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Einige Touristen werden sich nun überlegen, ob sie in die Türkei reisen.
Einige Touristen werden sich nun überlegen, ob sie in die Türkei reisen.(Foto: REUTERS)

Terror an deutschen Urlaubszielen: "Gewisse Buchungszurückhaltung spürbar"

Der Anschlag von Istanbul reißt auch mehrere deutsche Urlauber in den Tod. Welche Folgen der Terror für Türkei-Touristen hat, erklärt der Deutsche Reiseverband im Gespräch mit n-tv.de.

n-tv.de: Herr Schäfer, wie sicher oder unsicher ist das Reiseland Türkei für deutsche Touristen noch, nachdem es schon mehrere Anschläge in der letzten Zeit dort gab?

Torsten Schäfer: Das Auswärtige Amt hat schon seit Längerem den Hinweis gegeben, Menschenansammlungen zu meiden, vor allem auch Großdemonstrationen. Natürlich kann niemand mit 100 Prozent Sicherheit vorhersehen, wo etwas passiert. Vieles kann von Sicherheitsdiensten verhindert werden, aber natürlich gibt es nirgendwo auf der Welt hundertprozentige Sicherheit. Bislang hat das Auswärtige Amt keine Verschärfung des Reisehinweises vorgenommen, sodass die generellen Geschäftsbedingungen der Reiseveranstalter gelten, die Reiserücktritts- und Stornobedingungen.

Aber für verängstigte Urlauber gibt es schon Möglichkeiten, auf die aktuelle Lage zu reagieren, oder?

Torsten Schäfer, Deutscher Reiseverband
Torsten Schäfer, Deutscher Reiseverband

Viele Reiseveranstalter haben aus Kulanzgründen den Kunden, die vor Ort sind oder dorthin reisen, etwas angeboten. Sie können entweder kostenfrei umbuchen, ein anderes Reiseziel wählen oder auf einen anderen Reisetermin umbuchen. Das sind momentan alles Kulanzfälle.

Das heißt, Türkei-Urlauber sollten sich jetzt direkt an den Reiseveranstalter wenden, um ihre Möglichkeiten zu kennen?

Das ist mein Tipp: Der Kunde sollte sich direkt mit dem Reiseveranstalter oder Reisebüro in Verbindung setzen. Die Reisebüros kennen die genauen Konditionen, zu denen die Reiseveranstalter etwas anbieten. Wer auf eigene Faust gebucht hat, muss sich selbst um alles kümmern.

Tunesien, Ägypten, Türkei - die Anschläge von Terroristen treffen Touristenhochburgen. Wie wirkt sich das denn auf das Buchungsverhalten der Deutschen aus? Ist die Angst vor Terror spürbar?

Wir gehen davon aus, dass 2015 fast 5,5 Millionen deutsche Urlauber in der Türkei waren. Bislang gibt es keinen Rückgang bei den Buchungen in die Türkei und das Gleiche gilt für andere Länder wie Ägypten. Ägypten hat letztes Jahr bis Oktober zweistellig zugelegt. Wir können nur aus der Vergangenheit berichten, wenn etwas passiert ist. Es geht nicht nur um Terroranschläge, es geht auch um Flugzeugabstürze, um Schiffsunglücke. Egal, was passiert, es gibt zuerst eine gewisse kurzfristige Buchungszurückhaltung.

Kann der Terror langfristig das Reiseverhalten ändern?

Die Terroranschläge in Paris haben es gezeigt oder auch die Warnungen in München und Hannover: Terror ist auch hier möglich. Wir müssen mit dieser Bedrohungslage leben. Wir können uns nur darauf einstellen, an unserer Lebensweise nichts zu ändern. Denn das wäre das Ziel der Terroristen. Es wäre ein falsches Signal, wenn wir unser Reiseverhalten ändern und uns jetzt nur noch in unser Haus einigeln würden.

Doch einige Touristen werden wohl der Türkei künftig fern bleiben. Wie hart wird der anhaltende Terror denn den Tourismus in der Türkei treffen?

Der Tourismus ist ein sehr bedeutender Wirtschaftszweig für das Land, rund zwölf Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung werden durch den Tourismus erwirtschaftet. Jeder zehnte Arbeitsplatz ist vom Tourismus in der Türkei abhängig. Nun muss man aber auch sagen, dass Istanbul eines der beliebtesten Städtereiseziele ist. Aber die Masse der Deutschen, die in die Türkei reisen, reisen an die Strände der türkischen Riviera und der türkischen Ägäis. Wie sich das auf die Branche in der Türkei auswirken wird - das zu sagen wäre viel zu früh und das verbittet sich auch aufgrund der vielen Toten.

Mit Torsten Schäfer sprach Sonja Gurris

Quelle: n-tv.de

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