Reise
Ohne Strom - aber mit einzigartigem Meerblick: Cabo Polonio.
Ohne Strom - aber mit einzigartigem Meerblick: Cabo Polonio.(Foto: imago stock&people)

Entschleunigung in Uruguay: Das Dörfchen am Ende der Welt

Von Malte van Oven, Cabo Polonio

Kein Strom, kein Internet und eine der größten Seelöwenkolonien der Welt: An der rauen Atlantikküste Uruguays lädt das kleine Fischerdörfchen Cabo Polonio zum Abschalten ein. Und auch in der Nacht ist dieser Flecken Erde ein Schmuckstück.

Ein gutes Buch, krachende Atlantikwellen und im Hintergrund neckisches Seelöwengeheul: das kleine uruguayische Küstenörtchen Cabo Polonio hat schon einen besonderen Charme. Schon die Anreise nach "Cabo", wie die Einheimischen ihr Dorf nennen, gilt als mittelgroßes Abenteuer. Das Dörfchen liegt an der Atlantikküste in einem Nationalpark im Südosten des Departamentos Rocha, zwischen den Badeorten Valizas und La Pedrera, etwa 260 Kilometer von der Hauptstadt Montevideo entfernt. Nur die ständigen Einwohner des Dorfes, rund 100 an der Zahl, dürfen überhaupt mit dem Auto in das Naturschutzgebiet hineinfahren. Wie also hineingelangen?

LKW statt Bus - so kommt man nach Cabo Polonio.
LKW statt Bus - so kommt man nach Cabo Polonio.(Foto: Malte van Oven)

Das gut strukturierte Busnetz Uruguays mit bequemen Überlandbussen führt Touristen zum großzügig ausgebauten Busbahnhof. Dort wartet auf die Besucher eine Überraschung: wer in das rund sieben Kilometer entfernte Cabo Polonio möchte, muss mittels einer steilen Leiter auf Ladeflächen alter DDR-LKW klettern. Die Lastwagen bringen die Passagiere dann durch den unwegsamen, wilden Nationalpark zu dem kleinen Fischerdörfchen. Die knacksenden Holzbänke bilden hier einen harten Kontrast zum komfortablen Reisen im Überlandbus. Andere eher unbequeme Fortbewegungsmittel nach Cabo: zu Fuß oder per Pferd. In den heißen Sommermonaten gelten die LKW dann doch als beste Alternative.

Back to nature

Touristen können die unzähligen Seelöwen beobachten.
Touristen können die unzähligen Seelöwen beobachten.(Foto: Malte van Oven)

Rund 20 Minuten ruckeln die Laster durch den Nationalpark Richtung Cabo Polonio. Schnell zeichnen sich am Horizont hinter den gewaltigen Sanddünen die kleinen bunten Fischerhütten ab. Wenn man aus den komfortablen Touristenhochburgen Punta del Este oder Punta del Diablo anreist, dämmert einem schnell: der Faktor Luxus wird in den nächsten Tagen eine eher untergeordnete Rolle spielen. "Back to nature" heißt hier das Motto.

Doch was sind die Highlights an einem Ort ohne Supermärkte, reges Treiben und Elektrizität? Als einzige Sehenswürdigkeit gilt der Leuchtturm an der Spitze der Halbinsel, der auch als einziger an das Stromnetz angeschlossen ist. Der übrige Bedarf wird aus Sonnen- und Windenergie gewonnen, für die Abendstunden stehen Generatoren oder eben Kerzen bereit. Während sich die Tagesurlauber meist an den weitläufigen Stränden vergnügen oder Surfunterricht nehmen, gehen die Einwohner der Fischerei oder dem immer stärker wachsendem Tourismus nach.

Große Wanderdünen – beeindruckende Tierwelt

Allgemein gilt jedoch das Credo: Die Gegend soll auch zukünftig nicht elektrifiziert werden, um so ihren wilden und ursprünglichen Zustand zu bewahren. Hostel-Besitzerin Maria bestätigt: "Wir leben hier schon ein spezielles Leben im Einklang mit der Natur und verzichten gerne auf einige Sachen. Ich liebe das abgeschiedene Leben am Meer." Während den Sommermonaten zwischen November und April verirren sich hauptsächlich Tagesurlauber nach Cabo Polonio. Übernachten tun tatsächlich die wenigsten, dabei gehört der Sternenhimmel zu den schönsten überhaupt: Ohne störende, künstliche Lichter strahlen die Sternenbilder hier in voller Pracht.

Eine weitere große Attraktion des Ortes sind die großen Wanderdünen. Diese erreichen eine Höhe von bis zu 50 Meter und zählen zu den größten Südamerikas. Auch die Tierwelt zieht Naturliebhaber und Touristen an. Eine der weltweit größten Seelöwenkolonien befindet sich auf den der Küste vorgelagerten Torres– und Castillo–Grande Insel. Auch Mähnenrobben und Seebären tummeln sich hier. In den Wintermonaten zwischen Juni und November sind sogar Glattwale oder Pinguine zu beobachten.

Ein Ausflug nach Cabo erscheint wie ein Ausflug in eine andere Welt: ursprünglich, naturnah und fernab vom Trubel des hektischen Alltags. Wer genau danach sucht, sollte im Nordosten von La Paloma bei Kilometer 264,5 an der Ruta 10 die Abzweigung nach Cabo Polonio nehmen. Erholungsfaktor garantiert.

Quelle: n-tv.de