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Hier wird mal so richtig sauber gemacht. Wenn der ICE aus dem Werk kommt, soll der Teppich wieder wie neu wirken.
Hier wird mal so richtig sauber gemacht. Wenn der ICE aus dem Werk kommt, soll der Teppich wieder wie neu wirken.(Foto: Deutsche Bahn AG)
Dienstag, 05. April 2016

Der Dreck muss weg: Frühjahrsputz-Kur für alle ICE-Züge

Von Sonja Gurris

Schmutzige Sitze, fleckige Böden, defekte Technik: Die ICE-Züge transportieren viele Passagiere. Das hinterlässt Spuren. Die Bahn will deshalb ran an den Dreck - mit einem Frühjahrsputz. Ein Besuch im Werk Berlin-Rummelsburg.

Einige ICE-Wagenteile stehen auf den Gleisen, der eine oder andere Zug rollt in Richtung Werkshalle. Im Osten von Berlin steht das ICE-Werk Berlin-Rummelsburg. Hier arbeiten die Mitarbeiter momentan im Dreischichtsystem, um die Züge wieder auf Vordermann zu bringen. 40 Personen sind an drei Tagen im Einsatz, um einen Inter-City-Express der Sonderreinigung zu unterziehen. 250 dieser Züge werden im Jahresverlauf der Spezialbehandlung unterzogen - in den ICE-Werken bundesweit. Das Ganze ist Teil des "Reset"-Programms - 15 Millionen Euro investiert die Bahn dafür.

In der Halle ist es warm und stickig, die Mitarbeiter sind im Dauereinsatz. Zwei Männer im Blaumann werkeln und schrauben an einer Tür, ein anderer arbeitet gerade an einer metallenen Toilettenschüssel. Die Gefäße werden komplett abgeschraubt, ersetzt und gereinigt. Die ganze Nasszelle bekommt eine Runderneuerung. Es werden sogar Folien angebracht, die die Toilettenräume im ICE verschönern sollen. Der Fahrgast soll sich schließlich wohl fühlen. Die Frage ist: Wird es ihm auffallen?

Wartungsarbeiten in der Nasszelle.
Wartungsarbeiten in der Nasszelle.(Foto: REUTERS)

Carsten Dönitz arbeitet hier seit 2009 als Fertigungsingenieur für Mechanik. Er erklärt, wie komplex die Sonderreinigung, Schadensbeseitigung und Wartung der Züge ist: "Hier sind Elektroniker, Mechaniker und Reiniger im Einsatz und das in drei Tagen, für diesen Zeitraum muss der Zug natürlich aus dem laufenden Verkehr gezogen werden". Toiletten, Küchen, Bordelektronik: Es gibt in drei Tagen jede Menge Bereiche, die auf den Prüfstand stehen. Auch im Triebwagen sitzt ein Spezialist. Er hat ein Prüfgerät zur Hand, mit dem er am Laptop Fehlermeldungen und Störungen in der Bordelektronik aufspürt und beseitigt. "Störung" dröhnt es mehrmals aus einem Lautsprecher. Das wird er sicherlich nochmal untersuchen.

Straffer Zeitplan für die Komplett-Reinigung

Rund 34.000 Rücken- und Sitzpolster werden ausgetauscht, die Teppiche werden grundgereinigt, insgesamt ist das für alle Züge eine Fläche von 13 Fußballfeldern. Und das alles folgt einer genauen Reihenfolge, erklärt Ingenieur Dönitz: "Erst wird der Zug von außen gereinigt, dann ab 6.00 Uhr morgens rollt er dann in die Werkshalle, dann beginnen die Reparaturen und am Ende gibt es eine 24-stündige Reinigung, in dem die Inneneinrichtung nass geputzt wird und anschließend trocknet." Generalstabsmäßig muss der Zeitplan eingehalten werden, damit die Züge im Anschluss wieder in den Fahrplan integriert werden können.

Im ICE-Werk in Berlin-Rummelsburg werden die Züge gewartet.
Im ICE-Werk in Berlin-Rummelsburg werden die Züge gewartet.(Foto: REUTERS)

Es geht nicht allein ums Großreinemachen, sondern auch darum, die Schadensbilanz ganzjährig zu verringern: "Wir wollen erreichen, dass jeder Zug absolut in Ordnung ist, wenn er das Werk verlässt", so Berthold Huber, Vorstand Verkehr und Transport der Deutschen Bahn. Wenn einmal "Grund" reingekommen ist, sollen dann auch die Anzahl der Schäden konstant verringert werden. Die Bahn startet das "Reset"-Programm inklusive intensivem Frühjahrputz und Voll-Reparaturen im April, bis Mitte Juni sollen alle ICEs deutschlandweit fertig sein.

80.000 Tonnen Material werden verbaut

Das Frühjahr eignet sich sich für die Spezialbehandlung nach Angaben von Berthold Huber besonders gut: "Das ist wie bei den Hotels in Ferienorten. Wenn bei uns etwas weniger Reisende unterwegs sind, können wir bessere einen ICE drei Tage aus dem Verkehr ziehen." Rund 80.000 Tonnen Material werden alleine in den Schnellzügen verarbeitet, es ist ein hoher Arbeitsaufwand für die Mitarbeiter in den Werken in Berlin, Dortmund, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, Leipzig und München.

Für die Bahnkunden soll es komfortabler werden. Das Unternehmen möchte sich mehr um die Kundenwünsche kümmern. Auch die viel gescholtenen Klimaanlagen, die bei Hitze und Kälte anfällig sind, werden im Rahmen der Frühjahrsoffensive kontrolliert und gewartet. Mit jedem Kontrollgang und jeder kleinen Reparatur sollen künftige Schäden und Fehler minimiert werden. Nach den ICEs folgen noch die IC-Züge. Die Mitarbeiter im Werk Berlin-Rummelsburg werden bis dahin noch einiges zu tun haben.

Quelle: n-tv.de

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