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(Foto: picture alliance / dpa)

Herbst in der Schorfheide: Ausspannen im einstigen Promi-Jagdgebiet

Von Jürgen Wutschke, Schorfheide-Chlorin

Wellness, Wild und Wanderwege: Das wussten Politgrößen über Jahrhunderte zu schätzen. Vor den Toren Berlins ist die Schorfheide gerade für die Herbsttage ein interessantes Ausflugsziel. Mit ganz viel Geschichte.

Die Schorfheide ist eine flachwellige Sanderlandschaft, heißt es bei Wikipedia. Die Schorfheide nordöstlich von Berlin ist Europas größtes Waldgebiet, versprechen die Touristiker. Auf jeden Fall ist sie in diesen Tagen herbstbunt, ködert die Urlauber mit Wellness-Tagen, langen Wolfsnächten, Radtouren und Wildbeobachtungen. Das Getier des Waldes wird auf die Speisekarten und Teller der lokalen Gastronomie gehievt. Und das hat eine lange Tradition.

Über Wilhelm den Zweiten bis hin zu Erich Honecker den Ersten lockte das mehrere Hundert Hektar große Areal - inklusive staatswaidmännischer Sperrgebiete - über Jahrzehnte die Mächtigen zur Jagd. Seit fast einem Vierteljahrhundert können sich nun auch die Untertanen von der Gegend in Brandenburg verzaubern lassen - und zwar vielfach in den ihnen einst verschlossenen Herbergen der Herrschaften. So öffnen inzwischen schon seit einigen Jahren mit dem Hotel Döllnsee-Schorfheide und dem Ringhotel Schorfheide zwei ehedem den höheren Staatsständen vorbehaltene Häuser auch für den Touristen ihre Pforten.

Madrider Formel und Carinhall

Haus Döllnsee.
Haus Döllnsee.(Foto: n-tv.de)

Malerisch am Ufer des Großen Döllnsees gelegen, inmitten des Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, liegt etwa das Hotel Döllnsee-Schorfheide. Mitte der 30er Jahre ließ es der spätere Oberbefehlshaber der Luftwaffe im Dritten Reich, Hermann Göring, seinem Leibjäger errichten. Ein paar Jahrzehnte später quartierte DDR-Staatschef Erich Honecker hier seine Gäste ein, wenn er in der Schorfheide zur Jagd lud.

In diesen Tagen lockt das 4-Sterne-Haus, das inzwischen um Anbauten erweitert wurde und im Sommer mit mehreren Badestellen und Saunahäuschen am Seeufer um Gäste buhlt, ebenso mit dem Thema Wild. Reh, Hirsch und Wildschwein haben es auf die Karte des hauseigenen Restaurants geschafft. Ebenso Pilze, die nun Hochsaison haben. Im Erdgeschoss empfängt ein nüchterner Kamin den Gast. Von den Wänden protzt eine stattliche und  mehrfach prämierte Geweih-Sammlung. (Schon mal etwas von der Madrider Formel gehört?). Die Handläufe schimmern golden. In den Zimmer dominieren die Rot- und Orange-Töne. Die blauen Teppiche ziert Eichenlaub.

Jagdhaus Hubertusstock - Honeckers Klause.
Jagdhaus Hubertusstock - Honeckers Klause.(Foto: n-tv.de)

In den Stunden zwischen der Muße im einfachen Wellnes-Bereich und den ebenso soliden Küchen-Werkeleien lohnt der Gang - wildschweingepflügt umrandet - entlang des Döllnsees vor der Haustür. Der mausert sich zwar mit mehr als zehn Kilometern doch noch zum veritablen Marsch, führt dafür aber durch den herbstbunten Buchen- und Eichenbestand. Auf der gegenüberliegenden Seeseite lassen sich noch die Umrisse von Görings Carinhall erahnen. Inzwischen stehen dort aber nur noch Reste des Eingangstores am Ende einer Kastanienallee sowie einige ehemalige Versorgungshäuser. Hierhin ließ Göring in den 30er Jahren seine in Schweden begrabene Frau überführen. Der auf dem Areal einst thronende Bronezhirsch steht inzwischen im Berliner Tierpark in Friedrichsfelde.

Fern bläst der Waidmann

Der Eingang zu Hubertusstock - schmiedeeisern und dereinst gut bewacht.
Der Eingang zu Hubertusstock - schmiedeeisern und dereinst gut bewacht.

Ein paar Kilometer Luftlinie weiter und per Rad gut zu erreichen, befindet sich das Jagdhaus Hubertusstock. Das am Werbellinsee gelegene Areal geht zurück auf Friedrich Wilhelm IV. und damit in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Später nutzten es dann etwa die Reichspräsidenten der Weimarer Republik. Zur DDR-Zeiten wurde es dann Honeckers Jagdsitz. 1981 empfing er dort etwa den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt. In der Nähe liegt die Europäische Jugenderholungs- und Begegnungsstätte Werbellinsee - früher Pionierrepublik, in der mehrere Hundert Schüler zu DDR-Zeiten gleichzeitig Ferien machen könnten. Benannt war sie nach dem ersten und einzigen Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck.

Das Areal um das Jagdhaus wird nach etlichen und hier etwas länger dauernden Wendewirren inzwischen als Tagungshotel der Wirtschaft von Berlin und Brandenburg genutzt. Dazu fügt sich zwar ein unauffälliger Neubau ins Gehölz der Schorfheide. Doch auch die früheren beinahe an Bauhaus erinnernden Gästehäuser stehen Touristen zur Verfügung. Das Jagdhaus Hubertusstock ist inzwischen eine Außenstelle des Standesamtes Joachimsthal. Die einstige Schwimmhalle verwittert indes vor sich hin und dient derzeit als Arbeitsraum für Handwerker. Aus der Ferne schallt derweil das Horn des Waidmanns. Es wird wohl ein den Küchen verbundener Jäger sein, wie es auf den Speisekarten heißt. Durch die rauschenden Laubkronen tröpfelt die Herbstsonne auf die Wege.

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Quelle: n-tv.de

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