Reise
Ob für Einsteiger oder Ambitionierte: Im Sauerland gibt es Wanderwege für jeden Typen.
Ob für Einsteiger oder Ambitionierte: Im Sauerland gibt es Wanderwege für jeden Typen.(Foto: Sauerland Tourismus)
Montag, 18. April 2016

Ruhe, Natur und Dorfidylle: Mein "Anti-Stress-Wandern" im Sauerland

Von Sonja Gurris, Alme

Für echte Outdoor-Freunde ist das Sauerland kein Geheimtipp. Vor allem Städter aus dem Ruhrgebiet finden vor der Haustür endlose Wanderwege. Alme ist ein Ort, wo man den Kopf so richtig freibekommt. Erfahrungsbericht einer Wander-Einsteigerin.

Raus aus der Großstadt, rein in die Natur. Zugegeben – ich bin fast zehn Jahre nicht mehr gewandert und zum Wiedereinstieg ist eine kurze Tour sicher gar nicht so schlecht. Als gebürtige Sauerländerin liegt eine Wanderroute in der Heimat quasi auf der Hand. Es ist regnerisch an diesem Morgen, doch das soll mich nicht abhalten. Ich fahre mit dem Zug zum Bahnhof Brilon Wald - und die Haltestelle bleibt ihrem Namen treu: Außer einer Menge Bäume steht hier nicht viel. Ich fahre weiter Richtung Alme, in ein Dorf, das zur Stadt Brilon gehört. Hier ist es vor allem schön ruhig. Das Dorf ist übersichtlich, ein schickes Schloss rechts, die Gaststätte links, ein hübscher Grillplatz in der Mitte des Dorfes.

Hier soll es losgehen, Wandern im Sauerland – ich bin gespannt, was die heimatlichen Gefilde bieten. In Alme war ich jedenfalls noch nie. Das Sauerländer Wegenetz ist sehr gut ausgeschildert. Die Region wurde als erste in Deutschland als Qualitätswanderregion ausgezeichnet. Das merkt man auch an der guten touristischen Infrastruktur. Und wandern muss man auch nicht alleine, man kann sich einer Gruppe anschließen, was ich auch tue - ich möchte mich jedenfalls nicht verlaufen, kann im Wald ja schnell passieren.

Bilderbuch-Idylle in Alme.
Bilderbuch-Idylle in Alme.(Foto: Sauerland Tourismus)

Ein netter Mann im Förster-Outfit und mit Jagdhund Carlos an der Leine begrüßt den Rest der Wandergruppe und mich herzlich. Jörg Pahl ist Ranger. Sein Job ist es, Wanderern die Natur zu zeigen, ihnen den Weg zu weisen. Früher war er Lehrer an einer Ausbildungsstätte für Förster, seit ein paar Jahren ist er Ranger und ist täglich in der Natur Südwestfalens unterwegs - und man merkt ihm seine Begeisterung an. Er gibt Führungen für Erwachsene, Kinder und Schulklassen.

Keine Angst vor Tier-Begegnungen

Wir starten an den Almequellen. "Schauen Sie sich das an, ist das nicht wunderschön hier" - wenn jemand seine Arbeit gerne macht, dann Jörg Pahl. Wir laufen entlang der Flussquellen, das Wasser ist glasklar. "Die alten Almer holen hier sogar Wasser für ihren Kaffee, der soll damit viel besser schmecken", plaudert er drauflos. Wir gehen ein paar Minuten und schauen hoffnungsvoll in den Himmel. Ein kleines Wolkenloch mit blauem Himmel, vielleicht bekommen wir noch etwas Wanderer-Glück.

Auf eimal raschelt es laut. 150 Meter geradeaus läuft in Windeseile eine Wildschweinfamilie über den Weg. Es dauert nur etwa drei Sekunden, dann ist das Spektakel auch schon wieder vorbei. "Gott sei Dank sind die weit weg", rufe ich erschreckt. Ranger Jörg Pahl beruhigt uns - die Wildschweine hätte eher Angst vor uns. Allerdings können verletzte Tiere durchaus gefährlich sein. 

Ranger im Einsatz: Jörg Pahl.
Ranger im Einsatz: Jörg Pahl.(Foto: Sauerland Tourismus)

Wir stapfen weiter durch den nassen Wald. Dann geht es mit einem Mal links hinauf - jetzt kommen die berühmten Sauerländer Hügel ins Spiel und ich bereue, dass ich noch keine Wanderschuhe gekauft hat. "Sehen Sie, ohne richtige feste Wanderstiefel kann man leicht abrutschen bei den nassen Blättern" ermahnt der Ranger. Ich fühle mich erwischt und muss zugeben, dass normale Sportschuhe dann doch keine gute Idee waren. Etwas ungekonnt versuche ich mich den Berg hinaufzuschieben - jetzt wird mir das erste Mal warm. Das tut gut, man möchte sich ja schließlich etwas anstrengen.

Eine Ranger-Führung kommt nicht ohne Blumenkunde aus - und ganz ehrlich: Erkennen Sie Waldmeister, wenn er vor Ihnen wächst? Ich erlebe einen Aha-Effekt. "Schaut her und zerreibt die Pflanze zwischen den Händen, dann riecht ihr Waldmeister".

Ranger-Tipps for Beginners

Waschbären-Babys als ungeplantes Tour-Highlight.
Waschbären-Babys als ungeplantes Tour-Highlight.(Foto: Anna Galon)

Ein paar Kilometer der Wanderung sind rum, ich habe mich "eingegroovt", es macht richtig Spaß. "Da schaut, links im Baum ein Waschbär" - der Begeisterungssturm ist bei allen groß, wir schauen uns den halbausgehöhlten Baum an und dann die kleine Tier-Sensation: zwei kleine Waschbären-Babys. "Das sehe ich auch nicht alle Tage, toll" - selbst der Ranger ist ganz aus dem Häuschen und macht schnell ein Foto. Später sagt er begeistert, dass er in den kommenden Tagen noch einmal vorbeischaut, ob die Kleinen noch da sind.

Nach der fünfminütigen Aufregung und Entzückung rund um den Waschbärennachwuchs gönnen wir uns eine kleine Pause. Ranger-Begleithund Carlos, eigentlich Franzose, aber mit spanischem Namen, muss angebunden werden, denn am Aussichtspunkt Kuckucksfelsen geht es einige Meter steil nach unten. Das hier ist definitiv nichts für schwache Nerven. Ich entscheide mich dafür, kein zweites Mal runterzublicken. Dafür schaue ich mir die Aussicht an - auch die Sonne zeigt sich püntklich. Das ist es, das wahre Wandererglück: Pause mit Aussicht und Sonne. Nun geht es bergab, auch hier ist ein guter Halt wichtig.

Tolle Aussicht vom Kuckucksfelsen.
Tolle Aussicht vom Kuckucksfelsen.(Foto: Sauerland Tourismus)

Ich hole mir einen Tipp von Ranger Pahl. Neben den passenden Wanderschuhen ist es wichtig, wie man läuft. Gerade bergrunter kann das bei langen Wanderungen Knieschmerzen verursachen. "Ich habe mir selbst den Tipp von einem ganz alten Wanderführer geholt - man sollte versuchen, den Berg herunterzutänzeln", so der Ranger  - sagt es und macht es vor. Beim Versuch, es ihm gleichzutun, komme ich mir mit meinem unpassenden Schuhwerk etwas ungeschickt vor und behalte den Tipp fürs nächste Mal im Hinterkopf.

Großes Wegenetz für Ambitionierte

Von einem Ranger kann man vieles lernen - und Jörg Pahl weiß zu jeder Frage eine Antwort. Eine zwei- bis dreistündige Tour kostet pro Erwachsenen fünf Euro, Kinder und Schulklassen nehmen kostenlos teil. Und wer sich mit kurzen Touren nicht zufriedengeben will, der findet im Sauerland hunderte Kilometer Wanderwege - den Sauerländer Höhenflug, die Sauerland-Waldroute oder den Rothaarsteig.

Ambitionierten Wanderern sind keine Grenzen gesetzt. Und auch die Einkehrorte sind auf Wanderer eingestellt. Wer beispielsweise in der Almer Schlossmühle sitzt und auf den kleinen Fluss schaut, kann sogar fangfrische Forellen aus dem Ort verspeisen - mehr Natur ist kaum möglich. Und die Atmosphäre lässt sich in aller Ruhe genießen, große Ablenkungen gibt es hier nicht. Mehr Ruhe geht kaum, der Blick ins Grüne lässt Alltagsstress ganz schnell verfliegen.

Quelle: n-tv.de

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