Reise
Diese bunten Hausfassaden aus Bergen sind berühmt - und wirken am Abend besonders schön.
Diese bunten Hausfassaden aus Bergen sind berühmt - und wirken am Abend besonders schön.(Foto: Bergen Tourist Board / Girish Chouhan - visitBergen.com)

Hafenstadt vor den Fjorden: Die Regenjacke ist in Bergen ein Must-have

Von Sonja Gurris, Bergen

Regen, Hanse-Tradition, Studenten und Kreuzfahrtschiffe prägen das Image von Bergen. Das Tor zu den Fjorden ist die zweitgrößte Stadt des Landes, auch wenn man das kaum glauben kann. Selbst Regen kann die charmante Atmosphäre nicht trüben.

Es ist regnerisch - und das überrascht nicht. Denn Bergen ist angeblich die regenreichste Stadt Europas. "Wir hatten dieses Jahr vielleicht eine Woche richtig Sonne", erzählt ein junger Verkäufer. Die winddichte Regenjacke oder ein festes Regencape sowie Gummistiefel scheinen zum Standard-Kleidungsstück der Bergener zu gehören. Schlechtes Wetter gibt es hier nicht, nur schlechte Kleidung. Und auf den Straßen tragen die Studenten so allerlei Variationen an Schlechtwetter-Kleidung. Wo, wenn nicht hier? Doch die wärmenden Outdoor-Klamotten in verschiedenen Modefarben gab es früher natürlich nicht. In den nassen Straßen am Hafen kann man erahnen, wie sich die Einwohner zur Zeit der Hanse, zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert, in ihren kargen Holzhäusern gefühlt haben müssen.   

Das historische Hanse-Viertel Bryggen zieht die Besucher an.
Das historische Hanse-Viertel Bryggen zieht die Besucher an.(Foto: Sonja Gurris)

Das alte Hanseviertel Bryggen (norwegisch für "Landungsbrücke") versprüht seinen ganz eigenen Charme. Während der Zeit des Hanse-Handelsverbundes schickten gutbetuchte norddeutsche Händler ihre halbwüchsigen Söhne im Alter um die 15 Jahre ins westnorwegische Bergen, damit sie dort hart arbeiteten. Das kleine Viertel, wo die jungen Männer lebten, ist heute Unesco Weltkulturerbe und versetzt den Besucher in eine frühere Zeit. In das alte Hanseviertel durften nur Männer, Frauen hatten Zutrittsverbot und selbst die bergener Bürger durften nicht hinein in den Stadtbezirk, in dem die deutschen Heranwachsenden ihre Arbeit verrichteten.

Bryggen hat auch bei Regen seinen Charme.
Bryggen hat auch bei Regen seinen Charme.(Foto: Sonja Gurris)

Anna Nygaard lebt seit 48 Jahren in Norwegen. Sie kommt aus Bonn und ist mit ihrem Mann vor fast fünf Jahrzehnten aus dem Rheinland nach Fjordnorwegen ausgewandert. Heute führt sie deutsche Reisegruppen als Bergen-Expertin durch die Gassen der Stadt. Sie weiß genau über die Bergensfahrer, so werden die Ankömmlinge aus Norddeutschland genannt, Bescheid: "Die jungen Männer hatten harte Aufnahmerituale und außerdem gab es 15 feste Regeln, sie durften beispielsweise nicht zu viel trinken". Dass sich die Hanse-Jungen nicht so gerne daran gehalten haben, macht sie mit einem Augenzwinkern deutlich. Frauenkontakt zur Bergener Bevölkerung war natürlich auch nicht erlaubt, doch natürlich konnte das die Gefühle von jungen Männern und Frauen nicht verhindern.

"In jedem Fjord sprechen sie einen anderen Dialekt"

Fisch und Meeresfrüchte sind in Bergen unvermeidbar.
Fisch und Meeresfrüchte sind in Bergen unvermeidbar.(Foto: Sonja Gurris)

Die Besucher aus Deutschland prägten das Hanseviertel mit. Und so ist auch für Anna Nygaard ein deutsch-norwegischer Bezug da. Sie selbst wohnt heute in Bergen, hat früher in der Nähe des Ortes gelebt und weiß zu berichten: "In jedem Fjord sprechen sie einen anderen Dialekt".

Ein paar Meter entfernt von Bryggen liegt der Fischmarkt, auf dem bis in den Abend allerlei Fischsorten angeboten werden. Auch das umstrittene Walfleisch gibt es hier zu kaufen. Deutlich mehr Menschen schlagen da wohl beim fangfrischen Lachs und beim Kabeljau zu. Gerade diejenigen, die gerne Fisch essen, haben hier die sprichwörtliche Qual der Wahl. Vom Regen geschützt, gibt es weitere Verkaufsstände in der modernen Markthalle nebenan. Hier schwimmt noch der Hummer in den Becken herum, bevor er seine letzte Reise in eine bergener Küche antritt.

In der Fischhalle gibt es eine großen Vielfalt. Die Preise sind norwegisch, also hoch.
In der Fischhalle gibt es eine großen Vielfalt. Die Preise sind norwegisch, also hoch.(Foto: Sonja Gurris)

Aufstieg mit der Fløienbahn

Wer einen Überblick über die Stadt erhalten möchte, der kann die Fløienbahn nehmen. Es ist eine Standseilbahn, die auch die Einheimischen nutzen, die oben am Berg Fløien leben. Touristen können einige Minuten nach oben fahren und schon dabei den Ausblick genießen - es sei denn, es regnet mal wieder und der Nebel legt sich über Bergen. Tickets für Hin- und Rückfahrt kosten 90 Kronen, etwa 9,60 Euro. Oben am Berg gibt es nicht nur einen großen Aussichtspunkt, sondern auch Restaurants. Wer sich etwas bewegen möchte, kann am Ziel der Standseilbahn direkt loswandern und mit Blick auf Bergen die Natur auf sich wirken lassen.

Aussicht über die Bucht von Bergen - bei gutem Wetter ein toller Ausflug.
Aussicht über die Bucht von Bergen - bei gutem Wetter ein toller Ausflug.(Foto: Yancy Caldwell / Matador Network / www.fjordnorway.com)

Die Stadt ist umgeben von sieben Hügeln - und Wandern liegt den Norwegern im Blut, das sollten auch Urlauber unbedingt ausprobieren. Es hält fit und gerade in Fjordnorwegen laden die Berge und Hügel zu tollen Aussichten über die Fjord- und Seenlandschaft ein. Natürlich muss man damit rechnen, dass das Wetter an manchen Tagen die klare Sicht trübt, doch davon sollten sich wahre Outdoor-Fans nicht abschrecken lassen.

Besonders groß wirkt Bergen nicht, doch tatsächlich leben dort rund 270.000 Menschen. Gerade viele Studenten zieht es in die westnorwegische Stadt - und auch zahlreiche Kreuzfahrtschiffe. Die Tagesbesucher von Aida und Co. stürmen regelmäßig die Innenstadt von Bergen. Der Hafen ist einer der beliebtesten Kreuzfahrtziele in Nordeuropa. Wenn mehrere Schiffe gleichzeitig vor Anker liegen, dann wird es voll in der Stadt.

Die zweitgrößte Stadt in Norwegen hat sich ihren Charme bewahrt, obwohl im Sommer unzählige Touristen ankommen und dann in Richtung Fjorde aufbrechen. Auch wenn der Regen in Bergen fast normal ist, sollte das keinen Urlauber von einem Besuch dieser historischen Stadt abhalten. Denn auch im Regen ist die Hanse-Geschichte spürbar. Die Bergensfahrer aus Deutschland waren schließlich auch nicht aus Zucker - und das ganz ohne wasserabweisende Outdoorklamotten.

*Dieser Text ist im Rahmen einer Pressereise von Visit Norway & Fjord Norway entstanden.

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Quelle: n-tv.de

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