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Diese Skifahrer auf dem Hermon können ins syrische Kriegsgebiet blicken.
Diese Skifahrer auf dem Hermon können ins syrische Kriegsgebiet blicken.(Foto: REUTERS)

Wintersport in Israel: Ski fahren mit Blick auf den Syrienkrieg

Auf der einen Seite vergnügen sich Skifahrer, auf der anderen herrscht Krieg. Das israelische Wintersportgebiet Hermon liegt auf den Golanhöhen und ist damit nur wenige Kilometer vom Kriegsschauplatz Syrien entfernt.

Nur der verschneite Bergkamm des Hermon trennt zwei Welten. In der einen tobt der syrische Bürgerkrieg. In der anderen wedeln israelische Touristen zwischen Soldaten die Pisten herunter oder trinken Glühwein zu Technoklängen. Von der Ankunft des Sessellifts in 2200 Meter Höhe aus ist an klaren Tagen Damaskus zu sehen. Die syrische Hauptstadt ist nur 40 Kilometer entfernt, doch unerreichbar für die Skifahrer, die hier sorgfältig ihre Sonnencreme auftragen. Denn seit bald 50 Jahren sind beide Länder formell im Kriegszustand. 1967 hatte Israel zwei Drittel der Golanhöhen erobert und später einseitig annektiert.

Für die israelischen Streitkräfte ist dieser Gebirgszug, der sich bis in den Libanon erstreckt, von höchstem strategischem Interesse. Doch sobald der erste Schnee niedergeht, wird der streng bewachte Rücken des Hermonbergs zum Skigebiet, das weltweit einzigartig sein dürfte. Die üblichen Schilder, die vorm Verlassen der präparierten Pisten warnen, sind hier äußerst wirkungsvoll, weil sie auf die benachbarten Minenfelder hinweisen. Antennenwälder markieren die israelischen Truppenstützpunkte. Soldaten sind überall sichtbar. An jeder Bergstation eines Lifts suchen militärische Vorposten den Horizont mit Feldstechern ab.

Wintersport-Areal und Kriegsgebiet liegen in unmittelbarer Nähe.
Wintersport-Areal und Kriegsgebiet liegen in unmittelbarer Nähe.(Foto: REUTERS)

"Wenn sich hier ein Syrer einschleichen will, muss er ein Ski-As sein", witzelt Nabir Abu Salech, Chef der Pistenwärter, und zeigt auf den Steilhang der zur syrischen Bergseite eine natürliche Barriere bildet. "Und im Sommer muss er ein Motocross-Meister sein." Die Armee fürchtet denn auch weniger Eindringlinge als Streufeuer von Artilleriegeschossen, sei es von den syrischen Regierungstruppen oder ihren Gegnern. "Wir haben deshalb schon mehrfach die Pisten räumen müssen. Aber wir sind darauf gut vorbereitet", erklärt Stationschef Liron Mills. "Doch wir spüren den Krieg hier eigentlich nicht. Wir sind gut geschützt durch Armee und Polizei, mit denen wir uns eng abstimmen", sagt Mills, der auch als Skilehrer tätig ist. Denn in seiner Freizeit unterrichtet er junge Wehrpflichtige, die hier Dienst schieben, im Anfängerkurs.

Soldaten patrouillieren auf Skiern

Trotz ihrer weißen Tarnuniformen fallen Soldaten auf den Hängen auf. Zum einen wegen der mitgeführten Gewehre, vor allem aber, weil sie im Schneepflug zwischen den geübten Touristen kurven. Israel ist im Allgemeinen eben eher bekannt für südliche Wüstenlandschaften. Aber sein einziges Wintersportgebiet kann bis zu 8000 Skifahrer täglich verkraften, denen 14 Abfahrten vom Schwierigkeitsgrad Grün bis Schwarz angeboten werden. Der 28-jährige Itay nahm die dreistündige Anreise von Tel Aviv in Kauf, "weil ich mich hier einen Tag lang wie im Auslandsurlaub fühlen kann". "Wir fahren doch weiter Bus trotz Bombenanschlägen, surfen trotz Raketen aus dem Gazastreifen - so wie die Franzosen nach den Anschlägen dort nicht auf Konzertbesuche verzichten", sagt er und reflektiert damit die unter Israelis verbreitete Denkweise.

Auf den Pisten tummelt sich ein Querschnitt durch die bunte Gesellschaft des Landes: Verschleierte Musliminnen fahren Slalom zwischen ultraorthodoxen Juden und dienstfreien UN-Soldaten, die auf dem Golan stationiert sind. Die gefährlichsten Projektile hier sind im Alltag Schneebälle. "Und sowieso hörst Du den Geschützdonner viel lauter in unseren tiefer gelegenen Dörfern als hier oben", sagt einer der Pistenbetreuer. Er stammt wie die meisten Saisonbeschäftigten aus den nahegelegenen drusischen Ortschaften. Und sein Chef Abu Salech, ebenfalls ein Angehöriger dieser verstreut im ganzen Nahen Osten lebenden Minderheit, fügt seufzend hinzu: "Wir träumen davon, dass eines Tages die Region so sicher ist, dass manche Pisten in Syrien enden. Und am Ende fährst du mit einem Sessellift aus dem Libanon wieder herauf zur Station."

Quelle: n-tv.de

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