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Ein öffentliches Krankenhaus in Manila. Keine Sorge: Die Wahrscheinlichkeit, dass Europäer in einem dieser oft überfüllten Krankenhäuser landen, ist sehr gering.
Ein öffentliches Krankenhaus in Manila. Keine Sorge: Die Wahrscheinlichkeit, dass Europäer in einem dieser oft überfüllten Krankenhäuser landen, ist sehr gering.(Foto: imago stock&people)

Notfall auf der Reise: In der Ferne im Krankenhaus - und dann?

Von Benjamin Konietzny

Es ist der Urlaubs-Alptraum, die Vernichtung der schönsten Zeit des Jahres: Krankheit in der Fremde. Vor allem mit Hospitälern in exotischen Staaten sind keine guten Erwartungen verknüpft. Ein paar Tipps für den Fall der Fälle.

Die Straße war steil und der Roller hatte sein Bestes gegeben, um seine menschliche Fracht die tropische Bergflanke hinaufzubringen. Das ganze Gefährt ist völlig überhitzt und der Auspuff glüht regelrecht. Eine kleine Unachtsamkeit beim Absteigen in kurzer Hose und mit einem Zischen touchiert die Wade das heiße Rohr. Ein stechender Schmerz, keine Möglichkeit, die Wunde zu kühlen – nach einigen Minuten ist die Brandwunde perfekt.

Eine solche Wunde kann auch in Deutschland zu einem Problem werden, doch auf der abgelegenen Insel unweit des Äquators mit dem tropischen, feuchten Wetter und allerlei Bakterien, an die des Durchschnittseuropäers Körper nicht gewöhnt ist, sind Komplikationen fast vorherbestimmt. Zwei Wochen später liegt der Rollerfahrer im Krankenhaus. Die Wunde hat sich entzündet und die sich allmählich ausbreitende Rötung und das Fieber zeugen von einer aufkeimenden Sepsis. Es folgen einige Tage in einem Provinzkrankenhaus in den Tropen, die folgende Erkenntnisse hinterließen:

Sie sind ein V.I.P!

Es ist in den allermeisten Entwicklungsländern, die von Europäern bereist werden, das selbe Spiel - ob es Ihnen gefällt oder nicht: Dank des für Sie nicht sichtbaren Euro-Zeichens, das für die Einheimischen jedoch gut erkennbar über Ihrem Haupt leuchtet, dürfen Sie sich in vielen Lebenslagen einer bevorzugten Behandlung sicher sein. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass Sie auch meistens mehr bezahlen. Ob Sie es nun Gastfreundlichkeit oder positiven Rassismus nennen – sollten Sie in Not sein, können Sie sich in aller Regel darauf verlassen, dass Sie nicht in das billige und schmutzige Dorfkrankenhaus gebracht werden, sondern eher eine Behandlung in der nächsten Privatklinik genießen werden. Das ist gut für Sie, denn viele Reisekrankenversicherungen übernehmen im Ausland nicht nur die einfachste Behandlung, sondern so etwas wie den deutschen Privatpatientenstatus. Doch das Leben als V.I.P. hat auch Schattenseiten.

Brauche ich das alles?

Möglicherweise wird es wirklich ernst, dann kommt ein Krankenrücktransport infrage. Nicht nur für diesen Fall sollten Sie stets eine Reisekrankenversicherung abschließen.
Möglicherweise wird es wirklich ernst, dann kommt ein Krankenrücktransport infrage. Nicht nur für diesen Fall sollten Sie stets eine Reisekrankenversicherung abschließen.(Foto: imago/Belga)

Da liegen Sie nun in der Notaufnahme. Und während Sie sich wundern, dass der Standard des Krankenhauses besser ist, als Sie erwartet hätten (in den meisten Ländern werden Sie diese Beobachtung tatsächlich machen), beäugen die Mediziner Ihre Blessuren. Bei der anschließenden Diagnose und der einsetzenden Behandlung bleiben Sie in gesundem Maße kritisch. Sie und Ihre Reisekrankenversicherung sind für die Klinik Gold wert, denn das Krankenhaus kann alles Mögliche abrechnen, ohne dass die Versicherung die Notwendigkeit wirklich kontrollieren kann. Bis zu einem gewissen Punkt ist das angenehm, denn in der Regel werden Sie in der höchsten Kategorie untergebracht. Unser Rollerfahrer etwa verbrachte seine Tage in einem gemütlichen klimatisierten Einzelzimmer mit Pay-TV, Tropenholzmöbeln und Chefarztbehandlung.

Doch spätestens bei den Medikamenten oder gar möglichen Operationen dürfen Sie ruhig kritischer nachfragen, als Sie das in Deutschland tun würden. Brauchen Sie diese nachträgliche Impfung wirklich? Müssen es wirklich vier verschiedene Antibiotika sein? Muss ich tatsächlich so lange im Krankenhaus bleiben? Ist die OP wirklich nötig? Die Sachlichkeit deutscher Ärzte wird Ihnen fehlen! Falls Sie einen Arzt in Ihrem Bekanntenkreis haben, lohnt es sich allemal, ihn im Fall der Fälle einmal zu kontaktieren und seinen Rat einzuholen.

Der Krankenhausalltag in Deutschland spielt sich irgendwo zwischen dem Bett, der Cafeteria, dem Rauchergarten und endlosen Spaziergängen auf den Fluren ab. Im (fernen) Ausland ist das meistens etwas anders. In Asien etwa ist es sehr ungewöhnlich, dass Patienten ihr Zimmer oder sogar das Krankenhausgebäude verlassen. Möglicherweise muss man eine Reihe von Formularen unterschreiben und für eine Zigarette ist eventuell sogar eine Genehmigung ihres Arztes nötig. Einen schönen Rauchergarten oder eine Cafeteria werden Sie vermutlich auch vermissen. Krankenhäuser in Entwicklungsländern sind meistens eher auf das Nötige reduziert.

Stocken Sie Ihr Kreditkartenlimit auf!

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Nun sind Sie wieder gesund und Ihre Entlassung naht. Das ist schön. Doch Sie müssen noch die Krankenhausrechnung begleichen. Wenn Sie einige Tage da waren, möglicherweise teure Medikamente bekommen haben oder sogar operiert wurden, kann sich ein stattlicher Betrag ansammeln. Wenn Sie eine Reisekrankenversicherung haben, die Sie trotz Zeitverschiebung erreichen können und die Ihnen die Abrechnung mit dem Krankenhaus abnimmt, ist das nicht Ihr Problem. Doch unser Rollerfahrer hatte da weniger Glück und musste zunächst in Vorkasse gehen. Da ist es ratsam, wenn die Kreditkarte auch höhere Beträge abdeckt.

Reisekrankenversicherungen brauchen in der Regel die Original-Dokumente aus dem Krankenhaus. Falls Sie also lange reisen, müssen Sie die Dokumente per Post verschicken oder warten, bis Sie wieder in Deutschland sind, um Ihr Geld wiederzubekommen.

Was ist, wenn Sie gar keine Reisekrankenversicherung haben?

Innerhalb der EU gilt Ihre gesetzliche Krankenversicherung. Ins außereuropäische Ausland sollten Sie nie ohne Reisekrankenversicherung reisen. Auch Argumente von den Sparfüchsen unter den Low-Budget-Backpackern ziehen nicht. Eine solche Versicherung kostet bis zu einer Reisedauer von 40 bis 60 Tagen zwischen 10 und 20 Euro (je nach Anbieter).

Wenn das Kind jedoch in den Brunnen gefallen ist, Sie ohne Versicherung ins Flugzeug gestiegen sind und im Ausland ins Krankenhaus müssen, dann sollten Sie Folgendes beherzigen: Nehmen Sie nicht die Privatklinik, sondern lassen Sie sich dort hinbringen, wo auch die Durchschnittsbevölkerung behandelt wird! Klären Sie die Ärzte über Ihre Situation auf! Wenn Sie eine schmale Reisekasse haben, sollten Sie das deutlich sagen - möglicherweise gibt es günstige Behandlungsmöglichkeiten.

Problematisch wird es, und deswegen sollten Sie nie ohne eine entsprechende Versicherung verreisen, wenn es sich um einen echten Notfall handelt und Sie etwa nicht bei Bewusstsein oder in wirklicher Lebensgefahr sind. Dann kommen möglicherweise teure Operationen auf Sie zu oder sogar eine Rückführung nach Deutschland. Natürlich geht vor, dass Sie am Leben bleiben. Aber ein Krankenrücktransport mit dem Flugzeug von einem abgelegenen Ort der Erde kann gut und gerne bis zu 100.000 Euro kosten.

Eins noch: Sie finden deutsches Krankenhausessen unappetitlich? Im Ausland würden Sie es vermissen!

Quelle: n-tv.de