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Gedränge auf dem Bahnhof ist bei weitem nicht das Nervigste, was einem Bahn-Reisenden geschehen kann.
Gedränge auf dem Bahnhof ist bei weitem nicht das Nervigste, was einem Bahn-Reisenden geschehen kann.(Foto: imago/Rüdiger Wölk)

Wo Kegelclubs wüten: So nervig kann Bahn fahren sein

Über die Bahn meckern ist schon fast so etwas wie ein Volkssport. Doch wenn man mal ehrlich ist, ist es nicht das Unternehmen, das einen in den Wahnsinn treiben kann - vielmehr sind es nervige Mitfahrer und alltägliche Dramen.

Ich bin seit Langem auf den Zug angewiesen. Seit über sechs Jahren besitze ich eine Bahncard. Meistens bin ich auch zufrieden mit der Leistung der Deutschen Bahn, vor allem auf der Langstrecke. Aber es gibt Momente, die mich seit ewigen Zugfahrten quer durch die Republik - von Dortmund nach Berlin, von Köln nach Frankfurt oder wohin auch immer - so richtig auf die Palme bringen. Das muss nicht unbedingt etwas damit zu tun haben, wie das Unternehmen arbeitet. Es sind eher die Mitfahrer und die unvorhergesehenen Ereignisse.

Vielleicht haben Sie das auch schon erlebt, die Chance ist jedenfalls groß. Ich renne wie eine Wahnsinnige über den Bahnsteig, um den ICE noch zu erreichen. Es ist geschafft, glücklich schnaufe ich durch. Das Schlimmste sollte jawohl vorüber sein. Doch nein, diese Sportleistung war nicht der nervige Höhepunkt des Tages. Im Zug eingestiegen, mit Mühe einen nicht reservierten Sitzplatz ergattert. Ein kurzer Moment der Ruhe bis, ja, bis die freundliche Mitfahrerin zu meiner Linken an ihr Handy geht.

Achtung - klingelnde Handys verheißen nichts Gutes

Gut, an sich ist das kein Ärgernis. Die fünf Minuten Dauerrauschen, ihr Telefonat mit ihrem "Schatzi" lasse ich mir gefallen. Alles kein Problem - eigentlich. Doch aus den fünf Minuten werden mindestens 20 und noch dazu scheint sich das zu einem ausgewachsenen Beziehungsstreit am Telefon - unter 100 Paar mithörenden Ohren in der Bahn - zu entwickeln. Ich frage mich wirklich, warum die junge Frau nicht auf die Idee kommt, wenigstens in den Türbereich zu wechseln, um nicht alle im Abteil mit ihrem Drama zu beschallen.

Wer großes Gepäck mit hat, kann im Zug Probleme bekommen.
Wer großes Gepäck mit hat, kann im Zug Probleme bekommen.(Foto: REUTERS)

Gegen Lauttelefonierer und Seniorenanrufe à la "Gerda, in 20 Minuten bin ich am Berliner Hauptbahnhof" ist kein Kraut gewachsen. Da hilft nur Musik in die Ohren, Ohrstöpsel oder meditatives Weghören. Es gibt kaum ein Entrinnen. Hat man es geschafft wegzudösen, dann ist es Murphys Law, dass der Schaffner zu 80 Prozent dann kontrolliert, wenn man gerade schön gemütlich eingeschlummert ist. Dafür kann niemand was, es ist aber ein Ärgernis, das jede zweite Bahnfahrt begleitet. Sie wissen bestimmt, was ich meine.

"Heute fährt die 18 bis nach Istanbul"

Eine andere Fahrt, Ort: Dortmund Hauptbahnhof. Ich habe eine mehr als dreistündige Fahrt nach Berlin vor mir und muss noch eine Präsentation für die Uni fertig machen. Und es kommt, wie es kommen muss. Ein Platz ist frei, doch die Sache hat einen Haken: Wie soll ich es sagen - ich war direkt in der Front Row der Mallorca-Hits-Connection, einem männlichen Kegel- oder Fußballclub.

Die Herren genießen um 10.30 Uhr ihr Frühstücks-Pils, der Ghettoblaster auf dem Tisch verbreitet Gute-Laune-Party-Mucke. "Heute fährt die 18 bis nach Istanbul", dröhnt es durch das gesamte Abteil. Da hilft nur noch Galgenhumor. Sich nicht ablenken zu lassen, fällt schwer. Aber zumindest wird man ob der zutiefst tiefsinnigen Gespräche bestens unterhalten, wenn man denn schon abgelenkt ist. Ich bin dafür, dass jeder RE und ICE in diesem Land ein Partyabteil bekommt. Dann ist dieser Bereich bestens ausgestattet und es würde den unzähligen Gruppenreisenden in diesem Land Rechnung tragen.

Pech. Doof gelaufen.

Aber mal ganz ehrlich, solche Gruppen stören eigentlich nur dann, wenn man nicht selbst Teil des Ganzen ist. Wenn man selbst mit einer größeren Gruppe unterwegs ist, ist man sicherlich auch nicht immer rücksichtsvoll. So denken halt alle, das ist Pech. Dumm gelaufen.

Kaputte Klimaanlagen sind immer wieder ein Ärgernis.
Kaputte Klimaanlagen sind immer wieder ein Ärgernis.(Foto: imago/Ralph Peters)

Aber die Bahn hat auch große und kleine hausgemachte Probleme, die immer wieder auftauchen. Das Heiß- und Kalt-Problem ist hinlänglich bekannt. Ist es zu warm, fällt die Klimaanlage aus, und dann gibt es noch das Dauer-Fröstel-Problem. Seitdem gilt für mich: Zwiebellook ist in der Bahn ein Muss. Auf diese Dinge kann man sich einstellen.

Doch etwas anderes ärgert mich wirklich: die bescheidenen Koffer-Ablagemöglichkeiten. Mittlerweile gibt es in manchen ICEs ein paar Gepäck-Regale, die man auch ohne 1,90er-Statur beladen kann. Ganz ehrlich, eine Frau wie ich mit 1,70 Meter ist kaum in der Lage, ein normales Gepäckstück zu wuchten. Die Hilfe anderer ist keine Selbstverständlichlichkeit.

Es gibt auch schöne Momente

Wenn auch viele aufgrund von Unpünktlichkeit, vollgestopften Zügen und oftmals hoher Preise über die Bahn meckern, so gibt es doch etwas Positives zu vermelden: Jede Bahnfahrt birgt neue Abenteuer oder Anekdoten. Da hat man zu Hause wenigstens etwas zu erzählen.

Demnächst werde ich wohl wieder eine Fahrkarte buchen. Aber nur, wenn bei der nächsten Fußball-Europameisterschaft auch wieder die Ergebnisse durchgeben werden. Danke, liebe Bahn, für diesen Service, für den ich euch in der Vergangenheit schon so dankbar war. Es war ein Lichtblick meiner Bahn-Momente.

Quelle: n-tv.de

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