Reise
Mittwoch, 13. Mai 2009

Bergkrankheit bei Wanderern: Langsamer Aufstieg schützt

Die akute Bergkrankheit tritt in verhältnismäßig geringen Höhen auf und betrifft potenziell deshalb jeden Wanderer, der sich auf den Weg in die Berge macht.

Mit der Seilbahn auf die Höhen zu fahren, kann ein Fehler sein.
Mit der Seilbahn auf die Höhen zu fahren, kann ein Fehler sein.

Mit der Höhenkrankheit haben üblicherweise Bergsteiger zu kämpfen, die im Himalaya oder in den Anden unterwegs sind. Dort führen die Auswirkungen der dünnen Luft schnell zu besonders gefährlichen Formen der Krankheit - und nicht selten zum Tod. Die harmlosere Variante ist die akute Bergkrankheit. Sie tritt in verhältnismäßig geringen Höhen auf und betrifft potenziell deshalb jeden Wanderer, der sich auf den Weg in die Berge macht. Doch egal ob auf der Wandertour in den Alpen oder beim Trekking in Asien - das Risiko, eine Form der Höhenkrankheit zu bekommen, lässt sich durch den richtigen Aufstieg enorm reduzieren.

Befall ab 2500 m

Zunächst ist es wichtig, drei wesentliche Krankheitsbilder voneinander zu trennen. "Man unterscheidet zwischen der akuten Bergkrankheit, dem Höhen-Lungenödem und dem Höhen-Hirnödem", erklärt Christoph Dehnert von der Abteilung Sportmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg. Er beschäftigt sich seit mehreren Jahren wissenschaftlich mit dem Thema Höhenkrankheit. Die akute Bergkrankheit könne den Bergsteiger schon in Höhen ab 2500 Metern befallen. Die Symptome seien dabei vor allem Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und Abgeschlagenheit. "Insgesamt ist die akute Bergkrankheit aber vergleichsweise harmlos."

Die zwei anderen Krankheitsbilder hingegen sind sehr gefährlich. Das Lungenödem heißt englisch "High Altitude Pulmonary Edema" (HAPE), das Hirnödem "High Altitude Celebral Edema" (HACE). Bei beiden Krankheiten werden lebenswichtige Organe in Mitleidenschaft gezogen. Bei einem Lungen- oder Hirnödem sammele sich Wasser im entsprechenden Organ, was unbehandelt relativ schnell zum Tode führen kann, erklärt Frank Möckel vom Institut für Sportmedizin und Prävention in Regensburg. Das Lungenödem trete im Vergleich zur akuten Bergkrankheit durchschnittlich erst ab etwa 3500 Höhenmetern auf, das Hirnödem ab einer Höhe von 4500 Metern.

Eines haben alle Formen der Höhenkrankheit gemein: Ihre Ursache ist der sinkende Sauerstoffpartialdruck. "Je höher der Bergsteiger aufsteigt, umso weniger Sauerstoff ist in der Luft." Auf dem Gipfel des Mount Everest gebe es beispielsweise nur noch ein Drittel des Sauerstoffs wie auf Seehöhe. Aber auch ab 2500 Metern Höhe sei merklich weniger Sauerstoff in der Luft.

Je langsamer, desto besser

Die beste Vorbeugung sei in jedem Fall eine gute Akklimatisierung, rät Dehnert. "Je länger diese Phase andauert, umso besser kann sich der Körper an die Höhe gewöhnen." Der wichtigste Faktor sei dabei die Geschwindigkeit des Aufstiegs, fügt Möckel hinzu: "Je langsamer der Bergsteiger aufsteigt, umso geringer ist die Gefahr, an der Bergkrankheit zu erkranken."

Viele unerfahrene Wanderer machten allerdings den Fehler, an den ersten Sommertagen mit der Seilbahn auf die Höhen zu fahren, sagt Stefan Winter vom Ressort Breitensport beim Deutschen Alpenverein (DAV) in München. Treten dann erste Symptome auf, könne es helfen sich hinzusetzen, Ruhe zu bewahren und etwas Zuckerhaltiges zu trinken. "Am sichersten ist aber die direkte Rückkehr ins Tal."

Befindet sich der Wanderer zum Beispiel beim Trekking, sollte er in jedem Fall nicht weiter aufsteigen, sagt Dehnert. "Meistens klingen die Symptome nach ein bis zwei Tagen wieder ab." Passiert das nicht oder verschlimmern sie sich sogar, sollte der Wanderer absteigen. Wer nicht mehr als 300 bis 500 Meter pro Tag aufsteigt, bleibe weitgehend verschont. "Es ist beim Expeditionsbergsteigen durchaus üblich, am Tag über 1000 Höhenmeter zur Akklimatisierung aufzusteigen." Wichtig sei dann aber, wieder auf einer niedrigeren Höhe zu schlafen. Denn es gelte noch immer die alte Regel: "Climb high, sleep low", sagt Möckel.

Ruhepuls kontrollieren

Morgens vor dem Aufstehen sollte der Bergsteiger außerdem seinen Ruhepuls kontrollieren, rät der Mediziner. "Liegt er 20 Prozent höher als der Ruhepuls im Tal, ist das ein Zeichen dafür, dass der Körper noch daran arbeitet, sich auf die Höhe umzustellen." Die Pulsmessung sei allerdings nur ein weicher Indikator. Für den Laien seien Anzeichen der akuten Bergkrankheit ohnehin nur schwer zu erkennen. Im Zweifelsfall sollte der Wanderer immer davon ausgehen, dass er betroffen ist. Nach eigenen Angaben hätten 60 Prozent der Bergsteiger auf den Schweizer Berghütten mit Symptomen der Bergkrankheit zu kämpfen.

Eine Gruppe Bergsteiger auf dem Weg zum Gipfel des Kilimandscharo.
Eine Gruppe Bergsteiger auf dem Weg zum Gipfel des Kilimandscharo.

Wie sich die veränderte Höhe genau auf den Körper auswirkt, könne die Medizin bis heute nicht genau aufschlüsseln, sagt Dehnert. Neuere Untersuchungen gingen aber davon aus, dass es sich bei der Bergkrankheit nicht um eine Vorstufe von HACE, sondern um ein eigenes Krankheitsbild handelt. Bei der Höhenkrankheit spiele die körperliche Fitness jedoch keine Rolle, erklärt Winter. Im Prinzip kann es also jeden treffen, der zu schnell aufsteigt.

Bergrettung und Rucksackapotheke

Treten Anzeichen der Bergkrankheit auf, könne dies vor allem in entlegenen Regionen gefährlich werden, erklärt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein. Im Zweifelsfall müsse die Bergwacht mit dem Hubschrauber ausrücken. Wanderer sollten sich deshalb vor der Reise informieren, ob ihre Versicherung den Abtransport mit dem Helikopter bezahlt. So übernehmen manche Versicherer zwar den Heli-Einsatz in Deutschland, nicht aber in Österreich. Jeder Wanderer sollte außerdem eine kleine Rucksackapotheke und eine Wärmedecke mitnehmen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen