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Freitag, 27. November 2009

"Kleine Sensation": Ostsee-Robben kehren zurück

Schiffstouren zu freilebenden Robben im Greifswalder Bodden sollen eine neue Touristenattraktion in Mecklenburg-Vorpommern werden. Jahrzehntelang waren die Tiere verschwunden, die Anfang des 20. Jahrhunderts als Fischräuber gejagt wurden.

Touristenattraktion: Kegelrobbe am Ostseestrand von Graal-Müritz bei Rostock.

Touristenattraktion: Kegelrobbe am Ostseestrand von Graal-Müritz bei Rostock.
(Foto: picture-alliance/ dpa)

Seit einigen Jahren beobachten Wissenschaftler wieder ein regelmäßiges Vorkommen, wie Henning von Nordheim vom Bundesamt für Naturschutz auf der Insel Vilm sagte. Am 5., 12. und 19. Dezember bietet nun erstmals die Weiße Flotte vierstündige Fahrten mit einem Ausflugsschiff zur Kegelrobben-Beobachtung auf den Bodden an.

Mit an Bord sei ein Biologe, teilte der Landestourismusverband in Rostock mit. "Die Rückkehr der Robben in die Region ist den Wissenschaftlern zufolge eine kleine Sensation", hieß es. Erstmalig sei zu beobachten, dass eine in der südlichen Ostsee bereits verschwundene Säugetier-Art ihren ursprünglichen Lebensraum zurückerobert.

Tourismus und Forschung

Die Beobachtungen bei den Touristenfahrten sollen auch die Forschung unterstützen. Bei jüngsten Zählungen haben Wissenschaftler zehn Kegelrobben im Bodden festgestellt. "Über Jahrzehnte gab es höchstens Einzeltiere, die ab und an gesichtet wurden", sagte von Nordheim. Seit fünf bis acht Jahren gebe es wieder ein regelmäßiges Vorkommen, anfangs seien es nur ein bis zwei Tiere im Winter gewesen. "In diesem Jahr haben wir erstmals durchgängig einige Tiere auch im Sommer gehabt."

Im Winter seien es natürlicherweise mehr, dann kämen auch Robben aus der nördlichen Ostsee. Junge Robben legten auf ihren Wanderungen locker 1500 Kilometer zurück, ehe sie sich dauerhaft an einem Ort ansiedeln. "Wir haben den Eindruck, dass dieser Prozess gerade stattfindet", sagte von Nordheim. Noch gebe es aber keine Nachweise für dauerhafte Liegeplätze der Robben an Land.

Urlauber fotografieren am Strand von Born (Fischland-Darß) einen Seehund, ein äußerst seltener Gast an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns.

Urlauber fotografieren am Strand von Born (Fischland-Darß) einen Seehund, ein äußerst seltener Gast an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns.
(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Wissenschaftler hofft, dass sich die Tiere von den Touristenschiffen nicht gestört fühlen. Dafür gebe es positive Anzeichen. Bei einer Testfahrt vor einigen Wochen hätten die Robben "erstaunlich gelassen" reagiert. Die Chancen, bei den Touren Kegelrobben zu sehen, stehen nicht schlecht. "An manchen Stellen liegen Steine knapp unter der Wasseroberfläche. Wenn die Robben darauf liegen, kann man das ganze Tier sehen und nicht nur den Kopf." Den drei Dezember-Terminen sollen bei Erfolg im kommenden Jahr eventuell regelmäßige Fahrten folgen.

Das neue Angebot der Weißen Flotte ist das zweite in Mecklenburg-Vorpommern, das sich mit der Beobachtung von Robben beschäftigt. In Warnemünde lädt eine 60 mal 40 Meter große schwimmende Forschungsanlage dazu ein, die Tiere zu beobachten, sie zu füttern und mit ihnen zu schwimmen.

dpa

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