Freitag, 24. April 2009
Urlauberbranche "vor dem Bankrott": Montenegro droht Pleite
Die Hoffnungen von Montenegro an der südlichen Adria liegen im Sommertourismus. Immerhin ist die 290 Kilometer lange und atemberaubend schöne Küste der wichtigste Devisenbringer in dem eigentlich armen Balkanland.
Doch Wasser- und Stromknappheit, fehlende Straßen, mangelnder Service, hohe Preise und blinde Bauwut könnten zu einer Pleite führen: Die montenegrinische Urlauberbranche stehe "vor dem Bankrott", diagnostiziert der Tourismus-Professor Rade Ratkovic im Küstenstädtchen Milocer.
Land erstickt im Müll
Mancher ausländische Urlauber fühlt sich schon beim Grenzübertritt durch die "Ökosteuer" von 10 Euro pro Auto und 30 Euro pro Wohnwagen abgezockt. Der Balkanstaat sei der "erste ökologische Staat Europas", heißt es zur Begründung für diese Abgabe. Und doch erstickt das Land im Müll, der überall - selbst in Hochgebirgslandschaften - wild abgeladen wird. Mit dieser "Eintrittsgebühr" oder "versteckten Maut" für holperige Straßen tue sich das Land keinen Gefallen, weil Urlauber abgeschreckt werden, meint der ADAC.
Im Campingbereich könne Montenegro dem Nachbarn Kroatien nicht das Wasser reichen, urteilt der Automobilclub nach umfangreichen Tests: "Kein einziger Campingplatz erfüllt in Montenegro europäische Ansprüche", lautet das vernichtende ADAC-Urteil. Auch im Hotelsektor sieht es trübe aus, so dass einige deutsche Reiseanbieter Montenegro aus den Katalogen verbannt haben. Das sei "eine alarmierende Tatsache", sagt Ratkovic.
Bescheidene Buchungslage
Die Buchungslage ist derzeit mehr als bescheiden, heißt es im Urlauberzentrum Budva. Von Grund auf renovierte Hotels wie das "Rivijera" in Petrovac haben in der Vorsaison überraschend ihre Pforten geschlossen, "weil es sich nicht lohnt". Andere Hotels bekommen wegen der Finanzkrise von ihren Banken keine Kredite für die Saisonvorbereitung. Weil Kreditraten nicht gezahlt werden können, drohen die Banken nach Medienberichten damit, viele Hotels selbst zu übernehmen.
Die Hoteliers haben auf reiche Gäste aus Russland und der Ukraine gesetzt, die zuletzt die Deutschen als stärkste Urlaubergruppe ersetzt hatten. Doch die sind schon im vergangenen Jahr ausgeblieben, denn die im Vergleich zur Türkei, Kroatien oder Griechenland hohen Preise haben viele vergrault. Der chronische Wassermangel an der Küste soll nun durch eine neue Großleitung aus dem Skutarisee südlich der Hauptstadt Podgorica behoben werden, deren Bau im Dezember begonnen wurde. Kurz vor Saisonbeginn gleichen einige Uferpromenaden immer noch einer Mondlandschaft.
Im Bau befindliche Tourismusanlage im Ort Becici vor den Toren der Tourismushochburg Budva (März 2009).
(Foto: picture-alliance/ dpa)
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