Gedächtnis einkochen. Wenn Sie bei einem großen Abendessen zu Gast sind, quillt der Tisch über vor Speisen. In der Mitte thront zumeist Lechon, ein Spanferkel, das im heißen Rauch gegart ist und Maßstäbe in Sachen Schweinefleisch setzt. Traditionell für solche Anlässe ist ebenfalls Kinilauw, ein Fischsalat aus rohem Thunfisch, Iba (einer säuerlichen Frucht), Chilli und Ingwer und Schweinefleisch Adobo, das in Sojasoße und Essig (siehe Punkt eins) weichgekocht wird. Dem ins Fresskoma verfallenen Gast wird nach der Verköstigung mit philippinischem Rum und Karaoke wieder auf die Beine geholfen.

5. Balut

Der Kopf eines Entenembryos schaut aus einem Balut genannten,  angebrüteten Ei, in Fernost traditionell als Delikatesse und vermeintliches Aphrodisiakum verzehrt.
Der Kopf eines Entenembryos schaut aus einem Balut genannten, angebrüteten Ei, in Fernost traditionell als Delikatesse und vermeintliches Aphrodisiakum verzehrt.(Foto: imago stock&people)

Das Beste kommt zum Schluss. Nein, nicht wirklich: Balut ist definitiv etwas für ganz Hartgesottene und man trifft nicht viele Ausländer auf den Philippinen, die sich überwunden haben, dieses Ei zu essen. Und das, obwohl Balut bei den Filipinos enorm beliebt ist. Balut ist ein angebrütetes und gekochtes Entenei. Ja, ganz recht - ein Ei mit Küken drin. Der klassische Weg, die traditionelle Speise zu goutieren, ist, zunächst die Schale zu öffnen. Danach wird das Fruchtwasser mit Salz gewürzt und geschlürft. Das ist noch ganz okay und schmeckt nach einer milden Hühnersuppe.

Dann kommt der harte Teil. Die Schale wird entfernt und das Küken gegessen. Je nachdem, wie viele Tage das Tier schon im dem Ei gelebt hat, ist auch die Konsistenz. Sie reicht von geleeartig und erträglich (etwa 15 Tage) bis hin zu knusprig-federig - was durchaus Brechreiz auslösen kann. Ob Sie Balut nun probieren möchten oder nicht - das Ei gehört als Snack definitiv fest zur philippinischen Esskultur.

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Quelle: n-tv.de