Panorama

Burg Hohenzollern will mehr LebenFührungen mit weniger Staub

12.08.2009, 11:09 Uhr

Die Burg Hohenzollern war zuletzt etwas eingestaubt. Vor allem Geschichts-Profis kamen in dem Gemäuer auf ihre Kosten. Das soll sich nun ändern.

Die Burg Hohenzollern hatte zuletzt einigen Staub angesetzt. Vor allem Geschichts-Profis kamen in dem Gemäuer bei Hechingen (Zollernalbkreis) auf ihre Kosten. Das will die neue Burg-Managerin Anja Hoppe so schnell wie möglich ändern. "Wir sind hier die wirkliche, lebendige Geschichte. Das müssen die Besucher aber auch spüren", sagt sie. Seit April ist die 44-Jährige die Leiterin des Burgbetriebs.

Nicht umsonst hat das Preußische Königshaus eine Fachfrau für Kulturmarketing auf den Posten geholt. Hoppe soll die Burg wieder so in Stellung bringen, dass sie neben Freizeitparks und Videospielen bestehen kann. Denn in den vergangenen zehn Jahren hat der Stammsitz der preußisch-brandenburgischen wie der fürstlich-katholischen Linie des Hauses Hohenzollern spürbar das Interesse der Touristen verloren. Kamen Ende der 90er Jahre noch knapp 350.000 Besucher im Jahr, sind es inzwischen etwas über 250.000.

Anja-Hoppe-Burg-Hohenzollern
Das will die neue Burg-Managerin Anja Hoppe so schnell wie möglich ändern. (Foto: picture-alliance/ dpa)

"Unsere Führungen sind historisch sehr basiert, und das ist auch gut so gewesen. Aber ich finde, jetzt sollten wir die Geschichte für die Leute ein bisschen lebendiger werden lassen", sagte Hoppe. "Die Menschen wollen Geschichte leichter aufbereitet haben, lustiger, witziger - und nicht so schulisch-historisch."

Schlossgespenst fehlt

Das aber ist auf der Burg Hohenzollern, die erst in den 1850er Jahren wieder aufgebaut wurde, gar nicht so leicht. Es gibt keinen Kerker, kein Schlossgespenst und nur eine einzige Kanone, auf der alle Kinder auf einmal herumklettern wollen. Deshalb will Hoppe, dass ihre Fremdenführer Geschichten über die Preußische Geschichte erzählen. "Die Frauen, die Kinder und vor allem die Hunde der Könige und Kaiser - das sind Dinge, die die Besucher begeistern. Was trug Madame für ein Korsett, wie war es geschnürt und wo war die Flohfalle" - so soll das Leben auf der Burg wieder lebendig werden. Vor allem dürfe man nicht mehr zu viel Wissen voraussetzen. "Es gibt eben Jugendliche, die kommen hierher und sagen: "Deutschland hatte mal einen Kaiser? Wahnsinn!""

Eine besonders wichtige Zielgruppe sind Senioren. "Kinder sind mein persönlicher Bildungsauftrag, aber mit Kindern verdiene ich nichts", sagt Hoppe. Die Einnahmen allerdings sind entscheidend für die Burg, die komplett im Privatbesitz des Hauses Hohenzollern ist. Die Eintrittspreise sind somit die einzige Geldquelle für die kostspielige Erhaltung des historischen Gemäuers.

Senioren und Familien gewinnen

Ausgerechnet die lukrative Zielgruppe "60 plus im Bus" - wie Hoppe sie nennt - ist der Burg aber zuletzt verloren gegangen. Viele Bus-Unternehmen haben die Burg Hohenzollern aus ihren Routen gestrichen. Auf Fachmessen will die Burg-Managerin diese wichtigen Kunden nun zurückgewinnen.

Eine Chance für die Burg könnte nun auch die Wirtschaftskrise sein. "Gerade Familien fahren nicht mehr unbedingt nach Spanien", sagt Hoppe. Schon den ganzen Sommer über werde die Burg von mehr Gästen besucht als sonst. Und auch die Internetseite werde ungewöhnlich häufig angesehen. Das sei ein Indikator dafür, dass der Ansturm in den kommenden Wochen noch einmal größer werde.

Quelle: dpa