Reise
Thiemo Tóth vor dem berühmten Opernhaus von Sydney, Australien.
Thiemo Tóth vor dem berühmten Opernhaus von Sydney, Australien.(Foto: Thiemo Tóth)

Radeln bis zum Umfallen: Ein Mann, ein Fahrrad, 29.000 Kilometer

Viele träumen von der einen großen Weltreise. Doch nur wenige leben diesen Traum. Thiemo Tóth hat sein Fahrrad geschnappt und ist ans Ende der Welt geradelt. Mit Höhen und Tiefen, 13 platte Reifen inklusive.

Er ist durch die unendlichen Weiten Asiens gefahren, begegnete Menschen, die noch nie einen Touristen gesehen haben. Beginnend in Europa, führte ihn seine lange Reise bis nach Neuseeland. Mit 23 Jahren hat Thiemo Tóth ein großes Abenteuer auf sich genommen - mit Rad, Zelt, Rucksack und seinem Traum im Gepäck. 300 Nächte hat er in einem Zelt geschlafen. Wie er das alles geschafft hat, erzählt er im Interview mit n-tv.de.

n-tv.de: Wie entstand die Idee, mit dem Fahrrad bis nach Neuseeland zu radeln?

Thiemo Tóth: Nach dem Uniabschluss wollte ich eine längere Reise machen. Das stand für mich fest und da klang die Idee, mit dem Fahrrad ans andere Ende der Welt zu fahren, spannend. Ich wusste vorher, dass ich ein bis anderthalb Jahre unterwegs sein werde und habe es auch dementsprechend geplant.

Warum haben Sie das Rad genommen?

In der Nähe der Zuckerberge. Auf der Strecke von Guiyang nach Nanning.
In der Nähe der Zuckerberge. Auf der Strecke von Guiyang nach Nanning.(Foto: Thiemo Tóth)

Das Rad war für mich das optimale Mittel, da man sich sportlich betätigt. Meist ist man auf dem Land unterwegs und genau bei den Menschen, die man als Tourist vermutlich niemals sieht. Mit dem Fahrrad ist man schnell genug, um weit zu fahren, aber langsam genug, um die gefahrene Strecke zu erleben und nicht nur drüber hinwegzufliegen.

Apropos Strecke: Wie viel Planung steckt denn hinter so einer langen Reise?

Naja, man kann sich auf das Gelände etwas einstellen und muss sich Fristen setzen. Es ist zum Beispiel wichtig, im Sommer im Hochgebirge zu sein und es ist angenehmer, im Winter in den Tropen oder eben auf der Südhalbkugel zu fahren. Dennoch schafft man es nicht, an jedem Ort zur besten Reisezeit zu sein. Im Hochsommer die Wüsten in Turkmenistan oder Westchina zu durchqueren, waren notwendige Kompromisse.

Und mit welchen Temperaturunterschieden hat man da zu kämpfen?

Samarkand in Usbekistan.
Samarkand in Usbekistan.(Foto: Thiemo Tóth)

Ich hatte Temperaturen zwischen minus 8 und plus 52 Grad. Höhen von minus 54 Meter unter bis 4655 Meter über dem Meeresspiegel. Wüsten, Millionenstädte, Tropen, Hochgebirge. Das ist Abwechslung pur, aber natürlich auch eine große Belastung für Körper und Seele.

Und was macht das alles mit dem Körper? Irgendwann hat man wohl keinen Muskelkater mehr.

Mein Körper hat es sehr gut weggesteckt. Natürlich zeigte er mir auch hin und wieder, wann Schluss ist. Aber mit dem nötigen Ernährungswissen, was der Körper alles braucht, kann man auch eine solche Reise ohne körperliche Nebenwirkungen beenden.

Bei so vielen Ländern haben Sie bestimmt ein Lieblings-Erlebnis, auf das Sie zurückschauen.

Nachdem ich Deutschland verließ, war ich der Fremde, Gast in anderen Ländern. Ich habe aber durchweg sehr gute bis herzliche Erfahrungen gemacht. Besonders der Iran hat mich tief beeindruckt. Die Menschen wollten einem helfen, konnten nicht verstehen, wieso ich so etwas mache und luden mich nach Hause ein.

Es gibt tolle Erlebnisse, aber auch negative Momente, wenn man eine so lange Zeit unterwegs ist, oder?

Die Berge von Kirgisistan im Blick.
Die Berge von Kirgisistan im Blick.(Foto: Thiemo Tóth)

So eine Reise ist hart. Man kann nicht immer guter Dinge sein. Aber man lernt vielmehr die kleinen Dinge zu schätzen und lebt glücklicher. Man reist sehr minimalistisch, freut sich über eine Dusche, über eine warme Mahlzeit, über einen sicheren Schlafplatz. Allein in einem Bett zu schlafen, gibt einem solche Glücksgefühle.

Wie verständigt man sich, wenn man abseits jeglicher touristischer Infrastruktur, beispielsweise in Turkmenistan, ist?

Ich konnte mich eigentlich nie verständigen. Aber gleichzeitig auch immer. Ich bin den Großteil meiner Reise in Gegenden gewesen, wo vielleicht noch niemals ein Tourist war, wo die Menschen sich schon im nächsten Tal nicht mehr verstehen. Aber wenn man interessiert ist, lernt man Gesten und Körpersprache zu perfektionieren.

Da radelt man abseits großer Städte und dann platzt der Reifen mal wieder. Und was dann?

Zelten in der Wildnis von Tadschikistan.
Zelten in der Wildnis von Tadschikistan.(Foto: Thiemo Tóth)

Ich hatte ungefähr 13 platte Reifen, die ich flicken musste. Bei 29.000 Kilometern ist das leider nicht zu vermeiden. Ersatz für ein Tretlager in Kambodscha oder eine blockierte Pedale in Neuseeland, deren Kugellager sich in Staub auflöste, ist schon schwieriger zu finden. Aber man lernt sehr schnell zu improvisieren und viele Probleme sind auf den zweiten Blick mit der nötigen Kreativität und etwas Geschick zu lösen.

Welche Tipps können Sie weitergeben an Menschen, die auch so etwas machen wollen?

Das Schwierigste ist sicherlich das Losfahren. Es gibt niemals einen perfekten Zeitpunkt. Wer darauf wartet, wird es niemals tun. Alle Alltagsprobleme, die uns meist daran hindern, sind sofort verschwunden.

Da bleibt zum Schluss nur noch eine Art Bilanz. Was haben Sie persönlich als wichtigste Erfahrung mit nach Hause gebracht?

Ich bin davon überzeugt, dass alles möglich ist, solange man sein Ziel nicht aus den Augen lässt.

Mit Thiemo Tóth sprach Sonja Gurris

Quelle: n-tv.de

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