Reise
Ein Blick auf die Skyline der katalanischen Metropole.
Ein Blick auf die Skyline der katalanischen Metropole.(Foto: imago/Westend61)

Unterschiedlich große Urlaubskasse: "Oben und unten" in Barcelona

Von Carola Ferstl

Für den Preis einer Taxifahrt zum Münchner Flughafen kann man in fast jede europäische Hauptstadt fliegen. Ich entscheide mich für Barcelona. Jetzt im März erhoffe ich mir dort schon frühlingshafte Temperaturen, gut für mein Experiment.

Den ersten Tag verbringe ich im wahrsten Sinne ganz oben, bei den Jungen und Schönen im angesagten W Hotel direkt am Strand von Barcelona. Wie ein riesiges Segel steht das Gebäude mit blauspiegelnder Fassade auf dem äußersten Zipfel der Bucht und zeigt in seiner Größe und Schönheit den Anspruch der katalanischen Stadt am Meer als moderne und angesagte Metropole. War da noch irgendwo eine spanische Hauptstadt?

Für das Beachclub-Leben ist es zwar noch zu kühl, aber beim Blick auf die lässigen Terrassen und Infinity Pools kann ich mir leicht vorstellen, was für Partys hier im Sommer abgehen müssen. Feierstimmung verbreitet dann auch das kleine Tischchen mit Wodka, Gin und Rum, das ich gar nicht übersehen kann, direkt vor dem atemberaubenden Blick aus dem Zimmerfenster. 

Barcelona, das Meer und der strahlende Himmel - wie hingegossen für einen perfekten Tag. Am Hafen, quasi vor der Tür des Hotels, wartet ein rotes Ferrari-Cabrio, das man für 88 Euro ganze 20 Minuten durch die Stadt lenken kann. Und in den eleganten Flaniermeilen stehen schwarze Minibusse vor Chanel und Gucci, die betuchte Kundschaft diskret und direkt aus dem Hotel hierherchauffiert haben. So sieht die Welt ganz oben aus in Barcelona.

Bed & Breakfast statt In-Hotel

Am nächsten Tag nehme ich etwas wehmütig Abschied von der Aussicht und begebe mich quasi nach unten, in die Welt mit weniger Geld. Genauer in ein Bed & Breakfast an der heftig befahrenen Straße Via Laetania. Genau vor der Tür ist eine Ampel, an der Tag und Nacht Autos, LKW und kreischende Mofas Gas geben und mir den Schlaf rauben. Dafür kann ich hier für die Kosten einer Hotelnacht im W eine ganze Woche wohnen. Schlichtes Frühstück bekomme ich von der philippinischen Hausdame, die mit ihrer Schwester ebenfalls in der Wohnung lebt. Kontakt zu Reisenden aus Kanada, Nordkorea und den USA gibt es automatisch dazu, denn die Küche ist winzig und der Platz begrenzt. Auf der Via Gracia, wo gestern die reichen Chinesen Chanel-Taschen gekauft haben, bleibe ich heute am Gaudi-Haus vor einem Konzertflügel stehen. Mitten auf dem Gehweg lausche ich einem Gratiskonzert.

Immer noch im Bau: die Sagrada Familia, das Wahrzeichen Barcelonas.
Immer noch im Bau: die Sagrada Familia, das Wahrzeichen Barcelonas.(Foto: imago/CTK Photo)

Weiter auf der Gaudi-Tour durch die Stadt zum Park Guell, bei dem ich das Eintrittsgeld und Warten spare und ihn außen umrunde. Die berühmten Häuser des Architekten des katalanischen Modernisme bekomme ich so nur von oben zu sehen, aber den wunderbaren Blick auf Barcelona gibt es gratis - und am obersten Aussichtspunkt spielt eine spanische Flamenco-Truppe und lädt zum Tanzen ein. Dafür gönne ich mir dann aber doch die 18 Euro Eintritt (im Internet günstiger für 15 Euro, Wartezeiten kann man so vermeiden) für die immer noch im Bau befindliche Sagrada Familia, jenes Wahrzeichen der Stadt und unvollendetes Meisterwerk Gaudis. Schon von außen bin ich überwältigt von der Formenvielfalt und verstehe Gaudis Aussage von einer "Predigt in Stein", die die Kirche darstellt. Der Innenraum aber macht mich sprachlos. Steingewordene Bäume ragen in ein Blätterdach aus weißem und goldenen Mosaik. Wie ein lebender Körper scheint die Kirche zu atmen, die Sonne dringt durch die Glasfenster in Blutrot und Sattgrün. In 2026 soll das gesamte Gebäude fertig sein, ein Modell zeigt, wie großartig es wird. Ich hoffe, ein Teil meines Eintrittsgeldes kommt dem zugute und lausche einen Moment dem Gesang, der allerdings aus Boxen kommt. Machen solche Inszenierungen eigentlich mehr oder weniger Lust auf Kirche?

Vor der Kathedrale: Bürger Barcelonas tanzen den katalanischen Volkstanz Sardana.
Vor der Kathedrale: Bürger Barcelonas tanzen den katalanischen Volkstanz Sardana.(Foto: imago/ecomedia/robert fishman)

Tapas an jeder Ecke

Hunger und Durst treiben mich in die Altstadt (Barri Gòtic), kleine Gassen voller junger Menschen. Tapas "all you can eat" für 13,95 Euro, die zweite Person isst für die Hälfte. Auf dem Platz vor der Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert tanzen Menschen. Man kann sie kaum zählen, so viele sind es, die sich in mehreren Kreisen an den Händen halten und im Gleichklang kleine konzentrierte Schritte ausführen. Auf den Stufen ein Orchester aus elf Männern, das von einem quäkenden Blasinstrument dominiert wird. Hier wird Sardana getanzt, jener katalanische Volkstanz, der so sehr zur Identität gehört, dass er zu Francos Zeiten sogar verboten war, aber heute wieder voll Nationalstolz getanzt wird. (Ein Schuhplattler vor dem Münchner Rathaus käme mir ulkig vor.)

Schon heißt es Abschied nehmen von dieser aufregenden Stadt und wie jeden Abend habe ich die Qual der Wahl. Sonnenuntergang auf einer der schönsten Dachterrassen im Grand Hotel Centrale oder ein Bier für 1,80 Euro im "Sugar" in der Altstadt, wo Jimi Hendrix aus den Boxen dröhnt und ich mit jungen Leuten aus der ganzen Welt anstoße. Barcelona ist spannend und aufregend, genau richtig für einen spontanen Wochenendausflug, oben oder unten spielt da keine Rolle.

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Quelle: n-tv.de

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