Donnerstag, 26. November 2009
24 Stunden live im Internet: Hostel filmt Gäste
In London, der Hauptstadt der Videoüberwachung, macht Big Brother noch nicht einmal vor dem Schlafzimmer Halt. Das Hostel "St. Christopher's Inn" in der Nähe der berühmten London Bridge bietet ein Zimmer an, in dem die Gäste aus aller Welt 24 Stunden lang gefilmt werden. Nach eigenen Angaben ist das Hostel, das wiederholt zu einem der besten in der britischen Metropole gewählt wurde, das erste Haus weltweit, das so etwas anbietet.
Wer will, kann das Geschehen in dem 14-Mann-Zimmer, in dem nach Hostel-Angaben immer mindestens zehn Menschen schlafen, rund um die Uhr live im Internet verfolgen und zum Beispiel betrunkene junge Touristen bei dem Versuch beobachten, in die Hochbetten zu klettern. Dafür muss man sich auf der Internetseite www.stchristopherslive.com anmelden - kostenlos.
"Kontakt zu ihren Familien"
"Wir haben im Sommer damit begonnen, weil wir dachten, es ist schön, wenn sich die Gäste schon vor ihrem Besuch angucken können, wie es bei uns zugeht", sagt Hostel-Manager Gerôme Lefèbvre der dpa. "Außerdem können Leute aus Australien, Neuseeland oder den USA, die länger weg sind von zu Hause, Kontakt zu ihren Familien halten. Manchmal kaufen sie sich dann ein paar Bier und prosten ihren Lieben bei einer Familienfeier in Sydney oder Texas zu."
Gäste des Hostels "St. Christopher's Village": in diesem Zimmer sollten sie "nichts Unanständiges" machen.
(Foto: dpa)
Um in das Zimmer einzuchecken, muss man mindestens 21 Jahre alt sein. Außerdem unterschreiben die Gäste, bevor sie einziehen, dass sie mit der 24-Stunden-Überwachung einverstanden sind. "Sie müssen auch versichern, dass sie nichts furchtbar Unanständiges machen", sagt Lefèbvre.
An der Tür des Zimmers warnt ein großes Schild vor den Kameras, die jeden Schritt und jeden Schnarcher aufzeichnen. Auch Besucher, die die Hostel-Gäste mitbringen dürfen, müssen über die Videoüberwachung informiert werden, steht da. "Bis jetzt gab es noch keine Zwischenfälle, keine Verbrechen oder so."
Den ganz großen Anklang findet das Zimmer bei den Touristen allerdings nicht. "Meistens ist es das letzte Zimmer, das noch frei ist. Und wenn die Leute dann unbedingt ein Bett brauchen, nehmen sie eins darin", sagt eine Mitarbeiterin. "Ihnen ist dann schlicht egal, ob sie gefilmt werden oder nicht."
Britta Schultejans, dpa
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