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Das Baztán-Tal ist durch eine Buch-Trilogie berühmt geworden.
Das Baztán-Tal ist durch eine Buch-Trilogie berühmt geworden.(Foto: imago/Danita Delimont)
Freitag, 15. September 2017

Hype um Redondo-Romane: Mystery-Buch lockt Fans ins Baztán-Tal

Im nordspanischen Elizondo wissen die Einwohner gar nicht, wie ihnen geschieht. Seit eine Buchreihe rund ums Baztán-Tal veröffentlicht wurde, kommen die Touristen in Scharen. Mystery, Morden und Hexerei sei Dank.

Mit Regenschirm in der einen Hand und einem Stadtplan in der anderen durchstreifen bei feinem Regen gleich mehrere Gruppen von Touristen die Straßen von Elizondo in Nordspanien. Der Ort in der Autonomen Region Navarra erfreut sich steigender Besucherzahlen. Entfesselt haben dieses Interesse in- und ausländischer Besucher drei Romane der spanischen Autorin Dolores Redondo. Ihre schwarze Trilogie um das Baztán-Tal am Fuße der Pyrenäen spinnt sich um Mysterien, Morde und Hexerei. Die Romane gibt es mittlerweile in mehr als 30 Sprachen, darunter auf Deutsch und Chinesisch.

"Schau mal, da ist die Backstube", schreit eine Jugendliche, als sie in der Ferne einen der Schlüsselorte der Trilogie erspäht. Über der Traditionsbäckerei hängt ein großes Schild mit der Aufschrift "Mantecadas Salazar" (Buttergebäck Salazar) - in Redondos Baztán-Romanen ist das der Familienbetrieb der Protagonistin, der Kriminalinspektorin Amaia Salazar. In Wirklichkeit ist die Bäckerei die älteste des Tals - und nutzt den derzeitigen Rummel für sich.

Neugierige Touristen wollen den Romanort erkunden.
Neugierige Touristen wollen den Romanort erkunden.(Foto: picture alliance / Ana Lázaro/dp)

Auf den Spuren des Romans

"Wir wussten überhaupt nicht, dass es solch eine Art literarischen Tourismus gibt", sagt Geschäftsführer Bautista Muro. "Obwohl es in den Romanen um Geheimnisse und Morde geht, sind die Dorfbewohner sehr zufrieden. Das Gastgewerbe profitiert, und für uns ist es eine Hilfe." Der Erfolg der drei Romane hat dazu geführt, dass die Bäckerei ein neues Produkt verkauft: Txantxigorri. Dieses Gebäck ist typisch für das Baztán-Tal, es wurde traditionell während der Schweineschlacht gebacken, um die Schmalzreste zu nutzen - in der Trilogie gehört es zu den entscheidenden Elementen. Nur wenige Besucher verlassen die Bäckerei ohne eine oder mehrere Schachteln dieser Süßigkeit. "Man muss die Nachfrage nutzen", sagt der Verkäufer. Die ersten Neugierigen kamen vor vier Jahren nach Elizondo, damals erschien das erste Buch "El guardián invisible" (deutscher Titel: Das Echo dunkler Tage).

Das Debüt des auf Spanisch gleichnamigen Films in diesem März vergrößerte die Bekanntheit dieses Fleckchens. Baztán, das wird mit Hexerei und baskischer Mythologie verbunden. "Es ist unglaublich, die Leute kommen unaufhörlich", sagt María José Varela, die Besucher in Elizondo zu den Schauplätzen der Trilogie führt. Zwischen herrschaftlichen Bauten an kopfsteingepflasterten Straßen siedelt Autorin Redondo die Häuser ihrer Romanfiguren an. Und immer murmelt im Hintergrund der Fluss Baztán, der sich gleichsam als roter Faden durch die Trilogie windet.

"Konnte einfach nicht aufhören zu lesen"

"Diese Gegend hier ist in Wirklichkeit total ruhig", sagt Varela mit einem Lächeln, nachdem sie Touristen einige Zeilen aus Redondos Büchern vorgelesen hat. Eine der Stationen ihrer geführten Tour ist die Polizeiwache außerhalb von Elizondo. Dort versucht im Roman Kriminalinspektorin Salazar, hinter das Geheimnis der diversen Morde im Tal zu kommen. Weltweit haben Millionen die Baztán-Bücher gelesen. Auch Bewohner von Elizondo sind im Baztán-Fieber: "Ich habe ihre Bücher in zwei Wochen gelesen, ich konnte einfach nicht aufhören", sagt eine Nachbarin. "Der Schlüssel des Erfolgs liegt in der Mischung von Fiktion mit historischem Hintergrund und der Mythologie, die hier in Baztán so gegenwärtig ist", findet Varela.

Die Autorin selbst wurde in der baskischen Küstenstadt San Sebastián etwa 70 Kilometer von Elizondo entfernt geboren. Doch sie hat enge Bande zu dem Baztán-Tal. "Dies ist einer der wichtigsten Orte in Europa mit magischer Tradition", schreibt Redondo auf ihrer Homepage. "Hier fanden die meisten Hexenprozesse der spanischen Inquisition statt, und hier gab es die meisten wegen Hexerei verbrannten Menschen."

So findet sich knapp 30 Kilometer von Elizondo entfernt der Ort Zugarramurdi, bekannt für ein Urteil der spanischen Inquisition aus dem Jahre 1610. Damals wurde 21 Menschen der Prozess gemacht, elf von ihnen endeten auf dem Scheiterhaufen. In einer nahegelegenen riesigen Höhle sollen vor 400 Jahren Hexensabbate stattgefunden haben - und den heutigen Besuchern läuft beim Eintreten ein Schauer über den Rücken.

Quelle: n-tv.de

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