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Kenny Jacobs will mit Ryanair weiter den deutschen Markt erobern - und attackiert die Konkurrenten.
Kenny Jacobs will mit Ryanair weiter den deutschen Markt erobern - und attackiert die Konkurrenten.

Kampf um jeden Passagier: Ryanair setzt auf "Geiz ist geil"

Kaum eine Billigfluggesellschaft hat in den vergangenen Jahren so viele Schlagzeilen gemacht wie Ryanair. Die Low-Cost-Airline will den Wettbewerb am Himmel verschärfen. Ryanair will immer noch der "Challenger" sein, verrät Marketing-Chef Kenny Jacobs im Interview.

n-tv.de: Ryanair baut jetzt verstärkt die Strecken in Deutschland aus. Warum ist Deutschland so wichtig für Ihr Unternehmen?

Kenny Jacobs: Deutschland ist Europas größtes Land und wir haben hier nur fünf Prozent Marktanteil, im Kontrast dazu haben wir europaweit durchschnittlich 15 Prozent Marktanteil. Deutschland ist ein Markt, der mehr Auswahlmöglichkeiten, niedrige Preise und insbesondere mehr Auswahl bei Low-Cost-Arlines braucht. Das ist es, was Deutschland für uns so wichtig macht. Das ist der Grund, warum wir unser großes Wachstum in Berlin verkündet haben und unsere neuen Basisstationen in Hamburg und Nürnberg aufbauen.

n-tv.de: Niedrige Preise, mehr Strecken: Wie kann das Unternehmen solche Angebote machen und gleichzeitig konkurrenzfähig bleiben?

Es sind zwei Dinge: Fokussiert sein und die Kosten immer im Auge behalten. Wir machen eine Sache besonders gut. Alle unsere Flugzeuge sind gleich, wird sind darauf konzentriert, Kosten zu sparen und wir versuchen, immer die besten Deals zu machen. Wir haben einen Kostenvorteil gegenüber all unseren Mitwettbewerbern. Jede Airline hat momentan den Vorteil, dass der Ölpreis niedrig ist. Und wir geben das an unsere Kunden weiter, sodass auch der Ticketpreis niedrig ist. Es geht um Einfachheit und darum, sich zu fokussieren, ein Produkt mit großer Beständigkeit zu haben.

Ryanair wird mit dem neuen Winterflugplan noch mehr Reiseziele im Ausland anfliegen.
Ryanair wird mit dem neuen Winterflugplan noch mehr Reiseziele im Ausland anfliegen.(Foto: picture alliance / dpa)

Seit Kurzem ist die Lufthansa-Tochter Eurowings mit einer großen Werbeoffensive auf den Markt gekommen. Wie schätzen Sie die Marktposition ein?

Ich liebe Opposition auf dem deutschen Markt. Eurowings versucht, größer zu werden – mehr als dass sie es wirklich tut. Wir sehen Air Berlin kleiner werden und Lufthansa ist eine gute Airline, hat aber die vielen internen und externen Baustellen. Wir kennen die deutsche Landschaft und sie passt sehr gut zu uns. Geiz ist geil in Deutschland. Deutsche mögen gute Deals. Und wir wissen: Wir haben einen besseren Deal als alle anderen. Am Ende stimmen die Menschen mit ihren Geldbeuteln ab und sie wollen die günstigsten Preise.

Was ist sind die Charaktereigenschaften der Marke Ryanair? In der Vergangenheit gab es ja schon die eine oder andere verrückte Idee, mit der die Marke Schlagzeilen gemacht hat, zum Beispiel mögliche Gebühren für Toilettenbenutzung. Wie sehen Sie die Marke jetzt?

Wir sind Herausforderer, wir sind Spalter, das sind wir auch schon immer gewesen. Wir haben das Quer-durch-Europa-Fliegen für jedermann möglich gemacht. Wenn wir 20 Jahre zurückdenken, da war das Fliegen von Berlin in eine andere Hauptstadt sehr teuer. Es waren Politiker, Geschäftsleute, die das gemacht haben und Menschen mit viel Geld. Wir haben eine große Rolle dabei gespielt, die Industrie aus Sicht der Konsumenten zu verändern. Zu manchen Zeiten waren wir etwas zu verrückt, es gab Zeiten, da haben wir weniger Dinge gemacht, die gut für unsere Kunden waren. Aber in den letzten zwei Jahren haben wir große Veränderungen durchlaufen. Wir haben immer noch den Spirit. Wir mögen es, der Herausforderer zu sein. Wir mögen es, wenn die Leute sagen "ja, die machen Dinge, die andere Airlines nicht tun". Das liegt teilweise auch daran, dass wir irisch sind. Wenn man auf die Fluggesellschaften in Europa schaut, die können ganz schön langweilig sein. Und wir möchten einfach etwas mehr Spannung reinbringen. Wir freuen uns, zu stören.

Wie würden Sie den Flug-Markt aktuell beschreiben?

Der Markt hat in den letzten Jahren einen Wandel durchschritten. Aber ich denke, in den nächsten fünf Jahren werden wir einen signifikanten Wandel erleben. Low-Cost-Airlines werden den europäischen Markt dominieren. Und wenn Europäer darüber nachdenken, von Berlin nach Barcelona, von Berlin nach London zu fliegen, da bin ich mir sicher, dass sie an Low-Cost-Airlines denken. In der Vergangenheit war die Luftfahrtbranche etwas angestaubt, dominiert von Regulierungen, Bürokratie und teuren Flugzeugen.

Mit Kenny Jacobs sprach Sonja Gurris.

Quelle: n-tv.de