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Die Kulturstätten des Iran werden zunehmend von ausländischen Touristen wiederentdeckt. Im Bild: Naghshe-Jahan-Platz in Isfahan.
Die Kulturstätten des Iran werden zunehmend von ausländischen Touristen wiederentdeckt. Im Bild: Naghshe-Jahan-Platz in Isfahan.(Foto: imago/Xinhua)

Die Wende nach 2013: Iran erlebt einen Tourismus-Boom

Von Sonja Gurris

Viele Jahre prägte die feindselige Rhetorik des ehemaligen Präsidenten Ahmadinedschad das Iran-Bild im Ausland. Doch seit dem Wechsel zu Ruhani und dem Abbau der Sanktionen zieht es immer mehr ausländische Touristen in die Islamische Republik.

Die Stadt Schiras nennt man wegen ihrer Gartenkultur auch "Garten des Iran".
Die Stadt Schiras nennt man wegen ihrer Gartenkultur auch "Garten des Iran".(Foto: imago/Westend61)

Für viele war der Iran seit der Islamischen Revolution 1979 eine No-go-Area. Noch heute schauen die Sittenwächter auf den Straßen Teherans hin und beobachten, wie sich die Bürger benehmen. Doch immer mehr mischen sich auch ausländische Gäste unter die Iraner. Seit 2013 gibt es einen regelrechten Hype um Reisen in das Land - und das vermelden gleich mehrere Reiseveranstalter. Die Nachfrage ist so groß, dass zusätzliche Programme aufgestellt werden. Gebeco, ein großer Veranstalter für Studien- und Erlebnisreisen, spricht davon, dass seit 2013 die Nachfrage nach Iran-Reisen "förmlich explodiert" sei. Für den Frühling 2016 seien die Studienreisen schon so gut wie ausgebucht. Die Umsätze mit Iranreisen hätten sich erneut verdoppelt, heißt es von Gebeco. Der Iran hat sich zu einem Trendziel gemausert.

Bei anderen Anbietern scheint der Boom ebenfalls anzukommen: Der Studienfahrten-Anbieter Studiosus spürt ihn erheblich. Waren es vor 2013 noch rund 500 Buchungen in die Islamische Republik, stieg die Anzahl im Jahr 2015 schon auf 2700. "Tendenz steigend", so Studiosus-Sprecher Frano Ilic. Auch hier ist der Trend deutlich – nach Angaben des Reiseveranstalters ist der Iran aktuell das beliebteste Fernreiseziel. Doch trotz der hohen Buchungszahlen ist das Land nicht überlaufen – es ist immer noch kein Massentourismus in Sicht.

Isfahan ist ein touristisches Highlight auf einer Iran-Reise.
Isfahan ist ein touristisches Highlight auf einer Iran-Reise.(Foto: imago/ZUMA Press)

Besonders beliebt seien dabei die Städte Teheran sowie Schiras (auch Shiraz). Es ist die Stadt der Gärten und der Poeten. Von dort aus kann man in die alte Königsstadt Persepolis fahren, die zu den attraktivsten Ruinenstädten der Welt zählt. Ein weiteres Highlight im Iran ist Isfahan: Es gehört mit seinen vielen bunten Moscheen und dem zweitgrößten Platz der Welt zu den bedeutendsten Kulturstädten Vorderasiens.

Immer noch Vorsicht geboten

Geführte Gruppenfahrten bieten den Vorteil, dass Touristenführer auch die Gepflogenheiten der Scharia erklären und immer wieder daran erinnern können. Das bedeutet: Kopftuch und angemessene Kleidung für die Frau, ebenso züchtige Kleidung für Männer. Darüber hinaus gilt ein strenges Alkoholverbot und Männer und Frauen dürfen keine sexuellen Kontakte außerhalb der Ehe führen. Alle diese Dinge müssen Touristen wissen, wenn sie den Iran bereisen. Alleinreisende müssen umso mehr aufpassen, weil sie auf sich gestellt sind und ihre Sicherheit immer gewährleisten müssen.

Gerade für Kulturinteressierte ist der Iran ein spannendes Reiseziel. Aufgrund der stabileren politischen Verhältnisse ist das Klima für diese Art von Reisen besser geworden. Allerdings muss jedem klar sein, dass die Scharia-Regeln den Aufenthalt vor Ort stark prägen. Der Iran ist immer noch ein Ort, an dem man besondere Vorsicht walten lassen sollte. Gerade die freie Meinungsäußerung über die aktuelle Tagespolitik kann für Touristen böse enden - und sie könnten sich schneller in Polizeigewahrsam wiederfinden, als ihnen lieb ist. Und da kommt man so einfach nicht heraus. Der Iran ist, trotz einiger Verbesserungen, immer noch ein Land, in denen Touristen besonders vorsichtig sein sollten, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten.

Quelle: n-tv.de