Donnerstag, 12. März 2009
Weniger Flüge, weniger Hotelbetten: Preise werden nicht gesenkt
Die deutsche Reisebranche stellt sich für den Sommer auf herbe Rückschläge ein und reduziert ihr Angebot an Flügen und Betten. Veranstalter, Fluggesellschaften und Hotelbetreiber hoffen aber trotz der weltweit schlechten Konjunktur auf die ungebrochene Reiselust der Deutschen und buhlen auch mit neuen Angeboten um die Gunst der Urlauber. Einen Preissturz wegen sinkender Nachfrage dürften Verbraucher aber nicht erwarten, hieß es am ersten Tag der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin.
"Die Reisebranche steht vor neuen und bisher in dieser Form nicht gekannten Herausforderungen", sagte der Präsident des Deutschen ReiseVerbandes (DRV), Klaus Laepple. Bei jedem siebten Deutschen wirkt sich nach einer Studie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) die Finanzkrise auf die Urlaubsplanung aus. Nach der Untersuchung, die als wichtigste deutsche Reiseanalyse gilt, sehen sich 21 Prozent der Bundesbürger von der Finanzkrise persönlich betroffen.
Urlaub ist den Deutschen wichtig
Die Forscher gehen allerdings davon aus, dass der Anteil der Bundesbürger, die in den Urlaub fahren, in diesem Jahr nur von 76 auf 73 Prozent zurückgeht. Urlaubsreisen hätten für die Deutschen weiterhin hohe Priorität, sagte der Tourismusforscher Martin Lohmann. Wenn aufs Reisen verzichtet wird, dann eher auf Kurztrips und auf zusätzliche Touren neben der Haupturlaubsreise.
Im vergangenen Jahr haben die Bundesbürger nach der Analyse insgesamt 64 Millionen Urlaubsreisen von mindestens fünf Tagen Dauer unternommen. Das waren 1,1 Millionen Reisen mehr als 2007. Der Anteil der Deutschen, die ihre Koffer für eine Urlaubsreise packten, stieg 2008 von 74,8 auf 76,2 Prozent.
Wie es in diesem Jahr weiter geht, darüber wagte der Branchenverband DRV keine konkrete Prognose. Allerdings seien Urlaubsreisen weniger konjunkturabhängig als Geschäftsreisen, die zuletzt einen tiefen Einbruch hinnehmen mussten. Laepple sagte: "Unser Ziel ist es, das Vorjahresergebnis wieder zu erreichen." Mit den aktuell reduzierten Kapazitäten könnten Verbraucher aber nicht auf Preisschnäppchen zum Sommerbeginn hoffen.
Air Berlin verringert Angebot
Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin verringert für den Sommer ihr Angebot um fünf bis sechs Flugzeuge gegenüber dem Vorjahr. Air-Berlin-Chef Joachim Hunold sagte: "Wir passen das auf Monatsbasis an." Derzeit hat Air Berlin 125 Maschinen. Zugleich bekräftigte Hunold, dass Air Berlin den Verkauf der 2007 übernommenen Fluggesellschaft LTU erwäge.
Der viertgrößte deutsche Reiseveranstalter alltours erwartet für den Sommer bis zu zehn Prozent weniger Gäste. Derzeit liege das Umsatzminus bei den Sommerbuchungen sogar bei zwölf Prozent, teilte alltours-Chef Willi Verhuven mit. "Durch tägliche Negativmeldungen sind viele Verbraucher verunsichert und zögern zum Teil ihre Urlaubsbuchungen für den Sommer hinaus." Um die Wirtschaftlichkeit zu stabilisieren und einen Preisverfall zu verhindern, habe man 15 Prozent der Flugkapazität aus dem Markt genommen.
Jeder Zweite will nach Europa
Nach dem aktuellen ADAC-Reisemonitor wollen fast zwei Drittel (rund 64,5 Prozent) der Deutschen trotz der Wirtschaftskrise 2009 mindestens eine längere Urlaubsreise unternehmen. Im Jahr zuvor planten noch 67,1 Prozent der Befragten mindestens eine größere Reise. Damit bleibe die Zahl der Urlaubsreisen auf hohem Niveau, urteilte der ADAC unter Berufung auf die repräsentative Studie, für die 4000 Mitglieder befragt worden waren.
Mehr als jeder Zweite (55,3 Prozent) will nach der Umfrage in einem europäischen Land Urlaub machen. Spanien und Italien liegen im europäischen Ausland weit vorn. Ein gutes Drittel will seine Ferien in Deutschland verbringen. Knapp 15 Prozent planen eine Fernreise. Dabei bleiben die USA das wichtigste Zielland.
Werbung mit Niedrigpreisen
Das Reiseland Deutschland wirbt künftig auch mit einem besonders niedrigen Preisniveau für den Urlaub zwischen Nord- und Ostsee sowie Alpen. "Qualität mit Preisgefühl - Reiseland Deutschland. Gebucht. Gespart", lautet das Motto einer neuen Kampagne im In- und Ausland, sagte die Chefin der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), Petra Hedorfer. Die Preise seien in vielen Herkunftsländern der Gäste noch nie so wichtig gewesen wie heute.
Bei der weltgrößten Reisemesse ITB zeigen bis Sonntag mehr als 11.000 Aussteller aus 187 Ländern Reiseziele und neue Trends. Offizielle Partnerregion ist "Ruhr 2010", die Kulturhauptstadt im kommenden Jahr. Die Fachmesse ist am Wochenende auch für das Publikum geöffnet. Erwartet werden insgesamt 170.000 Besucher.
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