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Klimawandel vertreibt Schnee: Schneesichere Skigebiete werden weniger

Zu milde Temperaturen sind für Wintersport-Orte existenzbedrohend. Vielerorts müssen Schneekanonen richten, was die Natur nicht hergibt. Manche Politiker fordern deshalb ein Umdenken bei der touristischen Infrastruktur.

Wenn Sie einen Winterurlaub in deutschen Skigebieten gebucht haben, sind Sie sicherlich nervös und fragen sich, ob Ihre Piste schneesicher ist. Das bange Warten auf Schnee ist bei ganzen Wintersportgebieten in Deutschland Normalität geworden. In den Gebirgsregionen erwartet die Bundesregierung ein Temperaturanstieg von mehr als zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau, wie es in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion heißt. Allein bei einem Anstieg um zwei Grad aber sinke die Anzahl der natürlich schneesicheren Skigebiete in den bayerischen Alpen auf neun Prozent.

Weiter heißt es unter Berufung auf eine Erhebung des Deutschen Alpenvereins - bereits aus dem Jahr 2013 -, dass gut die Hälfte der Skigebiete bereits heute auf künstliche Beschneiung angewiesen sei. Künftig könnten gut 30 Prozent so schneesicher gehalten werden.

Im Berchtesgardener Land, im Erzgebirge und in der Zuspitzregion hat die natürliche Schneesicherheit nach Angaben der Bundesregierung abgenommen. Die 100-Tage-Regel, wonach etwa ein Drittel des Jahres der Wintersport-Tourismus aufgrund von Schneesicherheit stattfinden kann, trifft für deutsche Skigebiete in den vergangenen Jahren nicht mehr zu. In einer früheren OECD-Studie heiße es, dass bei einer Temperaturanhebung um zwei Grad mit einer Verschiebung der Höhengrenze für die natürliche Schneesicherheit um 300 Höhenmeter ausgegangen werde.

Immer öfter müssen die Schneekanonen die Hänge weiß färben - sonst bleiben die Touristen aus.
Immer öfter müssen die Schneekanonen die Hänge weiß färben - sonst bleiben die Touristen aus.(Foto: picture alliance / dpa)

Das alarmiert den Grünen-Bundestagsabgeordnete Markus Tressel, denn manche Orte investieren immer weiter in Skiinfrastruktur, obwohl nachweislich die Schneesicherheit dort geringer werde. Aus der Sicht von Markus Tressel seien das Fehlinvestitionen. Ein Beispiel dafür sei eine Beschneiungsanlage in Sudelfeld mit einem Investitionsvolumen in Höhe von drei Millionen Euro. Tressel kritsiert: "Es darf keine Neuinvestitionen von öffentlichen Geldern in Skiinfrastruktur geben. Wir brauchen eine Lösung, die Tourismuspotenziale systematisch erfasst und neue Förderrichtlinien, die Alternative Formen des Wintertourismus schon kurzfristig stärken."

Auswirkungen auf Beschäftigte

Bedrohte Skigebiete würden ohne Alternativen dann auch die wirtschaftliche Folgen spüren. Es droht der Rückgang der Beschäftigung und der regionalen Wertschöpfung. "Diese Effekte hängen allerdings stark davon ab inwieweit Unternehmen oder Destinationen ihre wirtschaftliche Abhängigkeit vom Skitourismus durch alternative Angebote, etwa im Bereich des Wander- und Gesundheitstourismus verringern können", heißt es von Seiten der Bundesregierung.

Am Skitourismus hängen viele Arbeitsplätze. Inwiefern die Erkenntnisse zum Klimawandel in die Weiterentwicklung der Infrastruktur einbezogen werden, hängt wohl davon ab, ob sich Verantwortliche in deutschen Skigebieten die dauerhafte Erwärmung eingestehen.

Quelle: n-tv.de

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