Reise
Khaled Alkordi hinter dem Empfangs-Tresen im "The Movement Hotel".
Khaled Alkordi hinter dem Empfangs-Tresen im "The Movement Hotel".(Foto: dpa)
Freitag, 22. September 2017

"Ort der traurigen Geschichten": Knast-Hotel eröffnet in Amsterdam

Bis vor Kurzem schliefen berüchtigte Kriminelle in den Zimmern. Nun ist es eine schicke Herberge und ein Arbeitsplatz für Flüchtlinge - ein Hotel mit Nervenkitzel und Gitter vor den Fenstern.

Der Regen peitscht gegen die meterhohen grauen Betonmauern, davor liegt schwarz und tief ein Wassergraben. Der Blick aus dem Hotelfenster ist düster, und das ist auch noch vergittert. Das Amsterdamer Hotel "The Movement Hotel" gehört zur Kategorie: sehr außergewöhnlich. Die neueste Herberge der niederländischen Hauptstadt war ein Gefängnis, das berüchtigte "Bijlmer-Bajes" im Südosten der Stadt. An diesem Freitag öffnet das "Movement" seine Tore, und die sind - versteht sich - aus dickem Stahl.

Die Flure haben jetzt freundlichere Farben.
Die Flure haben jetzt freundlichere Farben.(Foto: dpa)

Zwei Etagen mit je acht Zellen wurden zum Hotel umgewandelt. Quietschrosa und knallrot sind die Gänge gestrichen, die Zimmer im edlen Weiss. Doch die Knast-Atmosphäre ist noch überall zu spüren. Die massiven Türen haben viele Schlösser und alle Fenster sind vergittert.

"Ein fantastischer Ort"

Düstere Aussichten? - "Keineswegs", lacht Khaled Alkordi. "Es ist ein fantastischer Ort." Für den 29-jährigen Syrer startet hier ein neues Leben. Vor drei Jahren kam er als Flüchtling in die Niederlande. In Damaskus hatte er Wirtschaft studiert, jetzt ist er Empfangschef des "Movement".

Orange und Rot auch in der Lobby.
Orange und Rot auch in der Lobby.(Foto: dpa)

Khaleds Arbeitsplatz ist der frühere Aufenthaltsraum der Gefängniswärter. Nun sind die einst schmutzig grün-weißen Wände pink. Die tristen Resopaltische und Kantinenstühle wurden durch knallrote Bänke und Hocker ersetzt. Ein paar Kupferlampen baumeln an der Decke, fröhliche Gummibäume stehen vor den Fenstern. Fertig ist die hippe Hotel-Lobby.

"Ein Ort für positive neue Erinnerungen"

"Früher war dies ein Ort der traurigen Geschichten", sagt Khaled nachdenklich. "Jetzt ist es ein Ort für positive neue Erinnerungen". Das gilt nicht nur für Touristen, die eine Zelle buchen wollen. Wie Khaled sind alle 20 Mitarbeiter des Hotels Flüchtlinge, aus Syrien, dem Irak und Eritrea. Die niederländische Flüchtlingshilfsorganisation "Movement on the Ground" hatte das Hotel gegründet, um für sie Arbeits- und Ausbildungsplätze zu schaffen. "Arbeit ist der beste Weg zur Integration", sagt Nina Schmitz, Direktorin der Organisation.

Aussicht aus einem der Zimmer.
Aussicht aus einem der Zimmer.(Foto: dpa)

Profis aus der Hotelbranche helfen bei der Ausbildung. "Es gibt in den Niederlanden einen großen Mangel an Fachkräften für Hotels und Restaurants", sagt Schmitz, "eine feste Stelle ist für viele so gut wie sicher."

Das Gefängnis "Bijlmer-Bajes" war im vergangenen Jahr geschlossen worden - wie viele niederländische Haftanstalten aus Mangel an Verbrechern. In die sechs hohen charakteristischen weißen Türme zogen bereits Dutzende kleine Betriebe, darunter viele Kreative und Hilfsorganisationen.

In einem Turm wurde ein Asylbewerberheim eingerichtet. Rund 600 Flüchtlinge wohnen dort zur Zeit. Einige von ihnen fanden bereits einen Arbeitsplatz auf dem Gelände. Über die Refugee-Company etwa, die Flüchtlingen auch bei der Gründung eines eigenen Betriebes hilft. Im Restaurant "A Beautiful Mess" etwa kochen und servieren Flüchtlinge mediterrane und arabische Köstlichkeiten. Das fröhlich-bunte Restaurant - die frühere Gefängniswäscherei - ist übrigens auch Frühstücksraum für die Hotelgäste.

"Ein sicherer Ort"

Freiheit? Ein Zimmer im "The Movement Hotel".
Freiheit? Ein Zimmer im "The Movement Hotel".(Foto: dpa)

Für viele Flüchtlinge ist die frühere Haftanstalt ein "sicherer Ort", sagt Khaled. "Nach der Unsicherheit und den Lagern haben sie hier endlich ein Dach über dem Kopf."

Mit Farbe und Fantasie hatten Khaled, seine Kollegen und viele Freiwillige in den letzten Monaten aus der düsteren Haftanstalt eine fröhliche Herberge gemacht. Die Zellen sind nun hell und freundlich gestrichen. In einem Zimmer steht an der Wand "Freedom" mit einem Fragezeichen.

Keine harten Pritschen

Auf harten Pritschen muss übrigens keiner liegen, verspricht Nina Schmitz von der Hilfsorganisation. "Die Matratzen sind super bequem." Eine Spende von einem Luxus-Bettenhersteller. Jedes Zimmer hat ein Klo. Die Duschen sind auf dem Gang. "Wie früher bei den Gefangenen auch", sagt sie.

So manches kann dem Hotelgast noch einen Schauer über den Rücken treiben: die Lautsprecheranlage im Zimmer. Drohende Kameras an jeder Ecke. Fenster, die man nicht öffnen kann. Und der Blick auf Stacheldraht. Doch keine Angst: Khaled gibt jedem Gast einen Zimmerschlüssel: "Früher war es ein Ort der geschlossenen Türen", sagt er. "Nun ist es ein Ort der offenen Türen."

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Quelle: n-tv.de

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