Panorama

Die Schneecamper"Hier ist die Hölle los"

02.02.2010, 15:32 Uhr
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Wintercampen wird in Deutschland immer beliebter - obwohl man manchmal den Wohnwagen freischaufeln muss. (Foto: dpa)

Je mehr es schneit, desto voller wird's auf dem Campingpark Winterberg, der direkt an der Piste liegt. Von den 260 Stellplätzen sind im Sommer rund 60 Prozent belegt, im Winter alle.

In der Nacht hat es schon wieder geschneit. 25 Zentimeter Neuschnee sind auf Winterberg im Hochsauerland gefallen. Für Nico Limburg eine Katastrophe. "Hier ist jetzt die Hölle los", sagt der Platzwart vom Campingpark Hochsauerland. Schnee bedeutet für Limburg Stress. Je mehr es schneit, desto voller wird's auf dem Platz, der direkt an der Skipiste liegt. Von den 260 Stellplätzen sind im Sommer rund 60 Prozent belegt, im Winter alle.

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In Winterberg ist der Campingplatz in der kalten Jahreszeit zu hundert Prozent ausgelastet. (Foto: dpa)

An diesem Morgen stehen schon ein paar Gäste vor Limburgs Empfangshäuschen an der Talstation. Sie wollen an- oder abreisen. Doch der Schnee hat die Wege am Hang in eine unpassierbare, glitzernde Decke gehüllt. Limburg muss dafür sorgen, dass die Wohnwagen aus dem Schnee gezogen werden. Er zieht seine Wollmütze über den Kopf und stapft los. "Das wird heute noch richtig lustig."

"Einfach nur schön"

Knapp 100 Meter weiter steht Christoph Bartels vor seinem Wohnwagen in Winterberg knietief im Schnee und schaufelt den Weg frei. Daneben sitzen seine Frau Annika und Sohn Felix auf dem Boden und formen mit einem großen Kochtopf Schneekuchen. Es ist der zweite Winter, den die Familie auf dem Campingpark verbringt. Ein Windstoß weht pudrigen Schnee vom Dach des Caravans, es sind minus vier Grad. Bartels stützt sich auf seine Schneeschaufel und sagt: "Das ist einfach nur schön."

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Gemütlich: Annika Bartels im Wohnwagen mit Sohn Felix. (Foto: dpa)

Früher sind die Bartels zum Skifahren häufig nach Österreich gefahren. Dann haben sie im Hotel übernachtet. "Ich hätte nie gedacht, dass Camping was für uns ist", sagt Annika Bartels. "Man hat ja so seine Klischees im Kopf." Für einen Ausflug zum Nürburgring liehen sie sich dann einen Wohnwagen. "Da haben wir gesehen, wie komfortabel die sind." Seitdem sind die Bartels vom Camping-Virus infiziert - auch im Winter. Die kalten Temperaturen stören sie nicht. "Dann ist es im Wohnwagen erst richtig gemütlich."

Haare am Fenster festgefroren

Gut die Hälfte der rund 4,5 Millionen Wohnwagen-Freunde in Deutschland, so schätzt der Deutsche Camping Club, zieht es auch bei Schnee und Eis auf den Campingplatz. "Früher war das anders", sagt Andreas Zick, der in dritter Generation den Alpen-Caravanpark Tennsee in Garmisch-Partenkirchen in Südbayern betreibt. "Vor sechzig Jahren war Schneecampen noch eine Sache für Pioniere." Schlecht isoliert seien die Wohnwagen gewesen. Da sei es schon mal vorgekommen, dass die Leute über Nacht bei minus 25 Grad mit den Haaren an der beschlagenen Fensterscheibe festgefroren waren.

Heute sind die Wohnwagen immer besser ausgestattet. Nach Angaben des Caravaning Industrie Verbandes Deutschland (CIVD) sind fast alle Fahrzeuge bei Außentemperaturen bis minus 30 Grad bewohnbar. Trotzdem ist Wintercampen nicht jedermanns Sache.

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Jana Roloff misst den über Nacht gefallenen Neuschnee. (Foto: dpa)

"Da muss man für geboren sein", sagt Heike Roloff. Sie sitzt mit Tochter Jana dank Gasheizung bei kuscheligen 23 Grad am Tisch ihres Caravans und schaut auf die Eiszapfen, die vor dem Fenster hängen. Ihr Mann Jörg steht im Vorzelt am Kocher und erhitzt Glühwein. "Zum Aufwärmen", erklärt er. Auch er hatte an diesem Morgen schon mit dem Schnee zu kämpfen. Die Satellitenschüssel war eingeschneit, Roloff musste deswegen aufs Dach klettern. Für ihn kein Problem, wie er versichert. "Wir hatten hier schon viel mehr Schnee. Da mussten wir nur die Fensterscheibe aufmachen und konnten die Getränke direkt kalt stellen."

Auch vom morgendlichen Gang zum 70 Meter entfernten Waschhaus lassen sich die Roloffs nicht abschrecken. "Das ist doch gerade das Schöne am Campen", sagt Heike Roloff. "Dass man rauskommt. Das ist Freiheit."

Quelle: Silke Katenkamp, dpa