Reise
Elf Schiffe von A-Rosa sind in Europa unterwegs.
Elf Schiffe von A-Rosa sind in Europa unterwegs.(Foto: Sonja Gurris)

Flusskreuzfahrten sind gefragt: Die Entdeckung der Langsamkeit

Von Sonja Gurris, Lyon

Kreuzfahrten auf hoher See boomen - doch auch die gemächliche Variante auf dem Fluss ist derzeit angesagt. Besonders ältere Reisende mögen den Komfort, ganz in Ruhe zu reisen. Doch was ist das Erfolgskonzept?

Der Kapitän muss bei der Schleusendurchfahrt viel beachten.
Der Kapitän muss bei der Schleusendurchfahrt viel beachten.(Foto: Sonja Gurris)

An einer der vielen Schleusen muss Kapitän Josy Haas ganz schön ackern, schließlich darf das Schiff nicht an die Innenwände der Schleuse anschlagen. Immer wieder lugt sein Kopf links und rechts der Reling empor, um alles genau im Blick zu haben. Es ist eine seiner letzten Fahrten in diesem Jahr auf der Rhône mit der "A-Rosa Stella". Solche Schleusendurchfahrten gehören für ihn zum Alltag, für die vielen Passagiere an Bord ist es ein Ereignis. Auf das Schiff passen maximal 174 Passagiere - eine ziemlich übersichtliche Zahl, verglichen mit den mehreren Tausend Gästen auf einem Kreuzfahrtschiff auf hoher See. Fast alle Gäste zücken ihre Kameras und Smartphones, um die Durchfahrt an der großen Schleuse festzuhalten. Dazu summt im Hintergrund französisches Liedgut.

Die 50 Mann starke Besatzung führt das Schiff fünf Tage von Lyon bis in die Bischofsstadt Avignon und wieder zurück nach Lyon. Es sind wohl die letzten sonnigen Tage des Jahres und Südfrankreich präsentiert sich wie im Bilderbuch. Die vornehmlich älteren Gäste haben sich für eine Fahrt in der Nebensaison entschieden, dennoch ist das längliche und flache Schiff mit 86 Kabinen zu mehr als 90 Prozent ausgelastet. Das Unternehmen A-Rosa ist einer der führenden Flusskreuzfahrtanbieter Europas und betreibt elf Schiffe, die auf den Klassikern für Flussreisen, Rhein, Donau und Rhône verkehren.

Wenn ein Flusskreuzfahrtschiff durch die Schleuse fährt, ist das Zentimeterarbeit.
Wenn ein Flusskreuzfahrtschiff durch die Schleuse fährt, ist das Zentimeterarbeit.(Foto: Sonja Gurris)
Viel Betrieb auf Frankreichs Flüssen

Auf der Rhône ist es ziemlich voll, auch zum Ende der Saison ist noch viel Betrieb. Insgesamt verkehren auf dem Fluss rund 22 Schiffe aus den verschiedensten Nationen. Wenn die Schiffe an einem Zielort anlegen, liegen sie direkt nebeneinander - und das führt zu einer kuriosen Sache: Legen zwei Schiffe nebeneinander an, so wird jenes, das näher am Anlieger ist, zum Übergang für die Gäste des zweiten Schiffs. So haben Gäste die Möglichkeit, auch einen Blick in andere Schiffe zu werfen. Genau wie bei der klassischen Kreuzfahrt leben auch die Flusskreuzfahrt-Anbieter vom Verkauf der Ausflüge. Auf der Rhône können Passagiere Stippvisiten in die Lavendelfelder der Provence und in die beeindruckende Natur der Camargue buchen.

In Aix en Provence lebt man das Leben.
In Aix en Provence lebt man das Leben.(Foto: Sonja Gurris)

Sehr empfehlenswert und ein echtes Stück Frankreich ist Aix en Provence. Die angeblich schönste Stadt des Landes bietet eine französische Altstadt wie aus dem Bilderbuch. Unzählige Restaurants und Bars mit kleinen Terrassen, auf denen Menschen in der Sonne Wein trinken und opulent essen.

Auch Avignon zählt zu den Highlights der Reise. Kaum dort angekommen, sieht man auch schon die weltberühmte Brücke aus dem Volklied "Sur le pont d'Avignon" - und sogleich gibt die Reiseleiterin in Auftrag: "Jeder, der nach Avignon kommt, muss auf die Brücke, sich im Kreis drehen, tanzen und singen". Und schwupps ist der Ohrwurm implantiert und auch beim Anblick des bekannten Papstpalastes summt die innere Stimme immer wieder "Sur le pont d'Avignon". Das Ausflugsprogramm ist voll, aber dennoch entspannt - gerade für Gäste in den besten Jahren ist gesorgt.

Das lange Schiff schlängelt sich durch die Kurven der Rhône.
Das lange Schiff schlängelt sich durch die Kurven der Rhône.(Foto: A-Rosa)

 Seit 2006 betreibt A-Rosa Schiffe auf der Rhône, die Saison läuft von März bis November. Über den Winter werden die Schiffe auf Stand gebracht. Die Gäste kommen vor allem aus Deutschland, aber auch aus Österreich, der Schweiz und den Niederlanden. Die US-Amerikaner und Briten sind ebenfalls begeisterte Flusskreuzfahrt-Anhänger, doch fahren sie eher mit den heimischen Reedereien. Doch was macht die Reisen auf dem Fluss eigentlich so beliebt?

Langsamkeit bringt die wahre Entschleunigung. Auch wenn viele Ältere auf der "A-Rosa Stella" unterwegs sind, so gab es im Sommer einen besonderen Ansturm von Familien. "Wir konnten der Nachfrage der Familien mit Kindern kaum nachkommen, so viele hatten Bedarf angemeldet", betont Pressesprecherin Nicole Lerrahn. Für Kinder wird dann auch ein besonderes Programm angeboten, während sich die Eltern entspannen können. Doch warum ist der Fluss so populär? Dauer-Beschallung wie auf einem Kreuzfahrtschiff auf dem Mittelmeer gibt es nicht. Ein Spa, ein Außenpool, eine kleine Bar mit DJ und einige Ausflüge: Es ist übersichtlich. Nach wenigen Tagen kennt die Crew jeden Gast persönlich. Genau das scheint das Konzept erfolgreich zu machen.

Fluss-Urlauber sind "Wiederholungstäter"

Übersichtlich, organisiert, ruhig und gelassen, so lässt sich so eine Flusskreuzfahrt am besten beschreiben. Wer einmal alleine morgens oder abends an Deck geht, sich den sanften Fahrtwind um die Nase wehen und den Blick über die zauberhafte Umgebung Südfrankreichs schweifen lässt, der weiß, warum so viele diese Art des Reisens mögen. Zwischendurch, wenn besondere Sehenswürdigkeiten am Ufer auftauchen, dröhnt der Lautsprecher und die Gäste bekommen Informationen über die Umgebung. Beim ersten Mal schreckt man noch etwas auf, bald wird es normal.

Ähnlich wie die großen Kreuzfahrtschiffe werden auch die kleineren Fluss-Schiffe rege nachgefragt. Im kommenden Jahr wird das Unternehmen auch Flusskreuzfahrten auf der Seine anbieten. Viele Fluss-Reisende werden dann wohl wieder zusteigen, denn sie sind "Wiederholungstäter".

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.

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Quelle: n-tv.de

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