Reise

Elefanten-"Führerschein" im Dschungel: Tourismus hilft Tiere schützen

Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken - der Elefanten! Zumindest im Norden Thailands, wo immer mehr umweltbewusste Farangs im Urlaub mit Dickhäutern leben, unter fachkundiger Begleitung durch den Dschungel reiten und dabei die Natur und das Leben von Bergvölkern erkunden. Das Wort Farang steht für Gäste aus dem Westen, die ja längere Nasen und mehr Geld haben.

Ein junger Karen badet am Rande des "Doi Inthanon"-Nationalparks die Elefantenmutter "Mae Kam Noi", die von ihrem sieben Monate alten Baby begleitet wird.
Ein junger Karen badet am Rande des "Doi Inthanon"-Nationalparks die Elefantenmutter "Mae Kam Noi", die von ihrem sieben Monate alten Baby begleitet wird.(Foto: picture alliance / dpa)

Ausgerechnet eine "Langnase", ein ehemaliger Pfleger des Berliner Tierparks Friedrichsfelde, zählt heute in Thailand zu den angesehensten Elefantenführern und -trainern der Region. Die Tiere brauchen auch dringend Hilfe. Denn die Zahl der Dickhäuter wird in Asien immer kleiner und ihr Leben vielerorts immer trauriger. Sanfter Tourismus hilft Tier und Mensch.

Das Dickhäuter-Camp in Mae Sapok, das Bodo Jens Förster mit seinem thailändischen Partner Chai Nam Tsetang aufgebaut hat, liegt am Rande des "Doi Inthanon"-Nationalparks, eine Autostunde von der Großstadt Chiang Mai entfernt. Es ist vor allem wegen seiner Urwald-Exkursionen und einem 14-Tage-Kurs mit Elefanten-"Führerschein" beliebt.

Von Berlin-Friedrichsfelde nach Thailand

Der Deutsche nickt lächelnd auf die Frage, ob er ein "Verrückter" in Sachen Dickhäuter ist. "Als Elefantenpfleger in Berlin-Friedrichsfelde habe ich von der Begegnung mit den Tieren in ihrer ursprünglichen Natur geträumt." Knapp ein Jahr nach dem Mauerfall reiste er nach Thailand. Dort lernte der langhaarige 46-Jährige sein Handwerk bei den Mahouts, wie die Elefantenführer beim Bergvolk der Karen heißen. Dazu gehört viel Verständnis, Gefühl und vielleicht auch ein wenig Glück. Förster erinnert sich: ""Bewege diesen Elefanten", sagte mir einer der Mahouts. Ich konnte ihn tatsächlich bewegen, durfte bleiben und lernen. Ich akzeptiere Tiere, Menschen und Natur. Deshalb wurde ich schon damals hier akzeptiert."

Wer in Thailand Urlaub mit Elefanten zwischen Bambus, Reisfeldern und Teakwäldern macht, erlebt nicht nur ein persönliches Glücksgefühl und hat zu Hause in der Firma oder am Stammtisch viel zu erzählen. "Das Leben und Lernen der Touristen mit Dickhäutern gibt Einheimischen und den Tieren Lohn und Brot, fördert das Verständnis von Natur und verschiedenen Völkern", sagt der Innsbrucker Dieter Schramm, einer der 30 Mitarbeiter des Unternehmens. Der 47-Jährige leitet das kleinere der beiden Camps von Elephant Special Tours in Mae Sapok, wo auch die längeren Exkursionen zu Bergvölkern, Tempeln und Wasserfällen starten. Alle sind Gewinner, wenn sie behutsam miteinander umgehen.

Mit den Füßen wird gesteuert, mit dem Elefantenstöckchen manchmal nachgeholfen: Bianca Horna am Tag ihrer Prüfung auf der Elefantendame "Mae Geo 3".
Mit den Füßen wird gesteuert, mit dem Elefantenstöckchen manchmal nachgeholfen: Bianca Horna am Tag ihrer Prüfung auf der Elefantendame "Mae Geo 3".(Foto: picture alliance / dpa)

Gäste und Elefanten-Fans aus Leverkusen, Berlin, Hamburg, Zürich, Wien und Sidney bestätigen das, auch die Unternehmensberaterin Bianca Horna aus Frankfurt am Main. Die 39-Jährige sitzt ganz entspannt auf "Mae Geo", die beim Dschungelausritt gerade wieder eine Naschpause einlegt und am Bambus zupft. Horna liebt seit ihrer Kindheit Elefanten. Ausritt, Lenken, Führen, Wenden auf engem Raum, auch Stämmestapeln, Baden und Waschen im Fluss sowie das Aufschnallen des Sitz- und Lastenkorbs gehören zum 14-tägigen Kurs mit den grauen Riesen.

"Alles nicht so schwer"

"Das ist alles nicht so schwer, zumal mich mein Tier gut zu verstehen scheint", sagt Horna. Zwischen Flüsschen, Elefantengras, Bambusstauden und hohem Gebüsch nähern sich die Gäste in Begleitung ihrer Mahouts am ersten Tag den Tieren. Die Elefanten nehmen dann Kontakt mit ihren Schülern auf. Jeder redet mit seinem Tier, ob in Deutsch, Englisch oder Thai. Die Dickhäuter registrieren Geruch, Bewegung und Stimme. Parfüm und Creme sind unerwünscht. Das würde den Geruchssinn der Tiere stören.

"Mae Geo" hat mich schnell akzeptiert", sagt Horna. Das einzige Problem: Beim Aufschnallen des Metallkorbes auf dem massigen Rücken hat die Urlauberin Schwierigkeiten. "Die Verknotung der schweren Seile ist zumindest für Frauenhände nicht so einfach. Für mich ist das der schwierigste Teil des Kursus." Die Seile dürfen nicht zu straff, aber auch nicht zu locker befestigt sein. Der Korb muss, besonders wenn er schwere Lasten trägt und nicht nur einen Menschen, auch bei Auf- und Abstieg in Balance auf dem Elefantenrücken bleiben.

Zum Glück ist Doe immer zur Stelle und zieht nun einen der Knoten fester. Der 25-Jährige Mahout vom Bergvolk der Karen kümmert sich rund um die Uhr um "Mae Geo". Mit ihr erkundet er neue Futterstellen und schläft auch ein paar Meter von ihr entfernt im Wald. Doe hat seiner deutschen Schülerin beigebracht, ihrem Tier beim Ausritt viel Freiraum zum Fressen zu lassen. Das macht sie auch heute am letzten Tag ihrer zwei Elefanten-Wochen.

Im Elefantendorf, das der Thüringer Förster und der Thailänder Tsetang aufgebaut haben, fühlen sich auch Jungtiere wohl: Elefantenmutter "Mae Kam Noi" mit ihrem sieben Monate alten Baby.
Im Elefantendorf, das der Thüringer Förster und der Thailänder Tsetang aufgebaut haben, fühlen sich auch Jungtiere wohl: Elefantenmutter "Mae Kam Noi" mit ihrem sieben Monate alten Baby.(Foto: picture alliance / dpa)

"Mae Geo" ist 22 Jahre alt und etwa im 19. Monat schwanger. In drei oder vier Monaten kommt ihr Baby zur Welt. Die Elefantenlady biegt sich mit ihrem Rüssel eine Bambusstange zurecht, bricht sie geschickt und schiebt sich die Stücke ins Maul. Genug gefressen. Weiter geht's. "Kwe!", "Kwe!" ("Zurück!") Mit diesem Ruf und ihren Füßen versucht Horna von ihrem Sitzkorb aus, das Tier vom Bambus wegzulocken und zum Weitertrotten zu ermuntern. Nach einem lauten "Hu!", "Hu!" ("Vorwärts!") setzt sich "Mae Geo" gemächlich in Bewegung.

Hilfe durch junge Karen

Ein älterer Berliner, der im Camp einen kurzen Schnupperkurs macht, schaut bewundernd zu. Er ist froh, dass er nicht selbst steuern und rufen muss und seine Elefantendame "Mae Geo" folgt. Es geht einen Teakholzhain steil bergab. Der Berliner klammert sich an seinen Sitzkorb, damit er nicht nach vorn rutscht und auf Mahout Tam. Der 20-jährige Karen sitzt auf dem Nacken des Tieres, hält mühelos Balance und steuert seinen Elefanten lässig mit den Schenkeln. Das Stöckchen mit stumpfen Haken muss er bei Elefantenmutter "Mae Kam Noi" kaum einsetzen. Sie ist 17. Ihr sieben Monate altes Baby läuft immer um sie herum, zupft auch spielerisch an Blättern und Ästen, frisst davon aber nichts, sondern macht hin und wieder einen Milchstopp bei der Mama.

"Bei der Geburt war der Nachwuchs 100 Kilo schwer, heute bringt er fast das Doppelte auf die Waage", erklärt Tam. Bis der junge Elefant das Gewicht der Mutter von 2,5 Tonnen erreicht, dauert es noch eine Weile. "Jungtiere sollten wenigstens vier Jahre bei ihrer Mutter bleiben dürfen", sagt später Bodo Jens Förster. In vielen Camps und auf Farmen würden Elefanten zu früh getrennt. "Das schadet ihrer Entwicklung." Der Deutsche ist froh und stolz, dass sich bei ihm die Dickhäuter wohlfühlen. Acht ausgewachsene Elefanten, davon ein Bulle, leben im Camp, außerdem fünf hier geborene Jungtiere. Bis auf ein Tier sind alle Elefanten, die mit Touristen arbeiten, gemietet. Die Eigentümer leben in einem Dorf an der Grenze zu Birma.

Bis zu 200 kg Grünzeug täglich

Der Unterhalt eines Elefanten kann bis zu 25 Euro am Tag kosten. Ein Jumbo verschlingt täglich 100 bis 200 Kilo Grünzeug und braucht 100 Liter Wasser. "Unsere Elefanten sind halbwild, nachts sind sie im Wald, suchen sich ihre Nahrung, tags müssen wir zufüttern", sagt Förster. Er hat eine Genehmigung der zuständigen Behörde in Bangkok, dass die Tiere im staatlichen Wald leben und fressen dürfen.

Bianca Horna aus Bad Homburg während eines Elefantenreitkurses auf der schwangeren Elefantendame "Mae Geo 3".
Bianca Horna aus Bad Homburg während eines Elefantenreitkurses auf der schwangeren Elefantendame "Mae Geo 3".(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mit Appellen, Medienkampagnen und auch Patenschaften versuchen Umwelt- und Tierschutzorganisationen, aber auch Regierungsstellen und Kommunen, die Existenz der Elefanten in Reservaten, Parks und in der Wildnis zu sichern. Auch Phairat Chaiyakham (65), Chef des "Pattaya Elephant Village" 800 Kilometer südlich von Chiang Mai, kämpft seit Jahrzehnten für den Schutz der Tiere.

Phairat beklagt immer wieder, dass auch heute noch "zu viele Tiere in Asien und auch in Thailand als Bettelefanten durch Verkehrsgewühl in Metropolen stampfen müssen, damit Geschäftsleute und Passanten eine Futterspende geben". Diese Tiere sind oft unterernährt und sehr anfällig für Krankheiten. In Thailand sei diese Bettelpraxis illegal, sagt Phairat, aber nicht ausgerottet. Auch in seinem Elefantendorf lernen in- und ausländische Gäste viel über die Tiere und sichern mit Ausritten eine erträgliche Existenz der Elefanten. "Das ist besser als Almosen und Betteln."

Mehr als hundert Elefantenparks

Mehr als hundert Elefantenparks und -camps gibt es heute in dem südostasiatischen Land, allein im Großraum Pattaya knapp zehn und um Chiang Mai über 20. Vielerorts sehen Urlauber den Dickhäutern bei ein paar Zirkuseinlagen oder beim Fußballspielen zu, reiten ein Stündchen und erfahren wenig über Leben und Bedrohung der Tiere. Und mancher sogenannter Elefantenhüter, der oft selbst kaum genug zum Leben hat, gibt seinem Tier mehr Schläge als Hege und Pflege. Nicht selten stehen und liegen die Elefanten nachts dicht an dicht auf einem dünnen Streifen zwischen Straße und Reisfeld. Auch Bodo Jens Förster und sein Team sind wütend und traurig, wenn anderswo Tiere misshandelt werden, unterernährt sind oder Opfer von Verkehrsunfällen und Landminen werden.

Zum Glück gibt es das "Asian Elephant Hospital" von Soraida Salwala in Lampang im Norden des Landes. Die heute 53-jährige Thailänderin kümmert sich hingebungsvoll um Dickhäuter, seit sie als Achtjährige einen Elefanten qualvoll sterben sah, den ein Lastwagen angefahren hatte.

Elefantenkind "Mosha" ist einer der Dauerpatienten in der Klinik von Soraida. Vorsichtig tritt es mit dem rechten Vorderbein auf, das von einer Prothese gestützt wird, die Soraidas Team hergestellt hat: Ein Sack aus dickem Plastik, unten mit Holzspänen gefüllt, darauf ein weiches Kissen. "Mosha" wird das Ganze über den Stumpf gezogen und mit Riemen um den Bauch geschnallt. Das damals sieben Monate alte Elefantenbaby war im Dschungel im Grenzgebiet zu Birma auf eine Mine getreten, die Explosion riss das Vorderbein halb. Auch durch Besuche in der Klinik erfahren Elefantenfans viel über die Tiere.

Zahl drastisch gesunken

Vor 100 Jahren lebten noch mehr als 100.000 Elefanten in Thailand. Seitdem ist ihre Zahl dramatisch zurückgegangen. "Heute sind es nur noch 5000", berichtet die Asian Elephant Foundation of Thailand. Und die Zukunft der Dickhäuter sei leider ungewiss. Idealisten und Elefantenfans wie Bodo Jens Förster und Soraida Salwala versuchen zu helfen. Und Touristen können es auch. Im Schnitt 100 bis 120 Euro kostet ein Tag mit Dickhäutern - Unterricht, Mahlzeiten, Ausflüge in Bergdörfer und Elefanteninstitut sowie Übernachtung in einer Lodge im Grünen mit Blick auf Reisfelder und Bananenstauden inklusive.

Informationen im Internet

http://www.elephant-tours.de/
www.elephant-soraida.com
http://dpaq.de/LEIAv
http://dpaq.de/CxbEw
http://www.asian-elephant.org/

Quelle: n-tv.de

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