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Gerhard Richter vor einem seiner Werke - er selber mag den Rummel um seine Person gar nicht so sehr.
Gerhard Richter vor einem seiner Werke - er selber mag den Rummel um seine Person gar nicht so sehr.(Foto: dpa)

Der bescheidene große Künstler: Deutschland ehrt Gerhard Richter

Als kunstinteressierter Tourist mit einem besonderen Faible für Gerhard Richter wird man anlässlich seines 80. Geburtstags gleich in mehreren deutschen Städten fündig. Mal werden seine Gemälde gezeigt, mal seine Grafiken und Fotos, mal wird er sogar selber zum Kunstobjekt.

Genau drei Tage nach dem 80. Geburtstag Gerhard Richters am 9. Februar öffnet in der Neuen Nationalgalerie in Berlin das "Gerhard Richter Panorama" (12. Februar bis 13. Mai). Zu sehen sind rund 150 Gemälde aus allen Schaffensperioden, darunter Ikonen wie "Ema - Akt auf einer Treppe" (1966) oder das selten zu sehende Werk "Neger (Nuba)" (1964). Direktor Udo Kittelmann verspricht: "Noch nie zuvor konnte man einen so umfassenden Panoramablick auf Richters Lebenswerk werfen."

Als Ergänzung zeigt das private Berliner Ausstellungshaus me Collectors Room zeitgleich etwa 200 Druckgrafiken, Fotoarbeiten, Künstlerbücher und Plakate. Die Ausstellung heißt "Gerhard Richter Editionen" (12. Februar bis 13. Mai).

"Atlas" aus tausenden Objekten

"Stripes - Streifen" (2011) im neu gestalteten Gerhard Richter Raum im Albertinum in Dresden.
"Stripes - Streifen" (2011) im neu gestalteten Gerhard Richter Raum im Albertinum in Dresden.(Foto: dpa)

In seiner Geburtsstadt Dresden gibt das Gerhard-Richter-Archiv einen Einblick in den sogenannten "Atlas" des Künstlers, eine Sammlung von 783 gerahmten Tafeln mit mehr als 15.000 Fotografien, Zeitungsausschnitten, Skizzen und Entwürfen. Diese werden in der Kunsthalle im Lipsiusbau nach der Anordnung des Künstlers gehängt. Viele der Dokumente haben ihn im Laufe der Jahrzehnte zu Gemälden inspiriert. Die Ausstellung läuft vom 4. Februar bis zum 22. April.

Kontakte zu Dresden bestehen seit der Wende. 1993 schenkte er ein abstraktes Bild an die Galerie Neue Meister, nach der Flut 2002 gab er das Gemälde "Fels" für eine Benefizauktion zugunsten eines hochwassersicheren Kunstsammlungs-Depots. Es hängt als Leihgabe in zwei Richter-Sälen im Albertinum. Die Stadt habe ihn sehr geprägt, sagte er. "Es ist sehr berührend, hier auszustellen."

In Bremerhaven ehrt die Kunsthalle den Maler auf ungewöhnliche Weise: Nicht seine Werke, sondern er selbst steht als Kunstobjekt im Mittelpunkt - und zwar in Fotografien von Benjamin Katz. Dieser begleitet seit mehreren Jahrzehnten den Werdegang vieler deutscher Künstler - neben Richter zum Beispiel auch Georg Baselitz. Die Ausstellung ist vom 5. Februar bis zum 11. März zu sehen.

Lob ist ihm unangenehm

Richter selbst sieht Lobeshymnen auf sich eher skeptisch: "Was mir bei diesen Anlässen immer sehr unangenehm ist, sind die vielen Menschen, die sagen werden, wie toll die Ausstellung ist", sagte er kürzlich der "Welt am Sonntag". "Das sagen sie immer, es sei ganz toll. Und das bedeutet ja nichts."

Auch mit Sammlern, die Millionenbeträge für seine Werke zahlen, kann er nichts anfangen. "Ein guter Sammler ist für mich jemand, den ich noch nie getroffen habe", sagte er. Die einhellige Begeisterung der Kunstwelt für Richter steht dabei in einem merkwürdigen Gegensatz zu der Ratlosigkeit, mit der das große Publikum seine Bilder betrachtet. Die "Kerze" zum Beispiel, die im Oktober zwölf Millionen Euro erzielte, wirkt geradezu banal. Was soll daran nun so toll sein?

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Quelle: n-tv.de