Reise
Die Fahrradtour rund um den Bodensee führt vorbei an alten Schlössern und durch Weinreben.
Die Fahrradtour rund um den Bodensee führt vorbei an alten Schlössern und durch Weinreben.(Foto: bodensee.eu/Achim Mende )

Fahrradtour durchs Dreiländereck: In 5 Etappen um den Bodensee radeln

Innerhalb einer Woche auf dem Fahrradsattel drei Länder durchqueren? Dabei durch mittelalterliche Städtchen schlendern und die charmante Natur der Voralpen kennenlernen? Der Radweg rund um den Bodensee ist nicht umsonst einer der beliebtesten Europas.

Im Frühling und Sommer hängt in der Bodenseeregion der satte Duft von blühenden Obstplantagen in der Luft. Im Herbst glühen die Weinreben in leuchtendem Rot und Orange. Nicht nur die Landschaft ist für eine Fahrradtour geradezu prädestiniert - auch die Radwege sind sehr gut ausgebaut.

Die Radwege rund um den Bodensee bieten oft einen herrlichen Ausblick bis zum Alpenrand.
Die Radwege rund um den Bodensee bieten oft einen herrlichen Ausblick bis zum Alpenrand.(Foto: bodensee.eu/Achim Mende)

Kaum eine Region in Deutschland ist so lieblich wie die Voralpenwelt im Süden Deutschlands. Umgeben von mittelalterlichen Städten und eingebettet in das sanfte Grün von Weinreben, breitet sich das "Schwäbische Meer" zu Füßen der Alpen aus. Eine Fahrradtour kann man eigentlich von jedem Ort rund um den See aus starten. Für diejenigen, die mit Auto oder der Bahn anreisen, empfehlen sich jedoch die etwas größeren Städte wie Konstanz an der Schweizer Grenze (Anreise per Auto zum Beispiel über die A81 aus Stuttgart kommend) oder Friedrichshafen am nördlichen Ufer des Sees (Anreise per Auto zum Beispiel über die A96 aus München kommend).

Der folgende Vorschlag für eine Fahrradtour startet in der größten Stadt des Bodensees, Konstanz:

Etappe 1: Konstanz - Friedrichshafen - Lindau (circa 45 Kilometer)

Die Imperia ist das Wahrzeichen von Konstanz. Das Bildnis zeigt eine Prostituierte, die Kaiser und Papst auf Händen trägt.
Die Imperia ist das Wahrzeichen von Konstanz. Das Bildnis zeigt eine Prostituierte, die Kaiser und Papst auf Händen trägt.(Foto: bodensee.eu/Achim Mende)

Die mittelalterliche Altstadt von Konstanz ist bis heute gut erhalten. Den Krieg konnte die kleine Stadt an der Schweizer Grenze vor allem deshalb so unbeschadet überstehen, weil die Bewohner nachts die Lichter anließen, statt abzudunkeln. So "tarnten" sie sich als Schweizer Stadt. Besucher können hier viel an Kultur und Geschichte entdecken: Vor 600 Jahren war Konstanz Schauplatz des Kirchenkonzils, über mehrere Jahre hinweg berieten Päpste und Kaiser über die Zukunft der Kirche - am Ende stand die einzige Papstwahl nördlich der Alpen. Konstanz liegt an der Rheinmündung des Bodensees: Von den Alpen kommend durchfließt der Rhein den See komplett, Konstanz bildet Kilometer null auf seinem Weg in die Nordsee.

Die Jugendstilhäuser an der Seestraße blicken direkt auf die Konstanzer Altstadt.
Die Jugendstilhäuser an der Seestraße blicken direkt auf die Konstanzer Altstadt.(Foto: bodensee.eu/Achim Mende)

Mit dem Fahrrad überquert man von der Altstadt kommend die Rheinbrücke. Hier unbedingt einen Blick nach rechts werfen, denn bei klarer Sicht reicht der Blick bis ans andere Ende des Sees nach Bregenz. Die Alpen schimmern in der Ferne. An der Seestraße mit seinen wunderschönen Jugendstilhäusern geht es entlang in Richtung Fähre, mit der die Radel-Touristen in das Wein-Städtchen Meersburg übersetzen können. Die Fahrt dauert etwa 15 Minuten und führt an der Blumeninsel Mainau vorbei. Doch dieses Highlight hebt man sich zum Entspannen am Besten bis zum Schluss der Rundreise auf.

Meersburg war über einige Jahre hinweg die Heimat der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff.
Meersburg war über einige Jahre hinweg die Heimat der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff.(Foto: bodensee.eu/Achim Mende)

Meersburg zählt sicherlich zu den sonnigsten Städtchen Deutschlands. Die kleine Stadt rund um die alte Burg und das neuere Schloss schmiegt sich an die steile Uferkante des Bodensees, fast vollständig umgeben von Weinreben. Die Südhänge lassen den Wein hier besonders gut gedeihen und so führt der Radweg auch an der ein oder anderen Weinkelterei vorbei - eine kleine Kostprobe kann sicherlich nicht schaden! Der Fahrradweg geht größtenteils direkt am Ufer entlang in Richtung Friedrichshafen.

Zwei Zeppeline auf Bodensee-Rundflug, hier über der Insel Mainau.
Zwei Zeppeline auf Bodensee-Rundflug, hier über der Insel Mainau.(Foto: bodensee.eu/Achim Mende)

Die Stadt der Zeppeline ist nicht nur für die fliegenden Luftschiffe bekannt: Auch Maybach und Rolls Royce haben tiefe Verbindungen in die hier angesiedelten Motorenwerke MTU (Motoren- und Turbinen-Union) und ZF (Zahnradfabrik Friedrichshafen). Das Ziel der ersten Etappe ist allerdings nicht die industriell bedeutende Zeppelinstadt, sondern das idyllisch gelegene Lindau am östlichen Ufer des Bodensees. Die historische Altstadt von Lindau liegt auf der gleichnamigen Insel im Bodensee, man erreicht sie entweder mit dem Zug über einen Eisenbahndamm oder über eine Brücke.

Etappe 2: Lindau - Bregenz - Rorschach (circa 42 Kilometer)

Vor dem Hafen von Lindau sammeln sich Boote zu einer Regatta.
Vor dem Hafen von Lindau sammeln sich Boote zu einer Regatta.(Foto: bodensee.eu/Achim Mende)

Die Hafeneinfahrt von Lindau wird von einem Leuchtturm und einem Löwen bewacht, welcher nicht nur auf die ankommenden Schiffe schaut, sondern seinen Blick auch in die Ferne zu den Alpen schweifen lässt. Lindau ist die südlichste Stadt Bayerns, von hieraus geht es weiter zum österreichischen Uferteil des Bodensees, nach Bregenz. In den 1940er-Jahren wurde hier die weltweit größte Seebühne gebaut, sie ist eine Berühmtheit des Bodensees. Das überdimensionale Bühnenbild mit den gewaltigen Lichtinszenierungen und der Kulisse des Sees im Hintergrund ist in jedem Fall einen Besuch wert.

Spektakulärer könnte eine Bühne nicht sein: Hier wird Verdis "Ein Maskenball" in Bregenz auf der Seebühne aufgeführt.
Spektakulärer könnte eine Bühne nicht sein: Hier wird Verdis "Ein Maskenball" in Bregenz auf der Seebühne aufgeführt.(Foto: dpa)

Der österreichische Part des Bodensees ist von der Fläche her der Kleinste. Schnell durchquert man das flache Rheintal, eingebettet in Schilf und Farne am Wasser. Der Rhein ist hier noch ein relativ kleiner Fluss, man kann den Unterschied zu seiner Austritt in Konstanz, wenn er den Bodensee einmal durchflossen hat, deutlich erkennen. Auf der Schweizer Seite geht es nun zwischen Apfel- und Birnenplantagen weiter in Richtung Rorschach.

Etappe 3: Rorschach - Salenstein  (circa 45 Kilometer)

Das Ufer des Bodensees ist auf der Schweizer Seite weniger abfallend als auf der deutschen Seite. Viele kleine Orte mit alten Fachwerkhäusern reihen sich hier aneinander - in ihrer Ursprünglichkeit und Schweizer Art kaum zu übertreffen. Bei einer kleinen Pause sollte man unbedingt eines der Schweizer Nationalgerichte, Rösti, probieren: Die in kleine Raspeln geriebenen angebratenen Kartoffeln schmecken besonders gut zu Züricher Geschnetzeltem oder einfach einem Spiegelei. Ein frischer Apfelmost von den Höfen der Umgebung rundet das Radfahrer-Mahl ab. Mit der Sonne im Rücken geht es immer weiter nach Westen, an Kreuzlingen und Konstanz vorbei, am Rhein entlang nach Salenstein.

Etappe 4: Salenstein - Stein am Rhein - Schaffhausen (circa 35 Kilometer)

Das kleine Schweizer Örtchen Salenstein blickt direkt auf den Untersee, den kleineren der beiden Bodensee-Arme. In der Mitte des Untersee liegt die Insel Reichenau. Dank dem alten Benediktinerkloster hat sie den Status eines Unesco-Weltkulturerbes.

Besonders im Sommer drängen sich die Radlergruppen durch die engen Gassen von Stein am Rhein.
Besonders im Sommer drängen sich die Radlergruppen durch die engen Gassen von Stein am Rhein.(Foto: bodensee.eu/Achim Mende)

Die Klosterkirche und der florierende Gemüseanbau der Insel sind von der Schweizer Seite aus gut zu sehen. Wer die Insel erkunden möchte, kann dies aber nur von der deutschen Seite aus, ein Damm mit einer wunderschönen alten Pappelallee führt von Konstanz aus hinauf. Von Salenstein geht die Radtour weiter in Richtung Stein am Rhein, einer wunderschön erhaltenen Mittelalterstadt. Die Fassadenmalereien der Bürgerhäuser am Rathausplatz sind herrlich fantasievoll gestaltet, Blumenkästen voller roter Geranien geben der Stadt ein märchenhaftes Bild. Von hier ist es nicht mehr weit nach Schaffhausen, der berühmten Uhren-Stadt.

Etappe 5: Schaffhausen - Konstanz (circa 50 Kilometer)

Am südlichen Rheinufer kommt man dem Wasserfall auf einer Terrasse ganz nah.
Am südlichen Rheinufer kommt man dem Wasserfall auf einer Terrasse ganz nah.(Foto: rheinfall.ch)

Der Grund, warum man vom Bodensee aus nicht einfach mit dem Schiff in die Nordsee fahren kann, findet sich naturgewaltig in Schaffhausen: der Rheinfall. Gewaltiger als er ist kein Wasserfall in Europa. Auf dem Weg vom Bodensee nach Basel stellen sich dem Rhein mehrfach widerstandsfähige Gesteine in den Weg, in Schaffhausen stürzen schließlich die Wassermassen etwa 23 Meter tief. Pro Sekunde fließen hier rund 373 Kubikmeter Wasser zwischen den Felsen hindurch.

Boote bringen die Besucher von beiden Seiten an den Wasserfall.
Boote bringen die Besucher von beiden Seiten an den Wasserfall.(Foto: rheinfall.ch)

Man kann sich diesem Naturschauspiel von mehreren Seiten aus nähern. Eine Brücke etwa 300 Meter entfernt am oberen Lauf lässt den Uferwechsel zu, mit Booten kann man sowohl von oben als auch von unten an den gigantischen Wasserfall mit seinen kräftigen Strudeln heranfahren. Ein besonders eindrucksvolles Erlebnis ist sicherlich der Besuch der Terrasse auf südlichen Ufer, die Gischt spritzt hier bis auf die Stufen. Nur ganz Mutige sollten sich auf den kleinen Felsvorsprung in der Mitte des Flusses trauen: Er ist nur mit dem Boot vom unteren Lauf des Flusses zu erreichen und die Treppenstufen sind eigentlich immer glitschig und nass.

Die Gärtner der Insel Mainau geben sich alle Mühe, den Besuchern die Blumen in ihrer ganzen Pracht zu zeigen.
Die Gärtner der Insel Mainau geben sich alle Mühe, den Besuchern die Blumen in ihrer ganzen Pracht zu zeigen.(Foto: Insel Mainau/Peter Allgaier)

Wahrlich beeindruckt von der Gewalt der Elemente geht es nun zurück in Richtung Konstanz, die Rad-Rundreise um den Bodensee nähert sich ihrem Ende. Wer nach den fünf Etappen noch Kraft in den Beine übrig hat, dem sei ein Besuch auf der Insel Mainau ans Herz gelegt. Das kleine Eiland der Grafenfamilie Bernadotte wird auch "Blumeninsel" genannt, denn mehr als 60 Gärtner sind das ganze Jahr über damit beschäftigt, den wunderschönen Schlosspark, die opulenten Blumenbeete und den riesigen Rosengarten mit mehr als 500 verschiedenen Rosensorten und rund 30.000 Rosenstöcken zu pflegen.

Der botanische Garten mit Schmetterlingshaus und ein Wasserspielplatz (mit Wäschetrockner für die nassen Kleider!) machen die Mainau auch für die Kleinsten zu einem echten Erlebnis.

Weitere Tipps und Ausflugsziele rund um den Bodensee finden Sie hier.

Quelle: n-tv.de

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