Reise

Unterwasserfotografie für Anfänger: Erst probieren, dann kaufen

Um Daheimgebliebenen die gemusterten Fächer eines Feuerfischs oder die leuchtenden Farben von Gorgonien besser begreiflich machen zu können, haben viele Taucher eine Unterwasserkamera dabei. Beim Tauchen zu fotografieren ist heute kein kostspieliges Privileg mehr.

Die interessierten, aber ahnungslosen Gesichter kennt wohl jeder, der einmal den Lieben zu Hause von seinen Unterwasserabenteuern vorgeschwärmt hat. Um der Tante oder Freunden die gemusterten Fächer eines Feuerfischs oder die leuchtenden Farben von Gorgonien besser begreiflich machen zu können, haben deshalb heute viele Taucher eine Unterwasserkamera dabei. Beim Tauchen zu fotografieren ist heute kein kostspieliges Privileg mehr, es ist ein Massenhobby. Für wenige hundert Euro ist man dabei.

Mit einem schönen Unterwasserfoto aus dem Tauchurlaub kann man zu Hause Eindruck machen.
Mit einem schönen Unterwasserfoto aus dem Tauchurlaub kann man zu Hause Eindruck machen.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Als Herbert Frei aus Pforzheim in den 70er Jahren begann, in Seen und Flüssen zu fotografieren, war das noch anders. Seine erste wasserfeste Kamera kostete ihn zwei Monatsgehälter. Er konnte sie sich eigentlich nicht leisten, also löste er sein Sparbuch auf, fuhr in die Schweiz und kaufte eine Miranda EE, damals ein Wunderwerk der Technik.

Heute ist Herbert Frei einer der renommiertesten deutschen Unterwasserfotografen, seine Bilder erscheinen regelmäßig in Hochglanzmagazinen für Taucher. Von einem Impulskauf, wie er ihn damals getan hat, rät er dringend ab: Wer sich fürs Fotografieren unter Wasser interessiert, sollte zunächst mit einem günstigen Einsteigermodell ausprobieren, ob es ihm überhaupt Spaß macht.

Testen mit Einwegkamera

Billiger als mit einer Einwegkamera lässt sich das nicht herausfinden. Die simplen Knipser kosten oft nicht mehr als 15 Euro, sagt Constanze Clauß vom Photoindustrie-Verband in Frankfurt. Abgesehen von der mageren Bildqualität haben sie einen entscheidenden Haken: Tiefer als drei Meter sollte man mit ihnen nicht abtauchen. So sind sie vor allem ein nettes Spielzeug für Schnorchler. Das gleiche gilt für wasserdichte digitale Kompaktkameras. Sie halten dem Wasserdruck meist in maximal zehn Metern Tiefe stand. Dafür muss der Käufer aber rund 300 Euro auf den Tisch legen.

Unterwasserkameras gibt es schon für recht wenig Geld - für gute Bilder muss man allerdings mehr ausgeben.
Unterwasserkameras gibt es schon für recht wenig Geld - für gute Bilder muss man allerdings mehr ausgeben.(Foto: AP)

Wer wie die meisten Taucher tiefer gehen will und ohnehin eine digitale Kompaktkamera besitzt, ist laut Constanze Clauß mit einem Unterwassergehäuse bestens bedient. Für nahezu jedes Modell gebe es eine passende Hülle. Die Plastikgehäuse halten die Kameras in der Regel bis zu einer Tiefe von 40 Metern trocken und haben extra große Knöpfe, damit sie auch mit Tauchhandschuhen leicht zu bedienen sind. Selbst für Gelegenheitstaucher lohne sich die Investition von rund 200 Euro, sagt Clauß. Denn das Gehäuse lasse sich auch am Strand oder beim Skifahren nutzen, um die Kamera vor Sand und Schnee zu schützen.

Die Kamera allein macht bekanntlich noch keinen guten Fotografen. Das gilt noch viel mehr unter Wasser. Um hier gute Bilder zu machen, sei vor allem eines erforderlich, sagt Uli Kunz, Unterwasserfotograf aus Kiel: eine solide Tauchtechnik. Wer noch mit Atmung, Tarierung, Tauchpartner und Strömung beschäftigt ist, könne sich unmöglich auf das Fotografieren konzentrieren.

30 bis 50 Tauchgänge

Herbert Frei stimmt seinem jungen Kollegen zu: "Bevor man zu fotografieren beginnt, sollte man 30 bis 50 Tauchgänge hinter sich haben." Erst dann hätten Taucher die notwendige Körperkontrolle, um regungslos waagrecht im Wasser vor einem Motiv zu schweben, die Position nur mit der Atmung justierend.

Zum Üben nimmt man sich am besten Objekte vor, die nicht wegschwimmen können. Ein Wrack ist da ideal.
Zum Üben nimmt man sich am besten Objekte vor, die nicht wegschwimmen können. Ein Wrack ist da ideal.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)
Bilderserie

Was ein guter Unterwasserfotograf neben einem perfektem Tarieren noch braucht, lernt er am besten in einem Kurs, rät Frei. An einem Wochenende lassen sich so die Grundlagen erlernen. Die Lehrgänge werden auch in vielen heimischen Seen oder in Schwimmhallen mit tiefen Becken angeboten. Das dazugehörige theoretische Wissen können sich Einsteiger aus zahlreichen Einführungsbüchern anlesen. Danach mache die Übung den Meister, sagt Herbert Frei: "Unterwasserfotografie ist keine Kunst. Das ist ein solides Handwerk, das man lernen muss."

Zum Üben bieten sich Motive wie Korallen, Pflanzen oder Krebse an, die nicht davonschwimmen können. So können Anfänger sich ihnen in aller Ruhe nähern. Denn zu Beginn sei Unterwasserfotografie vor allem Makrofotografie, erklärt Herbert Frei. Die besten Ergebnisse ließen sich erzielen, wenn die Objekte zwischen 10 und 50 Zentimeter von der Linse entfernt sind. Dann genügt auch der eingebaute Blitz der Kompaktkamera, um die Farben wiederherzustellen, die von der Tiefe verschluckt wurden. Schließlich sollen Feuerfisch und Gorgonie in prächtigem Rot leuchten, wenn die Bilder zu Hause vorgezeigt werden.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen