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Das Traditionsgetränk der Frankfurter: "Ebbelwei" aus dem "Gerippten".
Das Traditionsgetränk der Frankfurter: "Ebbelwei" aus dem "Gerippten".(Foto: picture alliance / dpa)

Metropole mit Kleinstadt-Feeling: Frankfurt abseits von "Mainhattan"

Von Katharina Schol, Frankfurt

In der Stadt am Main prallen Welten aufeinander: Moderne Wolkenkratzer neben alten Fachwerkhäusern, geschäftiges Treiben, gemütliche Apfelweinlokale und eine breite Kulturszene - Frankfurt hat viel mehr zu bieten als Banken.

Frankfurt ist die Finanzmetropole in Deutschland, ein bedeutendes Messezentrum und besitzt zudem eines der wichtigsten Flughafendrehkreuze Europas. Hochhäuser prägen die Skyline - nicht selten wird die Stadt auch "Mainhattan" genannt. Doch es wäre zu einfach, sich mit dieser Beschreibung zufrieden zu geben. Denn die Stadt am Main hat weitaus mehr zu bieten als Banken, Anzugträger und das neue EZB-Gebäude.

Frankfurt ist vor allem für seine Skyline bekannt.
Frankfurt ist vor allem für seine Skyline bekannt.(Foto: picture alliance / dpa)

Um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, zieht es viele Besucher auf den "Main Tower", Frankfurt höchsten Aussichtspunkt. Schon die Aufzugsfahrt ist ein Erlebnis und von oben hat man dann einen eindrucksvollen Ausblick weit über die Stadt hinaus. Nur schwindelfrei sollte man sein, denn die Aussichtsplattform befindet sich in 198 Metern Höhe. Wem das doch etwas zu hoch ist, der kann von der Terrasse des Restaurants im "Kaufhof" an der Hauptwache den Blick schweifen lassen und muss dafür nicht mal Eintritt bezahlen.

Als Ausgangspunkt für eine Entdeckungstour eignet sich besonders der Römerberg im Herzen der Altstadt. Er ist eines der berühmtesten Wahrzeichen Frankfurts. Der Römer ist seit mehr als 600 Jahren das Rathaus der Stadt. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurden alle Fachwerkhäuser wieder aufgebaut. Besonders sehenswert ist die sogenannte Ostzeile gegenüber dem Römer: sechs Bauten, die nach originalen Plänen wieder errichtet wurden. Und gleich in der Nähe steht die Frankfurter Paulskirche. Sie wird als die Wiege der deutschen Demokratie und als Symbol der Freiheit angesehen. Hier wird deutsche Geschichte lebendig.

"Ebbelwei" - das Frankfurter Traditionsgetränk

Für eine nicht alltägliche Stadtrundfahrt: Der "Ebbelwei-Express".
Für eine nicht alltägliche Stadtrundfahrt: Der "Ebbelwei-Express".(Foto: picture alliance / dpa)

Das Schöne an Frankfurt: Es gibt von allem etwas. Moderne Architektur reiht sich neben Altbauvillen ein, es herrscht geschäftiges Treiben wie in einer Großstadt und trotzdem besitzt Frankfurt auch einen gemütlichen, ja fast dörflichen Charakter. Nur knapp 700.000 Einwohner leben hier. Wenn die vielen Pendler abends wieder weg sind, dann werden die Bürgersteige mehr oder weniger hochgeklappt. Die Frankfurter selbst bezeichnen ihre Stadt oft als "die kleinste Metropole der Welt".

Für Touristen hat das besonders einen Vorteil: zu Fuß oder mit dem Fahrrad sind alle Sehenswürdigkeiten gut zu erreichen. Wem das auf Dauer zu anstrengend wird, der kann sich in den "Ebbelwei-Express" setzen. Die bunt bemalte Straßenbahn tingelt gemütlich durch die Stadt, ein Ebbelwei ist inklusive.

Womit wir auch schon beim wichtigsten Getränk der Stadt angekommen wären: dem Ebbelwei. (auch Äppelwoi, Äppler, Ebbelwoi, Schoppe oder Stöffche. Apfelwein würden die Einheimischen zu ihrem Lieblingsgetränk niemals sagen.) Wer das hessische Nationalgetränk einmal probieren möchte, sollte sich auf den Weg nach Alt-Sachsenhausen machen. Hier reihen sich viele alteingessessene Apfelweinlokale aneinander. Traditionell wird der Ebbelwei im Bembel serviert, um dann ins Gerippte eingeschenkt zu werden. Dazu gibt es "Handkäs' mit Musik" (Sauermilchkäse in einer würzigen Marinade) oder Eier in der berühmten Frankfurter "Grie Soß", einer grünen Kräutersoße.

Grüne Soße wird meistens mit Eiern und Bratkartoffeln serviert und kalt gegessen.
Grüne Soße wird meistens mit Eiern und Bratkartoffeln serviert und kalt gegessen.(Foto: picture alliance / dpa)

Was viele nicht wissen: Frankfurt besteht bei Weitem nicht nur aus Beton. Die Stadt ist durch ihre vielen Bäume, Wiesen und Parks sehr grün. Für einen schönen Spaziergang eignen sich besonders der Grüneburg- und der Günthersburgpark. Im Palmengarten gibt es exotische Pflanzen, farbenfrohe Blumen und tropische Gewächshäuser zu bestaunen. Tipp: im Anschluss im traditionellen Café Siesmayer Kaffee trinken und die köstlichen Kuchen probieren.

Ein wichtiger Anziehungspunkt der Stadt ist zudem auch das Mainufer - ob für Spaziergänger, Jogger oder Radfahrer. Vor allem an warmen Sommerabenden verweilen die Einwohner hier bis tief in die Nacht mit Blick auf die hell erleuchtete Skyline. Beliebt ist besonders die Sachsenhäuser Seite, im Frankfurter Fachjargon "dribb de Bach" (sprich auf der anderen Seite des Mains) genannt.

"Museumsufer" sucht seinesgleichen

Der Goetheturm bietet einen fantastischen Ausblick auf die Stadt.
Der Goetheturm bietet einen fantastischen Ausblick auf die Stadt.(Foto: picture alliance / dpa)

Auch das Kulturangebot der Mainmetropole kann sich sehen lassen. Die Museumslandschaft ist so vielseitig wie in kaum einer anderen Stadt. Das sogenannte Museumsufer zwischen Eisernem Steg und Friedensbrücke hält vom Film- bis zum Architekturmuseum für jeden Geschmack etwas bereit. Die Klassiker: Schirn, Städel und das Museum für moderne Kunst (MMK). Und wem das alles zu dröge ist, der kommt im Caricatura Museum für Komische Kunst bestimmt auf seine (Lach-)Kosten.

Auch von hohem kulturellen Wert ist der berühmteste Sohn der Stadt: Johann Wolfgang von Goethe. Goetheplatz, Goethestraße, Goethe-Universität - überall stößt man auf die Spuren des Dichters. Im Goethehaus, dem Geburtshaus des Schriftstellers, erfährt man, wie dieser aufgewachsen ist. Der Goetheturm am Rande des Frankfurt Stadtwaldes bietet hingegen einen atemberaubenden Blick über die Mainmetropole. Dafür gilt es aber zunächst 196 Treppenstufen zu erklimmen, bevor man auf dem mehr als 40 Meter hohem Aussichtsturm steht.

Die Kontraste in Frankfurt könnten kaum größer sein. Wenn man auf einer der Mainbrücken steht, kann man mit einem einzigen Blick zugleich die Fachwerkhäuser auf dem Römerberg und die glitzernde Skyline der Bankenwelt sehen. Doch genau das macht den Charme der Stadt aus und den Besuch zu einem Erlebnis.

Quelle: n-tv.de

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