Montag, 31. Januar 2011
Polizisten und Museumswächter: Plünderer in Kairoer Museum
Die Proteste in Ägypten gefährden auch die antiken Kunstschätze des Landes. Im Ägyptischen Museum, wo der Schatz des Tutanchamun ausgestellt ist, kommt es zu Plünderungen und Zerstörungen.Arabische Fernsehsender zeigten Bilder von umgestürzten Figuren und eingeschlagenen Vitrinen in der weltberühmten Antikensammlung. Die langjährige Direktorin des Museums, Wafaa el-Saddik, machte Wachpersonal und Polizisten dafür verantwortlich. Mittlerweile werde das Museum vom Militär geschützt.
Die Zerstörungen in der berühmten Antikensammlung von Kairo geschahen alle im ersten Stockwerk, wo auch der Schatz des Tutanchamun aufbewahrt wird, sagte el-Saddik dem Berliner "Tagesspiegel". "Es sind sehr viele Figuren auf den Boden geworfen und zerstört worden, darunter auch Götterfiguren aus dem Schatz des Tutanchamun". Die Antikensammlung beherbergt zahlreiche Fundstücke aus dem Grab des Tutanchamun, unter anderem die berühmte goldene Totenmaske des Pharaos.
"Unsere eigenen Leute"
"Das waren die Wächter des Museums, unsere eigenen Leute", sagte el-Saddik. Einige Polizisten hätten offenbar vorher ihre Jacken ausgezogen, "um nicht als Polizisten erkennbar zu sein". Eine zweite Gruppe der Täter sei über eine Feuerleiter durch die Dachfenster eingestiegen.
"Als die Menschen auf dem Tahrir-Platz gemerkt haben, was vorgeht, haben sie das gesamte Gelände sofort umgestellt", sagte sie "Zeit Online". Die Demonstranten hätten einige Täter festhalten können, andere seien entkommen. "Zum Glück war dann schnell das Militär zur Stelle, das am Freitagabend bereits auf dem Tahrir-Platz aufmarschiert war. Seitdem wird das Museum gut geschützt."
Wachpersonal sehr schlecht bezahlt
Die Plünderer hätten mehrere pharaonische Schmuckstücke gestohlen. Auch ein erst kürzlich eröffneter Anbau mit einem Andenkenladen sei ausgeraubt worden. Die Wachpersonal im Ägyptischen Museum werde extrem schlecht bezahlt, erklärte Wafaa el-Saddik. Die Archäologin war von 2004 bis Ende 2010 Direktorin des Museums in Kairo. Zuvor hatte sie viele Jahre in Deutschland gelebt.
Auch ein Museum in Memphis sei am Samstag früh komplett ausgeraubt worden. "Die Verantwortlichen dort haben mich in ihrer Verzweiflung angerufen und gefleht: "Rette uns, mach etwas"", schilderte el-Saddik "Zeit Online". In den Museen in Luxor und Assuan sei dagegen nichts passiert. "Das größte Problem ist der mangelhafte Schutz unserer Museen überhaupt", sagte sie. "Das Ägyptische Museum in Kairo und alle Museen in Ägypten sind überhaupt nicht versichert."
dpa
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