Mittwoch, 09. August 2006
Gefährliche Souvenirs: Reisekrankheiten
Vergangene Woche im Flieger war alles in Ordnung, gestern kam das Fieber. Auch nach einem Urlaub sollte man Krankheitssymptome nicht auf die leichte Schulter nehmen, warnt Prof. Emil Reisinger vom Tropeninstitut in Rostock.
"Man kann noch Wochen, Monate und Jahre nach einem Auslandsaufenthalt eine Reisekrankheit bekommen." Jeder Zweite wird laut Statistiken während oder nach einer Reise krank. "In fast zwei Dritteln der Fälle handelt es sich um Durchfall", sagt Reisinger. Bei Reisen ans Mittelmeer ist er das häufigste Mitbringsel und nach zwei bis drei Tagen wieder vorbei. Sollte er länger anhalten, ist sofort ein Arzt aufzusuchen. "Hierbei kann es sich um eine Amöbenruhr handeln, die meist nach acht bis zehn Tagen wieder verschwindet, langfristig aber noch zu einem gefährlichen Amöben-Leberabszess führen kann", warnt der Experte.
Andere Bakterien, Viren und Wurmerkrankungen können ebenfalls zu Durchfall führen. "Hält dieser lange an oder ist er blutig, muss sofort ein Arzt aufgesucht werden", sagt Anja Kempin vom Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf. In Ausnahmefällen haben Patienten Monate lang Würmer im Darm - ohne Beschwerden und ohne es zu ahnen.
"Je weiter weg man war, desto wichtiger ist es auch Monate nach der Reise noch, aufmerksam zu sein", rät Kempin. Die gefährlichsten Krankheiten bekomme man während einer Reise in die Tropen - allen voran die Malaria. 87 Prozent der Malariaerkrankungen kommen laut dem Robert Koch Institut (RKI) in Berlin als Import aus Afrika. Mehr als zwei Drittel davon seien der gefährlichen Malaria Tropica zuzuordnen.
"Das Risiko eines ungeimpften Touristen bei einem zweiwöchigen Aufenthalt liegt bei etwa bei zwei bis vier Prozent", sagt Reisinger. Typische Anzeichen der Malaria Tropica sind Schweißausbrüche, hohes Fieber, Schüttelfrost und Bewusstseinsstörungen. "Wenn man innerhalb von 24 Stunden nach dem ersten Fieber einen Tropenmediziner aufsucht, liegen die Heilungschancen bei 100 Prozent", erklärt Reisinger. Jeder weitere Tag ohne Behandlung verringere die Chance.
"Rucksacktouristen benötigen anderen Schutz als Pauschalurlauber", so Reisinger. Auch für Vorab-Impfungen gegen andere Tropenkrankheiten wie Typhus, Gelbfieber, Tollwut sowie Hepatitis A und B ist vor jeder Reise eine individuelle Beratung erforderlich.
Um Schutz vor Mücken müssen sich Touristen auch fernab der Malariagebiete kümmern. "Mücken übertragen eine Vielzahl anderer Krankheiten", sagt Anja Kempin. Etwa in den USA und in Kanada können Stechmücken das West-Nil-Fieber übertragen: "Betroffene bekommen Fieber, Hauterscheinungen und in schweren Fällen eine Hirn- oder Hirnhautentzündung."
Weitere Gefahr gehe von Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung oder Masern aus. "Manche vergessen, ihre Kinder gegen Masern und Kinderlähmung zu impfen, weil sie denken, die Krankheiten gibt es nicht mehr", warnt Prof. Reisinger. Doch in Ländern mit niedrigerem Hygienestandard als in Deutschland kommen sie noch häufig vor.
Auch Geschlechtskrankheiten wie Syphilis oder Hepatitis B sind im Ausland stärker verbreitet. "330 Millionen Menschen holen sich jährlich eine Geschlechtskrankheit -und da sind die HIV-Fälle nicht eingerechnet", sagt Kempin. Aber eben auch das Aids verursachende HI-Virus wird auf sorgenfreien Reisen schnell verbreitet: "Unter 1000 Reisenden kommt ein Infizierter zurück", beklagt Emil Reisinger.
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