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Vorsichtige Annäherung mit den Touristen.
Vorsichtige Annäherung mit den Touristen.(Foto: Liv von Boetticher-Germeroth)

Das Paradies auf den Bahamas: Schwimmende Schweine und zahme Rochen

Von Liv von Boetticher-Germeroth

Beim Gedanken an den Karibik-Staat klopft bei mir das Fernweh an: Bahamas, das hört sich nach weißen Stränden, klarem Wasser und schwimmenden Schweinen an. Und das Beste: die karibischer Exotik ist näher, als man glaubt!

Zugegeben, mein Interesse an den Bahamas wurde durch eine ziemlich vergriffene Reisebroschüre geweckt. Zu sehen: ein drolliges Ferkelchen, das keck seinen sandigen Rüssel in die Kamera streckt und dabei ziemlich professionell im türkisblauen Wasser posiert. Gibt es nicht? Gibt es wohl!

Auf einer Fläche etwa so groß wie Deutschland erstrecken sich über 700 Inseln und Inselchen.
Auf einer Fläche etwa so groß wie Deutschland erstrecken sich über 700 Inseln und Inselchen.(Foto: www.bahamas.de)

Und zwar auf den Bahamas. Gesagt, getan: ich fliege um die halbe Welt, auf der Suche nach dem Borstenvieh. Das Inselreich der Bahamas erstreckt sich über ein langgezogenes und weitgestrecktes Areal südlich von Florida, fast so groß wie Deutschland. Mehr als 700 Inseln verzaubern die Besucher mit ihrem hellen Pudersand - nur 30 von ihnen sind bewohnt.

Paradies kurz hinter Miami

Der Inselstaat bietet nicht nur atemberaubende Strände, unberührte Natur und eben jene freischwimmenden Schweine - er ist auch näher als gedacht. Direktflüge ab Deutschland gibt es zwar auf die Bahamas nicht, ein Stopover, idealerweise in Miami, verkürzt die gefühlte Reisezeit jedoch ungemein. Den Jetlag etwas auskurieren und noch einmal das pralle (Nacht-)Leben von Miami auskosten, bevor es in die karibische Idylle geht. Gerade wenn man die Anreise über die Metropole an Floridas Südspitze wählt, sind die Bahamas ein wirklich einfach zu erreichendes Reiseziel.

Schon aus dem Flugzeug ist zu erahnen, wie traumhaft das Karibische Meer ist.
Schon aus dem Flugzeug ist zu erahnen, wie traumhaft das Karibische Meer ist.(Foto: Liv von Boetticher-Germeroth)

Der Flug von Miami nach Nassau, George Town oder einem anderen Inselflughafen dauert zwischen 30 Minuten und etwa einer Stunde - traumhafter Blick über die Inselwelt inklusive. Zu den nahe an Florida gelegenen Inseln kann man sogar ein Boot nehmen.

Welche Insel ist die richtige für mich?

Vielleicht ist es die Qual der Wahl, die einige Reisende von einem Aufenthalt auf den Bahamas abschreckt, denn jede der 30 bewohnten Inseln hat ihr eigenes Flair, ihre eigene Zielgruppe. Und egal, wo man landet, der Himmel ist eigentlich immer blau, das Meer türkis, die Strände feinsandig. Schwierig, sich bei so viel Paradies für die richtige Bahamas-Insel zu entscheiden! Doch ob als Individual-Reisender oder Pauschal-Tourist, ob mit Kindern oder ohne, ob Backpacker oder Golf-Spieler: jeder Besucher findet etwas nach seinem Geschmack. Hier ein kleiner Überblick:

Zum Träumen verführt? Viele Pensionen und Hotels haben Zugang zu einem privaten Strand.
Zum Träumen verführt? Viele Pensionen und Hotels haben Zugang zu einem privaten Strand.(Foto: Liv von Boetticher-Gemreroth)

Die besonders nahe an Florida gelegenen Inseln Grand Bahama Island, Bimini und Paradise Island mit der Hauptstadt Nassau sind vor allem bei US-amerikanischen Party-Touristen sehr beliebt, auch Tagesausflügler aus Florida kommen gerne mit dem Shuttleboot zu den wenige Kilometer entfernten Inseln rüber. Wer nach Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, findet hier eher feierwütige US-Amerikaner, doch wer mit Kindern unterwegs ist, wird in Hotels wie dem Atlantis auf Paradise Island mit vielseitigen Kinderangeboten seine wahre Freude haben. Den karibischen Zauber haben sich die Bahamas bis heute erhalten, besonders auf etwas abgeschiedeneren Inseln, wie zum Beispiel Eleuthera und den Exumas, wo sich unter anderem besagte Schweinchen tummeln.

Wenn die Karibik auf den Atlantik trifft

Wie blau kann das Meer sein? Auf Eleuthera gibt es auf diese Frage verschiedene Antworten.
Wie blau kann das Meer sein? Auf Eleuthera gibt es auf diese Frage verschiedene Antworten.(Foto: www.bahamas.de)

Eleuthera bildet zusammen mit den Abacos und Cat Island den äußeren Rand der Bahamas: hier kann man wunderbar beobachten, wie der Atlantik auf das Karibische Meer trifft. Das tiefe Dunkelblau kommt durch den viel tiefer liegenden Meeresboden des atlantischen Ozeans; zwischen den Bahamas-Inseln ist das Wasser hingegen vielerorts nur wenige Meter tief. Durch die Nähe zum Atlantik kann es auf Eleuthera zu starken Winden kommen, was aber niemanden davon abhalten sollte, den wunderschönen Pink Sands Beach zu besuchen. Auf Eleuthera haben sich außerdem eine Reihe der luxuriösesten Hotels niedergelassen und das schmale Eiland bietet sogar Platz für einen Golfplatz.

Doch auch Golfplätze können mich nicht locken, ich möchte nach Great Exuma, der größeren der beiden Exuma-Inseln. Auf ihr gibt es eine ganze Reihe an Ferienunterkünften, von einfachen Strandhütten im Backpackerstyle, über kleine Bed&Breakfast-Unterkünfte bis hin zu recht luxuriösen Hotelketten - trotzdem ist die Insel alles andere als überlaufen!

Von Exuma aus kann ich die Tour zu den Bahamas-Schweinen starten - denn wider Erwarten laufen diese hier nicht überall frei herum. Man muss über eine geführte Tour zu ihnen kommen. Ein Motorboot bringt uns zu den etwa 20 Minuten entfernten kleinen Inselchen, auf denen die Schweine heute leben. Tourführer Raymond Lightbourn erzählt uns, dass die ersten Borstentiere vor mehr als 200 Jahren von den Spaniern ausgesetzt wurden - die Inseln dienten sozusagen als Vorratskammern: Immer wenn man ein Schwein brauchte, holte man es sich dort ab. Die restliche Zeit versorgten sich Tiere selbst.

Was die Touristen können, können die Schweine schon lange: Im Sand liegen und entspannen.
Was die Touristen können, können die Schweine schon lange: Im Sand liegen und entspannen.(Foto: Liv von Boetticher-Germeroth)
Wie kommen Schweine in die Karibik?

Die heutigen Bahamas-Schweine sind zu touristischen Zwecken angesiedelt worden. Und das Geschäft boomt: Kaum eine Reise in den Inselstaat endet ohne ein Porträt mit Schwein im Karibischen Meer. Der Exuma-Distrikt umfasst mehr als 360 Inseln, die Größte von ihnen ist mit 60 Kilometern Länge Great Exuma. Auf den Bahamas gibt es nur sehr wenig Verkehr, ein Auto kann man sich für circa 25 Dollar pro Tag mieten. Zwar kommen die meisten Touristen wegen der Traumstrände rund um ihre Hotels, doch es gibt auch außerhalb der Anlagen viel zu entdecken.

So idyllisch und still wie auf einer einsamen Insel: der Tropic of Cancer Beach.
So idyllisch und still wie auf einer einsamen Insel: der Tropic of Cancer Beach.(Foto: Liv von Boetticher-Germeroth)

Der schmale Insel-Highway führt mich in den Süden. Das Ziel: Der Tropic of Cancer Beach. Hier verläuft der nördliche Wendekreis des Krebses (23° 26′ 05″ N), wo die Mittagssonne gerade noch den Zenit erreicht. Laut Tripadvisor soll es einer der weltweit schönsten Strände sein, einsam gelegen und ohne viele Besucher. Als ich ankomme, ist wirklich niemand da. Der Sand ist so strahlend weiß, dass es in den Augen schmerzt und das Wasser so klar und blau, dass man sofort hineinspringen möchte. Dieser Strand ist ohne jeden Zweifel einer der schönsten der Welt.

Die Inseln zu erkunden lohnt sich

Unscheinbarer Tempel für Gourmets: bei Santana's gibt es frischen Hummer und Co.
Unscheinbarer Tempel für Gourmets: bei Santana's gibt es frischen Hummer und Co.(Foto: Liv von Boetticher-Germeroth)

Nach weiteren zehn Minuten Fahrt erreiche ich zum Mittagessen einen echten Geheimtipp: Santana's Bar and Grill, eine einfach aussehende bunte Holzhütte ohne feste Wände, direkt am türkisblauen Meer gelegen. Hier soll es den besten Hummer der Bahamas geben. Im Gästebuch des kleinen Strandimbisses finde ich Bilder von Johnny Depp und Orlando Bloom, die während den Dreharbeiten zu "Fluch der Karibik" hier öfter vor Anker gingen und einkehrten.

Der Hummer für umgerechnet 10 Euro wird fangfrisch und auf Papptellern serviert. Dazu gibt es selbstgemachten Krautsalat und Zwiebelringe. Das Essen ist einfach köstlich und die nette Bedienung hinterm Tresen zu vielen Späßen aufgelegt. Im Schuppen neben dem kleinen Imbiss hat sich die Großmutter der Familie mit Mom's Bakery niedergelassen. Hier gibt es einen unfassbar guten Rumkuchen, den man sich trotz vollen Hummer-Bauchs auf gar keinen Fall entgehen lassen darf.

Ein zahmer Stachelrochen und ein Bündel Conch-Muscheln. Für die Rochen eine echte Leibspeise.
Ein zahmer Stachelrochen und ein Bündel Conch-Muscheln. Für die Rochen eine echte Leibspeise.(Foto: Liv von Boetticher-Germeroth)

Einige hundert Meter vor Great Exuma liegt die kleine Insel Stocking Island - wie der Name schon sagt: die Vorratsinsel der ersten Siedler. Heute ist sie ein Ausflugsziel und feste Schuhe sind hier tabu. In bunten Strandhütten werden allerlei Leckereien angeboten, unter anderem ein Salat aus dem Fleisch der Conch, einer rosa schimmernden großen Muschel. Der Salat wird mit Tomaten, Paprika und Limone serviert und ist sehr erfrischend und köstlich. Die Überreste der Conch dürfen Touristen verwenden, um zahme Stachelrochen anzulocken.

Die eigentlich scheuen Tiere sind an Menschen gewöhnt und saugen die Muschelreste über ihren am Bauch liegenden Mund aus der Hand der Menschen ein. Die Rochen sind bis zu zwei Meter lang und wenn sie als Schatten auf dem Meeresboden entlanggleiten, sind sie ziemlich respekteinflößend. Aus meiner Hand fressen sie jedoch ganz vorsichtig, fast so, als wollten sie mir nicht allzu viel Angst einjagen. Ein unbeschreibliches Gefühl. Wer auf den Bahamas nicht ins Träumen gerät, dem muss wohl eine der vielen Kokosnüsse vom Wegesrand auf den Kopf gefallen sein. Weißer Sand, schattenspendende Palmen, türkisfarbenes Meer, blauer Himmel, schwimmende Schweine und zahme Rochen. Zehn Tage war ich insgesamt auf Great Exuma - und bestimmt nicht zum letzten Mal.

Quelle: n-tv.de