Reise

Hässliche Attraktion: Alle wollen die Mauer sehen

Von der Mauer, die Berlin 28 Jahre lang teilte, stehen nur noch kleine Reste. Aber wer in die Hauptstadt kommt, will sie sehen - auch noch 50 Jahre, nachdem sie gebaut wurde. East Side Gallery und Checkpoint Charlie sind eine Touristenattraktion.

Mehr als 28 Jahre lang teilte die Mauer Ost- und Westberlin. Heute ist von ihr fast nichts mehr zu sehen.
Mehr als 28 Jahre lang teilte die Mauer Ost- und Westberlin. Heute ist von ihr fast nichts mehr zu sehen.

Die Mauer ist weg - aber alle wollen sie sehen. Mehr als 20 Jahre nach der Friedlichen Revolution, die sie zu Fall gebracht hat, und 50 Jahre, nachdem sie am 13. August 1961 gebaut wurde, ist von ihr fast nichts mehr übrig. An den wenigen Resten drängeln sich die Touristen. Die Mauer, die Berlin 28 Jahre lang auf einer Länge von 160 Kilometern abgeriegelt hat, ist zur Sehenswürdigkeit geworden. Der "Mauerweg" folgt ihren Spuren.

Die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße informiert über die Geschichte der geteilten Stadt.
Die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße informiert über die Geschichte der geteilten Stadt.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Ein guter Startpunkt ist die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße 111. Hier waren die Folgen des Mauerbaus besonders drastisch. Die Mauer trennte Nachbarn und Familien, die nur wenige Häuserblöcke voneinander entfernt wohnten. Anfangs flüchteten etliche Ostberliner durch die Häuser direkt an der Mauer in den Westen, manchmal in das Sprungtuch der Westberliner Feuerwehr - bis die Fenster zugemauert und die Gebäude später abgerissen wurden.

Heute ist in dem Dokumentationszentrum unter anderem eine Ausstellung mit historischen Fotos zu sehen. Sie zeigen, wie das Brandenburger Tor im August 1961 mit Stacheldraht verschlossen wurde, wie Berliner gegen den Mauerbau protestierten oder wie sich Bekannte verzweifelt über die Absperrungen hinweg die Hand reichten.

Aussichtsplattform an der Gedenkstätte in der Bernauer Straße - von dort oben lässt sich das Gelände mit den ehemaligen Grenzanlagen gut überblicken.
Aussichtsplattform an der Gedenkstätte in der Bernauer Straße - von dort oben lässt sich das Gelände mit den ehemaligen Grenzanlagen gut überblicken.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Dass die Grenzanlagen schon bald viel mehr als nur eine Mauer waren, lässt sich eindrucksvoll beim Blick von der Aussichtsplattform über das Außengelände erkennen. Dort sind Fundamente der Lichtmasten zu sehen, mit denen die Grenze nachts taghell erleuchtet wurde, und die Pfosten des Signalzauns, der bei Berührung Alarm auslöste.

In Friedrichshain ist die Mauer dagegen bunt: Nicht weit entfernt vom Ostbahnhof steht entlang der Spree das mit 1,3 Kilometern längste erhaltene Mauerstück. East Side Gallery heißt es, weil hier die östliche Seite der Mauer von 118 Künstlern aus 21 Ländern bemalt wurde. Vom Februar bis September 1990 durften sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Viele Besucher lassen sich davor fotografieren, manche lässig mit dem Rücken an die Mauer gelehnt. Eltern stellen ihre Kinder für das Foto vor dem bunten Hintergrund auf.

Der bunteste Teil der Mauer - an der East Side Gallery konnten Künstler 1990 ihrer Fantasie freien Lauf lassen.
Der bunteste Teil der Mauer - an der East Side Gallery konnten Künstler 1990 ihrer Fantasie freien Lauf lassen.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Die Mauer hat hier ihren Schrecken verloren, weil sie zum Kunstwerk geworden ist. Die Motive spiegeln die Euphorie und Aufbruchstimmung der Zeit wider, als die Mauer gefallen und der Kalte Krieg zu Ende war: Ein Bild zeigt Stacheldraht, über dem die Sonne aufgeht, ein anderes die Friedenstaube, die die Kette eines Häftlings hält. Manche Bilder sind weltberühmt geworden - wie der Trabi mit dem Nummernschild "Nov. 9-89", der die Mauer durchbricht.

Weiße Kreuze erinnern an die "Mauertoten".
Weiße Kreuze erinnern an die "Mauertoten".(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Der Mauerweg führt auch am Reichstag vorbei: In der Ebertstraße, Ecke Scheidemannstraße, ist eine Reihe von weißen Kreuzen zu sehen, die an die "Mauertoten" erinnern. Noch immer stehen brennende Kerzen und Blumen vor den Kreuzen.

Alltägliche Inszenierung - am Checkpoint Charlie posieren lebende Fotomotive mit US-Flagge.
Alltägliche Inszenierung - am Checkpoint Charlie posieren lebende Fotomotive mit US-Flagge.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Touristischer Hotspot für Mauertouristen ist der Checkpoint Charlie in Kreuzberg, der ehemalige Kontrollpunkt von West- nach Ostberlin. Hier standen sich Ende Oktober 1961 russische und US-amerikanische Panzer direkt gegenüber - 16 Stunden hatte die Welt Angst vor einem neuen Krieg.

Vor dem 1962 gegründeten "Mauermuseum" 100 Meter weiter ist ein kleinen Stück Original-Mauer ausgestellt - und auch ein Original-Grenzpfahl. Das weiße Häuschen des Kontrollpunktes auf der westlichen Seite ist wieder aufgebaut worden. Davor schwenken junge Männer in US-Uniform dekorativ die US-amerikanische Flagge.

Quelle: n-tv.de