Reise
Die sagenumwobene Bucht, der Aphrodite entstiegen sein soll.
Die sagenumwobene Bucht, der Aphrodite entstiegen sein soll.(Foto: Carola Ferstl)
Dienstag, 16. Mai 2017

Kulturhauptstadt 2017 auf Zypern: Aphrodites Charme betört Paphos

Von Carola Ferstl, Paphos

Man kann ihr nicht entkommen - auf Zypern ist Aphrodite einfach überall. Die Göttin der Schönheit ziert Kekse, T-Shirts und Holzschnitzereien und nun singt sie auch noch an der Stadtmauer von Paphos.

Paphos ist nicht unbedingt jedem ein Begriff, doch dieses Jahr steht die zypriotische Stadt im Zentrum der Aufmerksamkeit. Denn 2017 ist Paphos Europäische Kulturhauptstadt. Seit 1985 wird dieser Titel jährlich von der Europäischen Union verliehen und finanziell aus Brüssel unterstützt, um auf die besondere Kultur hinzuweisen. Außerdem soll das Projekt die Verständigung unter den Bürgern Europas verbessern. In diesem Jahr ist neben Paphos auch das dänische Aarhus auserwählt.

Da kann Paphos auf jeden Fall mit besserem Wetter und antiken Ruinen punkten, an denen dann auch viele der diesjährigen Veranstaltungen im Freien ausgerichtet werden. Die Berliner Philharmoniker spielten bereits ihr traditionelles Konzert am 1. Mai vor dem alten Kastellturm im Hafen. Als Zugabe gab es den "Ungarischen Tanz Nr. 5" von Brahms, vielleicht eine Reminiszenz an die Kulturhauptstadt 2010 - das ungarische Pecs.

Aphrodite oder Venus?

Kirche der Agia Kyriaki Chrysopolitissa.
Kirche der Agia Kyriaki Chrysopolitissa.(Foto: imago/robertharding)

Am 20. Mai nun aber erscheint Aphrodite oder besser Venus, wie die Göttin bei den Römern genannt wurde. Wohl jedem bekannt in ihrer Darstellung von Botticelli, nackt in einer Muschel stehend. In Paphos wird Ute Lemper diese Rolle übernehmen. Und zwar mit ihren Liedern von Kurt Weill. "One Touch of Venus" heißt das Musical von 1943, das von einigen Theater-typischen Verwicklungen um eine zum Leben erwachte Venus-Statue erzählt. "La Lemper", der deutsche Musical Star, ist mit diesen Songs weltweit bekannt geworden und wird wohl auch am 20. Mai in Paphos eine große Fan-Gemeinde um sich scharen, wenn sie "Speak low" säuselt.

Wer mehr will, der kann sich auf Zypern auf eine Aphrodite-Tour begeben und dabei die Insel kennenlernen. Sagenumwoben ist der Felsen im Meer, an dem die Schöne aus Schaum geboren worden sein soll. Von oben, von der Straße gesehen, sieht der Sandstein am Strand Petra tou Romiou fast etwas klein aus. Aber einige Mutige versuchen ihn zu umschwimmen, was wegen der starken Brandung schwierig ist. Was tut man nicht für die eigene Schönheit. Immerhin gibt es das Gerücht, dass man 10 Jahre jünger wird, wenn man den Stein dreimal umrundet hat - allerdings bei Vollmond und nicht in der Mittagssonne.

Auf der Akamas-Halbinsel, im äußersten Westen der Insel, wähnt man sich beim Wandern weitab der Touristenpfade, nur einige Schafe kreuzen den Weg. Doch auch hier hat Aphrodite ihre Spuren hinterlassen und sorgt damit für einen nie abreißenden Besucherstrom. Eine kleine Grotte mit einem natürlichen Bassin diente der Göttin der Sage nach als Bad. Wurzeln wachsen über moosigen Steinen, Äste hängen tief herab, grünes Laub überschattet den romantischen Ort. Nur die jungen Wanderer mit einer laut röhrenden Lautsprecher-Box im Rucksack stören den ruhigen Moment. 

Am Sonntag kommen hier viele Einheimische zu einem Spaziergang am Meer und genießen die Aussicht von der Taverne nebenan. Frische Kalamari, Knoblauchbrot und der berühmte Wein der Insel, den schon Griechen und Römer lobten, komplettieren das Erlebnis. Den zyprischen Weinen widmet "The Place" in der Altstadt von Paphos einen ganzen Raum. Neben Kunsthandwerk aus Seidenraupen-Kokons und Glas verkauft Nathalie in ihrem außergewöhnlichen Souvenirladen auch Oliven, Süßigkeiten, Öl und Wein von der Insel.

Weintradition mehr als 6000 Jahre alt

Ausgrabungsstätten nahe Paphos.
Ausgrabungsstätten nahe Paphos.(Foto: Carola Ferstl)

Zwar berichten alte Schriften in höchsten Tönen von der Qualität der zyprischen Weine und die Tradition des Anbaus reicht 6000 Jahre zurück, doch verlor sich dieses Wissen in der wechselvollen Geschichte der Insel und wird erst seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder kultiviert. Mit wundervollen Ergebnissen. Die Berge und Hügel des Troodos-Gebirges eigenen sich hervorragend für den Anbau von Wein. Man kommt hier vielfach ohne Bewässerung oder chemischen Pflanzenschutz aus. Ein Vorteil der Lage weit im Osten des Mittelmeeres: die Reblaus kam nicht bis in diesen abgelegenen Winkel Europas.  Einer der ersten Winzer der neuen Generation startete 1993. Vasilikon in der Nähe von Kathikas baut nicht nur gute Weine an, sondern erzählt im hauseigenen Weinmuseum die Geschichte des Weins auf Zypern. 

Auch wenn es im Jahr der Kulturhauptstadt viele Musik- und Theaterveranstaltungen gibt, die Paphos als Reiseziel interessant machen - in nur dreieinhalb Stunden ist man hier, so sind es doch die zeitlosen historischen Ausgrabungen, die den Weg lohnen. Die Mosaiken direkt in der Nähe des Hafens gehören zu einer Anlage von römischen Villen aus dem 3. bis 5. Jahrhundert nach Christus. Sie wurden 1962 zufällig beim Pflügen eines Ackers entdeckt und gehören zu den schönsten Mosaiken im östlichen Mittelmeerraum.

Die sogenannten Königsgräber von Nea Paphos dienten nicht nur als Friedhof für reiche Bewohner, sondern zur Zeit der Verfolgung den frühen Christen auch als deren Zuflucht. In einigen Felsengräbern kann man die unterschiedliche Nutzung sehen: Nischen für Sarkophage auf der einen Seite und die Reste eines Brennofens für einen Töpfer auf der anderen. Erst wenige Gräber sind den Besuchern zugänglich. Unter jedem Hügel auf dem weitläufigen Gelände wartet also auf die Archäologen vielleicht noch eine Sensation.

Mit Aphrodite-Süßigkeiten in der Tasche und Sonne auf dem Gesicht scheint der Zauber der Göttin zu wirken. Nun bleibt es an Ute Lemper, Aphrodite oder Venus in den Liedern von Kurt Weill zum Leben zu erwecken.

*Die Reise wurde unterstützt von der Fremdenverkehrszentrale Zypern und Constantiniou Bros Asiminia Suites.

Weitere Informationen zur Autorin finden Sie hier.

Quelle: n-tv.de

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