Eröffnungspanne: NPD-Wachmänner"Keltenfürst" lädt zur Zeitreise
Der Keltenherrscher ist schon da, nun sollen die Besucher folgen: das neue Museum "Keltenwelt am Glauberg" wird eröffnet. Es soll Leben und Kultur der Kelten vermitteln - auf historischem Grund. Es steht dort, wo die antike Volksgruppe um das 5. Jahrhundert vor Christus ein Zentrum hatte. Bei der Eröffnung jedoch passiert eine peinliche Panne: beim Wachdienst waren zwei mutmaßliche Mitglieder der NPD als Wachmänner eingesetzt.
Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit feiert die "Keltenwelt am Glauberg" am Vormittag Eröffnung. In dem neuen Museum in der Wetterau-Gemeinde Glauburg können Besucher künftig in Kultur und Leben der Kelten eintauchen. Im Zentrum stehen dabei Funde aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, die in den 1990er Jahren in Herrschergräbern auf dem Glauberg entdeckt wurden.
Eingeweiht wird das Museum, zu dem auch ein archäologischer Park und ein Forschungszentrum gehören, von Ministerpräsident Volker Bouffier, Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann sowie von Landesarchäologe Egon Schallmayer. Ab 6. Mai ist die Einrichtung täglich für Besucher geöffnet.
Fast neun Millionen Euro
Das Land investierte nach Angaben des Wissenschaftsministeriums fast neun Millionen Euro in den Neubau in der Gemeinde Glauburg. Der Grundstein für das Museum, zu dem auch ein archäologischer Park und ein Forschungszentrum gehören, wurde 2008 gelegt. Vor zwei Wochen nahm das bekannteste Exponat in den Ausstellungsräumen Aufstellung: der "Keltenfürst vom Glauberg". Die mannshohe Steinstatue eines Herrschers aus dem 5. Jahrhundert vor Christus galt bei der Entdeckung Anfang der 1990er Jahre als Sensation.
In der "Keltenwelt" werden nach Angaben von Museumsleiterin Katharina von Kurzynski mehrere hundert keltische Fundstücke gezeigt, darunter Alltagsgegenstände, Schwerter oder Schmuck. Das Volk besiedelte den 270 Meter hohen Glauberg etwa um das 5. vorchristliche Jahrhundert.
Peinliche Panne
Inzwischen wurde bekannt, dass bei der Eröffnung des Kelten-Museums zwei mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen NPD als Wachmänner eingesetzt worden waren. Die Männer seien bei einem privaten Sicherheitsdienst beschäftigt und noch während der Eröffnungsveranstaltung von ihrem Posten abgezogen worden, teilte das hessische Wissenschaftsministerium in Wiesbaden mit. Das Land will nun prüfen, ob es den Vertrag mit der beauftragten Sicherheitsfirma kündigen kann. "Kultur- und Kunstgüter dürfen in Hessen nicht von Neonazis bewacht werden", heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. Die Museumsleitung will beiden Hausverbot erteilen.
Das zuständige Hessische Immobilienmanagement (HI) erklärte am Abend, eine beauftragte Firma müsse stets die Eignung ihrer eingesetzten Mitarbeiter prüfen. "Dazu gehört unserer Auffassung nach auch die Frage nach einer Mitgliedschaft in einer extremistischen Partei." Für den Wachdienst am Glauberg habe es aber keinen Auftrag des HI gegeben. "Das Unternehmen hat im Vorgriff auf künftige Einsätze im Innenbereich des Museums zwei Mitarbeiter zur Verfügung gestellt." Es werde nun geprüft, ob der Vertrag mit der Firma fristlos gekündigt werden könne.
Die heidnischen Kelten werden von zahlreichen Neonazis verehrt. Germanische und auch keltische Runen werden ebenso wie Symbole mit Bezug zum Nationalsozialismus von rechtsextremen Gruppen genutzt. Außerdem begannen die archäologischen Ausgrabungen am Glauberg ausgerechnet in der Nazi-Zeit zwischen 1933 und 1939.
Service
Die "Keltenwelt" ist ab 6. Mai täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 5, ermäßigt 3,50 Euro. Die Eröffnung wird vom 7. bis 8. Mai mit einem Museumsfest gefeiert.
Am Samstag, 7. Mai, öffnet das Museum von 10 bis 21 Uhr, Aktionen gibt es von 12 bis 19 Uhr, abends ist eine Feuershow und Feuerwerk geplant.
Am Sonntag, 8. Mai, hat es von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Aktionen gibt es bis 17 Uhr.