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Der Ort Prora ist vor allem wegen der auffälligen ehemaligen Nazi-Gebäude bekannt, die nun komplett saniert werden.
Der Ort Prora ist vor allem wegen der auffälligen ehemaligen Nazi-Gebäude bekannt, die nun komplett saniert werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Fast so groß wie Binz: Prora soll zum Seebad werden

Vor 80 Jahren wurde die Ferienanlage Prora auf Rügen von den Nazis gebaut. Nun wird kräftig saniert und die Gemeinde Binz will, dass Prora den Titel "Seebad" bekommt. Damit möchte sie von den Touristen profitieren. Doch das Projekt steht erst am Anfang.

Prora auf der Insel Rügen könnte bald ein Seebad werden. Die Gemeindevertretung von Binz, zu dem Prora als Ortsteil gehört, hat den Titel und den Beitritt der Gemeinde zum Heilbäderverband des Landes beantragt.

Der Umbau der von Nazis als "Kraft durch Freude-Seebad der 20.000" geplanten Riesenimmobilie war nach Anlaufschwierigkeiten zuletzt kräftig in Schwung gekommen. "Prora entwickelt sich rasant und ist bereits jetzt fast so groß wie Binz", stellte Bürgermeister Karsten Schneider fest.

Die werbeträchtige und wegen der Kurtaxe auch finanziell lukrative Bezeichnung "Kurort" wird vom Sozialministerium vergeben. Im Landesgesetz über die Anerkennung als Kur- und Erholungsort sind sieben verschiedene Arten verankert: Heilbad, Seeheilbad, Seebad, Kneipp-Heilbad, Kneipp-Kurort, heilklimatischen Kurort und Luftkurort.

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Ausschlaggebend für den geplanten Antrag seien neben touristischen Erwägungen vor allem finanzielle Gründe. Für Strandreinigung, Besetzung von Rettungstürmen oder den Bau von Toiletten müsse die Gemeinde in Vorkasse gehen. 

Ort mit viel Geschichte

Die Nationalsozialisten hatten in der einst bewaldeten idyllischen Prorer Wiek direkt am Ostsee-Strand durch Zwangsarbeiter ein riesiges "Kraft durch Freude"-Heim errichten lassen. Dort sollten die Massen im Erleben eines preiswerten Ostseeurlaubs auf Systemtreue getrimmt werden. Die Arbeiten an der 4,5 Kilometer langen Anlage wurden mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges eingestellt, der Bau nicht vollendet und auch nicht als Ferienheim genutzt.

Die Nationale Volksarmee zog zwischenzeitlich ein. Nach nach dem Zusammenbruch der DDR wurde der Bund zum Eigentümer. In den Blöcken I bis IV, die seit 2006 an Privatinvestoren verkauft wurden, entstanden und entstehen mehr als 1000 Eigentums- und Ferienwohnungen. Ein Gebäudeteil wird als Jugendherberge genutzt. Als neuer Eigentümer will der Landkreis auch Block V möglichst bald verkaufen.

Schneider sieht in der Beantragung des Seebad-Titels für Prora keine Parallelen zur NS-Geschichte. Erstmals werde das Areal jetzt einer breiten zivilen Nutzung zugeführt, sagte er. Für das bei Urlaubern begehrte Binz sei die Entwicklung Proras ein Gewinn. "Ich sehe zwischen den Ortsteilen Binz und Prora keine Konkurrenz, sondern eher eine Symbiose", erklärte der Gemeindechef. Während das alte Binz für das Elegante und Mondäne stehe, könne Prora das Junge, Frische und Szenehafte repräsentieren.

Debatte über "Enthistorisierung"

Das Ostseebad Binz gilt mit 5900 Einwohnern und über 14 500 Urlauberbetten schon als größter Urlaubsort auf Rügen. Rund 400.000 Gäste werden dort jährlich gezählt bei insgesamt 2,2 Millionen Übernachtungen. Museen und Vereine, die sich mit der Geschichte der KdF-Anlage in Prora befassen, beklagen eine zunehmende Dominanz des Tourismus und eine "Enthistorisierung" des Ortes. So könne das Prora-Zentrum seine Ausstellung nicht mehr im Block V zeigen, da der Putz von der Fassade falle, hatte Leiterin Susanna Miskgajski erst kürzlich beklagt.

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Quelle: n-tv.de