Montag, 07. Dezember 2009
Afrika, Asien und Indien in einer Stadt: Kulturen in Köln erleben
Die Schwertklingen blitzen in der abendlichen Dämmerung auf. In einem Quadrat stehen sich zehn Samuraikämpfer in ihren bodenlangen schwarzen und weißen Gewändern gegenüber. Eine typisch japanische Kampfsportart führen sie vor. "Aber wir greifen nie an, wir verteidigen uns nur", erklärt Samuraikämpfer Gabriel Morgenstern. Spaziergänger bleiben stehen und reihen sich in das Publikum mit ein.
In Köln betrachten nicht nur japanische Touristen die deutsche Kultur, sondern auch umgekehrt.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Die Zuschauer sind nicht in Japan unterwegs. Mitten in Köln tauchen sie ein in die fremde Kultur. Sie machen bei einer asiatischen Kulturwanderung mit. Genau 2,4 Kilometer wird die Reisegruppe durch verschiedene Kölner Stadtteile an diesem Abend zurücklegen.
Seit rund einem Jahr finden in Köln solche Expeditionen nach Lateinamerika, Afrika und Indien statt. Zwischen 16 und 20 Euro kostet die Teilnahme an den Citytouren. Mit den Wanderungen will der Organisator Thomas Bönig einen besonderen Blick in das Leben der Menschen aus unterschiedlichsten Ländern geben. Manchmal öffnen dafür die gebürtigen Eritreer oder Inder auch ihre Wohnungen. Sie lesen in ihrer Muttersprache etwas vor, spielen Musik oder stellen Speisen aus ihrem Land zum Probieren bereit.
Afrika war schwieriger
Wie unterschiedlich die Kulturen sind, die bei den Wanderungen erkundet werden können, zeigt sich schon bei der Planung. "Die Inder haben die Idee allesamt gut gefunden, das indische Viertel vorzustellen. Die Planung für die afrikanische Tour war schwieriger. Afrika ist ein Kontinent mit vielen unterschiedlichen ethnischen Gruppen und Konflikten, die auch teilweise nach Köln transportiert werden", sagt Bönig.
Fitness-Studio für muslimische Frauen im Kölner Multikulti-Viertel Ehrenfeld.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Die Kulturreisen nach Asien sind neu im Programm. So wandert die japanische Reiseleiterin Yoshi Shibahara heute zum ersten Mal auf den Spuren ihrer Kultur in der Domstadt. Seit zehn Jahren lebt die Tänzerin und Choreographin schon in Köln. "Thomas hat gefragt, ob ich als Reiseleiterin mitmachen möchte, und da habe ich zugesagt", erklärt die 37-Jährige.
Auch Geschäftsinhaberin Di Xing hat sich bereiterklärt, ihre Türen für die Wanderung zu öffnen: "Kommt rein, kommt rein." Koreanischen Tee, chinesisches Porzellan oder japanisches Origami-Papier gibt es zu kaufen - Fernost geballt in einem Laden. "Ich will den Menschen die asiatische Kultur näher bringen, deswegen mache ich mit", so die gebürtige Pekingerin. Kimonos in jeglichen Farben hängen an einer Kleiderstange. Anziehen ist auch erlaubt, aber ohne Hilfe für einen Laien unmöglich. Doch mit fachmännischer Unterstützung ist eine Teilnehmerin am Ende doch eingehüllt in einen Kimono. "Das fühlt sich gut an. Den würde ich gerne anbehalten."
Ina vom Hofe, dpa
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