Reise
Mittwoch, 09. August 2017

Kontrastprogramm zu Shanghai: Houtouwan ist Chinas grünes Geisterdorf

In Houtouwan in der Nähe von Shanghai regiert die Natur. Das Geisterdorf, das viele verlassene Häuser beherbergt, ist eine ganz besondere Sightseeing-Attraktion. Sie steht im krassen Kontrast zu Shanghais Glamour.

"Das grüne Dorf" - selten dürfte ein Beiname derart passend gewesen sein. Auf der chinesischen Insel Shengshan, unmittelbar vor der Küste Shanghais, hat die Natur wieder das Ruder übernommen. Noch vor wenigen Jahren lebten allein im Dorf Houtouwan mehr als 2000 Fischer mit ihren Familien. Es war eng, laut und umtriebig. Doch alles, was heute zu hören ist, ist das Rauschen des Meeres.

Es wirkt wie aus einem Endzeitfilm: verfallene Gebäude, zugewachsene Straßen und unheimliche Stille. Jedoch war es kein Virus oder eine Naturkatastrophe, was die Bewohner von Houtouwan in die Flucht getrieben hat, sondern einfach nur ihre wirtschaftliche Notlage. Bis in die 1990er-Jahre war der Fischfang hier ein rentables Geschäft. Als sich das im Laufe des Jahrzehnts mehr und mehr änderte, zogen die Menschen aus dem hügeligen Dorf zurück aufs Festland. Zurück blieben eine Handvoll Menschen und rund 500 leerstehende Häuser.

Als der Mensch ging, kam die Natur zurück. Rasch hatten dank des feuchten Klimas Efeu und Farne die ersten Hausfassaden bedeckt. Mittlerweile sind nahezu alle Bauwerke in Houtouwan begrünt. Diese schaurig-schöne Kulisse lockt vor allem Urlauber aus Shanghai an. Krasser könnten die Gegensätze auch kaum sein. Auf der einen Seite eine pulsierende Mega-Metropole, auf der anderen Seite Ruhe und ein Urwald, der das Dorf regelrecht verschluckt.

Houtouwan dürfte damit wohl das ungewöhnlichste Naherholungsgebiet Chinas sein. Hier gibt es nichts: keine Restaurants, keine Hotels, keine Sehenswürdigkeiten - und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, übt der Ort eine große Faszination aus. Denn den Besuchern wird hier vor Augen geführt, wie die Natur den Planeten vielleicht zurückerobern wird, wenn der Mensch einmal nicht mehr ist.

Quelle: n-tv.de

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