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Im Fahrradfahren sind die Niederländer echt Profis - bei jedem Wetter wird geradelt.
Im Fahrradfahren sind die Niederländer echt Profis - bei jedem Wetter wird geradelt.(Foto: imago/blickwinkel)
Mittwoch, 19. Oktober 2016

"Niederlande für Anfänger": Ein Deutscher fühlt sich "oranje"

Von Sonja Gurris

Niederländer haben einen Hang zum Dritt-Rad und sind echte Macher. Tilmann Bünz schafft es, mit seinem Länderporträt zu zeigen, wie die fahrradliebenden Nachbarn ticken. Und er weiß: Ihr Verhältnis zu Deutschen ist besser als sein Ruf.

Die Niederlande und Flandern sind das diesjährige Partnerland der Frankfurter Buchmesse. Ein guter Grund, um sich dem Buch "Fünf Meter unter dem Meer - Niederlande für Anfänger" zu widmen. Wer schon immer mal wissen wollte, wie die Niederländer ticken: Hier ist die Antwort. Der Autor Tilmann Bünz erklärt darin in vielen kleinen Episoden, warum man das Nachbarland der Deutschen einfach mögen muss. Gespickt mit Alltagsgeschichte, kleine Skurrilitäten und Einordnungen, erfährt der Leser viel Wissenswertes über das Land am Wasser.

Das Länderporträt ist im btb Verlag erschienen.
Das Länderporträt ist im btb Verlag erschienen.(Foto: btb)

Deutsche und Niederländer - das ist ein Verhältnis, das nicht immer einfach ist. Und damit sind nicht nur die Deutschen auf den Campingplätzen im Nachbarland oder die niederländischen Wohnmobil-Fahrer auf deutschen Autobahnen gemeint. Es sind oft Stereotype, die Nationalitäten beschäftigen. Der Trend zum Drittrad, liebloses Automatenessen oder die nicht vorhandenen Gardinen vor den Fenstern - der deutsche Autor, der seine eigenen Niederlande-Erfahrungen niedergeschrieben hat, setzt sich mit diesen niederländischen Phänomenen auseinander.

Die Fahrradnation vor dem Herrn

Ein praktisches Beispiel: Deutsche können einfach nicht Fahrrad fahren, wie ein niederländischer Journalist mit viel Berlin-Erfahrung Autor Tillman Bünz erklärte. Aber beim Thema Fortbewegung wird es noch interessanter: Ein Zweit- oder Drittrad ist wichtig, weil viele Räder gestohlen werden. Das schönste und teuerste schleppen die Holländer also mit in die Wohnung - wenn es sein muss, auch einige Treppen hinauf. Und was passiert mit dem gestohlenen Exemplar oder wenn es einfach weg ist?

Da gibt es die professionellen Fahrradknacker von Amsterdam. Die dürfen die Räder mitnehmen, wenn sie mehr als drei Wochen nicht bewegt wurden - ist doch klar, sonst erstickt die Grachtenstadt ja vor lauter "Fietsen". Vorher werden die Besitzer aber schriftlich verwarnt. Aber natürlich gibt es auch die echten Diebe, wie Bünz aufklärt. Die hinterlassen nichts Schriftliches, dafür können die Bestohlenen auf einschlägigen Gebrauchtwarenmärkten dann das Rad quasi zurückkaufen.

Der Autor zeigt auch, wie vorbildlich das kleine Land schon früher und dass gesellschaftliche Toleranz hier immer schon wichtig war. Bünz hat selbst in den Niederlanden gelebt und ein humorvolles Länderporträt über das kleine Nachbarland Deutschlands geschrieben. Gleichzeitig berichtet er nicht nur von schönen Erfahrungen, wie zum Beispiel einer jugendlichen Hippie-Tour inklusive Coffee-Shop-Besuch in Amsterdam, sondern er spricht auch Probleme an, zum Beispiel den aufkommenden Rechtspopulismus. Ein ehrliches Buch über ein zahlenmäßiges kleines Land, deren Bürger aber ein umso größeres Herz haben - auch für die Deutschen.

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Quelle: n-tv.de

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